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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 9 (1864) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
9 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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3b Endziele ju kommen? Darum sind es eben ewige L Heiken, die der Sänger ausgesprochen, weil sie unadhc ngig von Aeir und Ort, unverändert von dem Wechsel der berührhältnisse und Zustände, immer wieder so und nicht ai decS in den Geistern vor sich gehen und sich entwickeln.!Las der Sänger in wenigen aber tiefen Zügen, mit kl rzen aber sicheren Strichen zeichnet, eS ist die Lebens-, Lei rns- und Siegesgeschichte zahlloser Seelen. Danken wir ihm insonders dafür, daß er auch die Stunde der Schwache malt, die Zeit,. in welcher auch der stärkste Geist vor dem Sturm.,der Geschicke sich schwach zeigt, schwankt und zweifelt; daß er nicht mit jener Heuchelei der Frömmler -inen Glauben in stetem Triumpfe über Mißgeschick und ‘ Trübsal varstellen wollen, sondern von sich selbst gesteht wie er geschwankt und gezweifen und wie und wodurch er zum Siege gekommen; danken wir ihm, daß er eS unS zum Bewußtsein gebracht, wie wir der Hilfe Gottes nicht bloS gegen die äußeren Gefahren, sondern auch zur Reitung und Festigung unsrer Seele bedürfen, wie nahe wir stets dem Zweifel und dem Unglauben sind, und baß wi niemals auf die Starke unsres Geistes trotzen dürfet, solange die Versuchung und der Sturm unS ferne sin >. Um so glühender mußte sich nach all dieser erfat cenen Rettung daS Her; des Sängers mir Dankesiudel üllen, d.-n er nun in der zweiten Hälfte des Psalms mit voller Kraft ausströml.. Die Frage liegt ihm nahe, wie er dem k>errn für alle seine Wohltharen zu banken vermöge? Es i t bas zunächst beengende Gefühl, welches das dankbare G müth gegenüber unermeßlichen Wohlthaten überkommt, da« diese Frage herdeiführr (D. 12.). Aber bas ist ja di« volle Gnade Gottes, daß er uns, seinen schwachen Kirdern, doch die Wege gegeben, auf welchen wir vor ihn all unser Dankgefühl aussprechen und dem gewaltigen 2'ränge unsres Herzens genügen können. „Den Kelch . des Heils will ich erheben und den Namen des Ewigen aniifen." Das heißt: Alle Kammern meines Herzens will i h mit dem Gefühl« des mir erfahrenen Heiles erfüllen, alle < Saiten meiner Seele sollen vom Bewußtsein der Rettung er littgen und das soll sich zum Worte gestalten und im hellen Gebete, in vollem Sange, in der heißesten Änderung l eraustönen. Aber eS soll und darf nicht bei diesem s ch auf sich allein beschränkenden Ausspruch des Dankes l leiben. Er ist es seinm Mitmenschen schuldig, laut vor alle: Welt daS erfahrene Heil und die gewonnene Uederzeug« ng zu verkünden. Und hierzu geben die in der Stunde Crt Gefahr gethanenrn Gelübde die Veranlassung. Er! »ill sie erfüllen, sie erfüllen mit Freude, sie erfüllen im Ar gesichte des ganzen Volkes und dabei ihre Motive, das, »as er erfahren und gefunden, aussprechen, wie er jetzt un Zweifel» Haft wisse, daß Gott der Untergang des Gerecht«, nicht gleichqiltig ist, sondern er ihn adwendet; wie er ich als Diener Gottes fühle, der ihm seine Fesseln gel st und von allem Leibe, ihn befreit. Doch nicht bloS i«ri den Gelübden will er verbleiben, sondern freiwillige D: fek des Dankes in Fülle hinzufügen. Dieses Bewußtsein, Hiener Gottes zu sein, stellt ihn aber sofort auf den nationalen Boden Israels zurück. Die Erkenntniß, die alle«, diesen zu Grunde liegt, die er nicht selbst gefunden, soal'em sich Berantwonl i $ai«s vo« s < > ■ | < 111 c i ’i «4s nur aus dem Kampfe des Lebens mit gestärkter und unbedingter Ueberzeugung gerettet hat, ist ihm ja eine überlie, kerre, die ihm von den Vätern überantwortet ist, die in Israel ihre Wurzel Ott und in dessen Heiligthum ihren bauernden Boden. Nicht er allein ist ein Diener Gottes, sondern die Mutter, die ihn geboren und genährt, und alle vvcangegangenen Geschlechter waren es. So müssen diese Gelübde und Dankesopfer im Hause des Ewigen, in Jerusalem dargebracht werden, vor dem versammelten Volke, daS ihn und seine Gefühle versteht, seine Ueberzeugung theilt und in feinen DankeSjudel einstimmr. Das ist der Sinn des herrlichen Psalms, der zugleich in die trefflichste Form gekleidet ist. Welche Fülle von Innigkeit und Schönheit enthält jedes Wort beS SanzeS; wie treten die Gedanken und Empfindungen auch ln Wort und Klang hervor und zeichnen sich in Rhythmus» Gleichklängen und selbst Reimen ab! So z. B. Vers 3, der unübertrefflich« D. 6, und in der zweiten Hälfte des Psalms die refrainartigen Wiederholungen. Jetzt hat der Sänger nur noch einen Abschluß für das zweite Hauptstück des ersten Theilks und diesen selbst hinzuzufügen und thut es in dem kurzen 117. Psalm, der, wie der Anfang des ganzen Lodgesanges, alle Völker zum Lobe des Herrn aufrufr, da nunmehr die allmächtige Gnade und ewige Wahrheit Gottes deutlich geworden ist. Psalm 117. Lobet den Ewigen, alle Völker, Rühmet ihn, alle Nationen! 2. Denn mächtig über uns ist seine Gnade, Und des Ewigen Wahrheit auf ewig. Hallelujah. (Schluß folgt.) Anekdote. Ein reicher Banquiec begegnet bei sehr schlechtem Wetter einem bekannten Witzling. „Wie geht tiV fragt dieser jenen. „Ach, antwortet schaudernd der Banquier, wir armen Hunde auf Erden sind immer geplagt." — „Sie irren, antwortet der andere. Sie sind nicht arm, und ich bin kein Hund." — Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ro. 8. 1864. Inhalt: Leitende Artikel: Einige kritisch« Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nach Maimonide». IV. — Zerstreute Bemerkuogeu. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland- Frankfun a/M., Baireuth. Preußen: Berlin, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Krakau, Aus Böhmen. Frankreich: Paris, Paris. Italien: Ferrara, Aus Oberitalien. Rußland: Petersburg. Amerika: Baltimore. Portugal: Lissabon. Neu-Seeland: Duuedin. yy Zu beziehen durch jede« Postamt uud jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thaler. «her Redacreur: 8. Fritzscke. Handlung ia KcivtU- — Druck rcn <9. Sc«viiNg in Leivu«.

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