Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 9 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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34 allein in aller Zukunft alle meine Pulse, alle Athemßüge meiner Seele zugehören werden. Aber was bat bieseinnerste Heiliothum meine- Herzenmir der Welt und ihrem wüsten Betreibe zu schaffen i Da liegt eine starke, unducchdringliche-Scheidewand dazwischen. Wain dieser Welt und für sie mich bewegt, davermindert nein« Befühle für dich nicht und nimmt nicht den gering sten Theil meiner Neigung zu dir hinweg. 2m Gegeni heil, bei dir werde ich stetdie Ruhe und den Frieden sichen und finden, der uns draußen versagt ist. Du sollst mir Ersatz geben für alle die Täuschungen, die draußen m iner . harren und die ich nicht adzuwehren vermag. Die i iß der heiligste Beruf de- Weide-, daß es die Kämpfe de- Mannes, denen er sich nicht entziehen kann, durch die Anmuth und den Reiz des Hauses verdrängt und i>rrn Gatten dafür entschädigt. Ader sieh, der furchtbare St >rm, der sich in unserm Vaterlande erhoben und der uns alle zu verderben droht, wie kennte ich seiner vergessen f Dai stolze, riesenhafte Gebäude brr Union hat wie durch ein Erdbeben einen Riß von der Brundveste bizum Dar! first erhalten, baß e» dicht am Einstürze steht; wie könnt ich theilnadmlos dabei bleibend Vor dem furchtbaren Lasse, der Rachsucht, dem schrecklichen Bruderzwiste, dem zersL renben Bürgerkriege, die idr blutiges Spiel in diesem »errlichen, mächtig aufstrebenden Land« begonnen haben, lieht der GeniuS der Freiheit, der hier seine ewige Heiiiath gefunden zu haben schien, weit hinweg und kehrt viel eicht niemals wieder zurück; wie sollte mich dienicht ergi eisen und der Gedanke daran und die Trauer darum mich »erlassen können? Ja, meine Liede, ich fühle mich sehr unc lücklich darüber, und die Stunden, die ich bei dir verdrnge, sind das einzige Labsal in dem Wermuthsdecher, den das unglückliche Vaterland mir jetzt reicht. Ich bin noch ung, mir fehlt die Erfahrung; vielleicht würde ich als er »roblrr Mann^eniger heftig fühlen und 'wahrscheinlich alter und gemessener die Dinge deurtheilen. Aber eS ist «i »mal mir meinem ganzen Wesen verwachsest. Alles, was mir von der Hmdbeit an ehrwürdig und heilig erfchjei, ist hierin enthalten. Du weißt, meine Eltern waren frcmme Israeliten, und sterbend noch übergab mich mein s)arer einem dejahrren Diener mit dem Echote, mich streng nach den Lehren unserer Religion erziehen^v lassen. Ein deutscher Gelehrte unsres Glauben-, der vor dem Drucke den unsre Brüder in der alten Welt zu ertragen haben, zeflvhen und hier die Luft der Freiheit mit durstigen; ügen einsog, wurde mein Lehrer. Bei aller Strenge, zu i er er mich m Befolgung deheiligen Gesetzeanleitete, seo re er zugleich frühzeitig die Lehren der Religion in meinen Geist und zeigte mir wie diese einfei mit den höchsten G Zündsätzen und Gütern der Menschheit. Er zeigte mir, daß eS der besondere geschichtliche Beruf unstes Stamme! fei, die Gleichheit der Menschen zu vertreten und die Fl eideit aller Menschenbrüder erkämpfen zu helfen. Denn so lange würden die Juden noch flüchtig und verfolgt auf der Erde ' sein, so lange der Statte nicht sicher, auf der sie sic > angesiedelt, so lange Unfreiheit und Ungleichheit noch in rgrnd einem Winkel der Erde ihre Zufluchtsstätte besäßen aus denen sie immer wieder wie finstre Dämonen ihre blüt, triefenden Schwingen über die Lander breiten köi area, welche sie schon auf .immer verlassen zu haben sch euea. Er war es, der. als ich «och Knabe war, mit fi istern Blicken auf die schwarzen Sklaven meiner Plantagen wies und sagte: So lange noch die Kelten an den Gliedern dieser unglücklichen Race klirren, hat der Jude keine Bürgschaft, bas schwere Joch der Unterdrückung auf seinem Nacken nicht tragen zu müssen! Diese- Wort har sich mir in die Tiefe der Seele gesenkt, rollt mit meinem Blute durch meine Adern und arhmer mir meiner Brust die Luft de- Lebens ein. Da hast du daganze Räthsel, meine Antonie, und du wirst mir nicht mehr zürnen, wenn ich in den entscheidenden Stunden, die jetzt über uns stehen, dann und wann etwaabwesend erscheine. Habe nur etwa- Geduld mit mir, ewerden ja auch Zeiten kommen, wo ich sie mit dir haben muß, und da verheiße ich sie dir jetzt schon in vollem Maße." Das junge Mädchen harre ihrem Bräutigam.die Hände nicht entzogen, während ec mit ihr sprach; mit jedem Satze seiner feurigen Rede war sie ihm näher gerückt; ihr Antlitz hellte sich auf, und wie sie in die Röthe blickte, die da» Angesicht degeliebten Manneimmer mehr bedeckte, drückte sie ihm erst leise, dann stärker die Rechte. Aler geendet, wollte sie ihm antworten, und gewiß in versöhnter Stimmung, denn ihr Herz war tief ergriffen. Aber sie kam nicht dazu, denn, die Liebenden mochten wohl da- Anklopfen an die Thüre überhört haben, plötzlich trat ein andrer junger Mann ein, der mit nicht geringer Aufregung auf Rodert hiutrat und, ihm zucref: „Weißt du schon da» Allerneueste?" „Und das wärei" — erwiderte Robert und sprang vom Divan auf. „Der Senator Benjamin ist von Richmond eingetroffen, um die hiesige Regierung im Sinne der Conföverirten einzurichten. Ec hat einen wahren Triumpfzug gehalten, alles Volk jauchzt ihm zu, alle Plantagenbesitzer der Gegend ritten bewaffnet in Zügen vor feinem Wagen her, ec ist jetzt der Allgewaltige in unsrer Stadt." „Der Derräther!" rief Robert aus und feine Zahne knirschten vor Leidenfitzafr. „Derräther? Wie so Derräther?" erwiderte der andere. „Vierfacher Derräther, dirferjBenjamin, an der Menschheit, an der Freiheit, an seiner Religion und am Vaterlande!" lautete die Antwort. „Du sprichst schreckliche Worte, Robert, sprach der Eingetrereae nach kurzer Pause, und ich wollte dich als Freund doch ermahnen, dies nicht'" anderen und nicht so! laut zu sagen, denn es könnte dir übel bekommen." Dabei j warf er einen lauernden Blick auf den offenherzigen jungen ' Mann und wandte sich dann zu Antonie, der er eine . riefe Verbeugung machte. Doch sehen wir uns erst diesen : Ankömmling etwas genauer an. (Forts, folgt.) Eine Erklärung des großen Lobliedes. (Haltet.) (Fortsetzung.) Wenn in Psalm 113 der einleitende Aufruf zum allgemeines Lobe Gottes und feiner Weltregierung, in Psalm 114 der Erweis der letzteren in der Geschichte Israels, in Psalm 118 das nationale Berhältniß Israelzu Gott