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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 9 (1864) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
9 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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gegeben war; so schließt Psalm 116, zu welchem wir jetzt gelangen, hieran dapersönliche VerhLlmiß de- Israeliten zu Gott, um auch hier vorzug-weise die Weltregierung Gotte-, wie sie sich im Leben jede- Einzelnen bethätigt, von ihm erkannt und gefeiert wird, zum Ausdruck zu bringen. Psalm 116. Wie lieb ist'- mir, daß meine Stimme Und mein Geber der Ewige erhört! 2. Denn ec neigte mir sein Ohr zu: All meine Tage werd' ich ihn anrufen. 3. Mich umschlangen die Bande de- Tode-, Die Aengste der Unterwelt trafen mich, Bedrängniß und Kummer fand ich: 4. Da rief ich den Namen de« Ewigen an: Ach, Ewiger, errette meine Seele! 5. Gnädig ist der Ewige und gerecht. Und unser Gott Erbarmer. 6. Einfaltige bewahrt der Ewige: Ich war in Nöthen, und er half mir. 7. Kehre, meine Seele, zu deiner Ruhe wieder. Denn der Ew'ge lhat mir wohl. 8. Denn du rettest vom Tode meine Seele, Mein Aug' vom Weinen, meinen Fuß vom Gleiten. 9. Ich werde wandeln vor dem Ewigen In des Lebens Landen. 10. Ich glaube, darum will ich reden — Ich war sehr bedrängt, 11. Ich sprach in meinem Schrecken: Alle Menschen lügen. — 12 Wie soll ich nun dem Ewigen vergelten All 'seine Gaben an mich? 13. Den Kelch des Heils will ich erheben. Und de- Ewigen Namen anrufen. 14. Meine Gelübde will ich dem Ew'gen bezahlen. Za vor^ allem seinem Volke. 15. Theü'r ist in de- Ew'gen Augen Da- Sterben feiner Frommen. 16. Ach, Ewiger, bin ich dein Knecht doch, Ich, dein Knecht, Sohn deiner Magd: Du lösest meine Kesseln. 17. Die will ich opfern Dankesopfer, Und de- Ewigen Namen anrufen. 18. Meine Gelübde will ich dem Ew'gen bezahlen^ Ja vor allem seinem Volke, 19. In den Hofen be- Haustdes Ewigen, In deiner Mitte, Jerusalem. Hallelujah. Wie in dem vorhergehenden Psalm die Nation in Bedrängniß, von unwohnenden Völkern besiegt und bedrückt erschien, mitten in diesem Mißgeschicken ihr da- Bewußt, sein de» rettenden Gottegeweckt, die Zuversicht auf Gotte- Hilf« zugerufen, der Segen Gottezugesichert und sie darum mit der Dankesfeier de- Herrn beschäftigt gezeigt wurde: so tritt nunmehr der Einzelne im Kampfe mit dem Mißgeschicke, mit drohendsten Gefahren und überwältigender Noth auf. Dieser Einzelne ist der Sänger selbst und der Psalm bewegt sich daher überall in der ersten Person. Er spricht aber auder Seele jederingenden Menschen und insonderjedeheimgesuchten Israeliten heraus; denn so treffend auch die einzelnen Züge sind, so entfernen sie sich doch nicht von dem, wajede« betrifft, in einejeden Seele vorgeht und sich zuletzt siegreich heraüsringt. Es ist also von keiner bestimmten Persönlichkeit und keinem speziellen Ereigniß die Rede. Als ein echter Dichter steht der Psalmist schon mitten mder Gegenwart und zeichnet, waihn jetzt bewegt, von da auerst seinen Blick auf da- Vorhergegangene richtend, und wie jeneso geworden und gekommen. Seine Seele ist jetzt voll von der erfahrenen Rettung, die ihm durch Gott geworden und 'die er daher aldiefEchorung seine- Flehen- und Betentin der Zeit der Gefahr ansieht. Ihm wallt jetzt durch daö Herz die theure („lieb ist emir") Ueberzeugung, daß^Gott den Hilferuf de- Gerechten erhört und ihn rettet, ^und darum will er Gott fürder durch fein ganzes Leben hindurch anrufen, dai nunmehr jeder Zweifel, jede» Schwanken auihm gewichen (V. 1—2). Heiß war „sein Flehen, sein Gebet," denn die Gefahr war groß, Bedrängniß und Kummer aller Art hatten ihn gettoffen, die Schrecken de-Todes umringten ihn, er stand dicht an dem Abgrund», in den er hinadstürzen sollte. Da rief den Ewigen um Rettung an, vnd wiederum^ bewährte sich dieser Gott als gnädig, gerecht und erdarmungsvoll; wiederum erwies es sich, daß der Ewige die „Einfältigen," die der Schlangmklugheit der Welt entbehren und daher den Arglistigen bloß gestellt sind mid harmlos den Pfad de- Rechtegeherr^ bewährt, die gegen sie angesponnenen Listen zu Schanden macht und ihnen au» den Nöthen hilft (3—6). Darum kann nun die Seele des Geretteten zu ihrer Ruhe zurückkehren, denn Gott hat sie sowohl auden äußern Gefahren wie auden'innem Kämpfen gerettet, so daß sie sicher in alle Zukunft hinaus schauen kann, gewiß, immer „vor dem Ewigen im Lande de- Lebenzu wandeln." Darum bringt sich der Särmer-, beide Momente wieder in da« Bewußtsein zurück. S?in Fuß wollte gleitet!, sein Auge floß von Thränen über und über seinem Leben hing der Tod. So viel Mißgeschick, so herbe Verluste, so große Gefahren hatteniihn betroffen. Jetzt aber ist allegewichen: er stehet wieder aufrecht und schreitet festen Fußes im Leven weiter, sein Herz ist voll Freude und Zuversicht und 'die Furcht vor dem Tode har sichln die Gewißheit des.Lebengewandelt 7—9). Aber auch in der großen Bedrängniß hatten sich Zweifel in seine Seele eingeschlichim, in den Schrecken, die ihn Erfüllten, waren sie schnell emporgewachsea und hatten seinen Gei« eingenommen; wie die Aussichten sich immer Mehr verdunkelten, wie die Angst de- Todeihn immer mehr erschütterte, sprachen feine zitternden Lippen, w<jua auch unhörbar: Die Menschen lügen, wenn sie unvon einer gerecht waltenden,, den Frommen und Tugendhafte«! schützenden Gottheit lehren! Ader auch hieraus ist er gerettet, auch dieser Seelenkampf auf immer zurückgewichen, der Glaub«, der volley unerschütterliche Glaube erfüllt ^ihn ganz und gar und dämm erhebt er laut seine Stimme und verkündet ihn (10. II.). — Sicher sind diese ersten. II Verse de- 116. Psalmder Höhenpunkt deganzen Lobgrsangs. Es werden uns hier alle Quellen de großen Seele des Sängergeöffnet und auihnen stieren uns die Gewässer der wahrhaftigsten und innigsten En pfindun» gen entgegen. Wer hat nicht Aehnlicheerfahren erlitten und ersiegt? Wer ist auden Kämpfen de- Lebens hervor» gegangen, ist durch die Prüfungen de- Lebengi schritten, ohne Gleichezu empfinden, zu denken und z i diesem

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