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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 9 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
9 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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♦ Volksblatt Zur Belehrung unh Anterhaltung auf zübifchem Hebiele. Herau-grgeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Jüdisches [9to. 9. 1864.] Öen vieler Zrttschrikr erscheint wochenUich ein« N»«mrr. Preis de« Jahrgangs 1 Lvlr. Bierreljährig 7 % Ngr. Alle KuchbaoblnngLN. Pvftamler - — stfb Zeimngsexvedtüone» nehme» Petzevnnge» an. [11. Jahrs. 1. Quartal.] Die Union. Eine Novelle. I. Antonie de Castro saß aus einem Dwan in ihrem Boudoir zu New-Orleans. Sie war ein blühende-Mädchen von noch nicht zwanzig Jahren, von wahrhafter Anmuth. Ihre Toilette war beendet und sie war mit nichts beschäftigt,alsich mir ihrem Fächer Kühlung zuzuweden, denn der Vormittag war bereitvorgerückt und die heiße Jahre-zeit, so unerträglich in jenen Gegenden, schon nahe. In dies« reizende Bewegung, in welche, die Frauen der heißen Zone so viele Coquetterie zu legen verstehen, schien sich eben jetzt ein Anflug von Leidenschaftlichkeit zu mischen. Lag doch auch eine gewisse Unzufriedenheit in ihren schönen Zügen ausgesprochen, und der Blick aus ihren lebhaften Augen wanderte unruhig von einem jungen Manne, der ihr gegenüber mit gekreuzten Armen in der Fenstrrbrüstpng lehnte, immer wieder schnell zu andern Gegenständen de- Gemach-. Zwar kehrte er bald zu dem schönen Manne zurück, aber wie unwillig verließ er diesen wieder. „Ich bin unzufrieden mit dir, Rodert, sprach sie. Ich will es dir gar nicht verhehlen." ^,Und warum, meine zärtlich geliebte Antonie?" fragte der junge Mann, ohne diese Frage sehr ernstlich zu nehmen. „Ich kann mir nicht denken, wodurch ich deine üble Laune, di« ich schon seit meinem Eintritt an dir bemerke und die wie alle-, dir wunderschön steht, verursacht hätte?" „Run, damit du eS ein für alle Mal weißt, ich bin außerordentlich eifersüchtig." „Ader um Gottewillen, welche Veranlassung hätte ich dir denn zu dieser grausamen Leidenschaft gegeben? Beschränke ich nicht mein« Besuch« ganz allein auf dich, und habe mir deshalb schon mancherlei Borwürfe zugezogen? Bist du meiner Liede und Treu« nicht sicher? Gewiß, Antonie, ein Wesen wie du braucht'nicht zu fürchten, daß der Mann, dem sie ihre Gunst geschenkt, sich der geringsten Zweideutigkeit schuldig machen wird." „Du bist auf ganz falscher Fährte, Rodert, sprach da- Mädchen lächelnd; ich weiß, daß ich allein deine Zuneigung besitze, ich allein, wenn ich an lebende Personen denke." — „Gewiß, thrure Antonie, erwiderte der jung« Mann und eine Aufregung der Trauer schien ihn ergriffen zu haben. Seit früher Jugend stehe ich allein auf dieser Erde, besitze weder Eltern, noch Geschwister, noch Verwandte — denn die ftirchtbare Geißel diese- Laude-, dagelde Fieber, war eingedrungea in mein elterliche- Hau- und har all, Biwohner orsselden unter den Rasen gebettet, mich allein, den zarten, zweijährigen Knaben verschonend. Warst du ebohr, die zuerst mein Herz lieben lehrte und mir di, Pforten eine- Glückeöffnete, damir didahin unbekannt war. Wen sollte ich wohl lieben, da ekeinen gibt, der mich zu lieben hätte?" ,;,Doch, doch, Rodert. Ich habe dir gesagt, ich sei eifersüchtig, und> will dir nicht verhehlen, auf wen. Ich bin einmal eine lau-schließlich? Natur, und in dem Heiligthum deiner S«!ele will und muß ich die einzige Göttin sein, der du L^pfer darbringst auf dem Altar der Liebe. Du aber kniest! noch vor ganz andern Göttinnen. Da ist die Freiheit, die Menschheit, die Unicn, die Republik, die häßliche Sklavenemanciparion, dieseverrätherisch« Gespenst, damit! allen Schrecken der Nacht durch unser Land zieht: alle^ diesen ist dein ganzer Sinn zugewendet, an nicht- 'anders denkst du, seit Monaten gehst du schon träumerisch, unruhig, oft leidenschaftlich umher, alle deine Gedanken sind d!avon eingenommen, alle-, wadu sprichst und thust, bezieht sich auf dies« eitlen Dinge, di« mich gar nichtangehea, und nebenbei erinnerst du dich vielleicht auf einen Augenblick, daß es so ein arme-, verlassene- Wesen gibt wie die Antonie de Castro, der du einige Brosamen von der reichen Tafel deine- Geisteschuldig seist. Und da soll ich nicht eifersüchtig, nicht ärgerlich sein? Damit soll sich «ine Braut wenige Wochen vor der Hochzeit begnügen? Wie soll dienachher werden? Wird mir denn noch der kleine Ueberrest deiner hohen Aufmerksamkeit bleiben, di« lauf viel erhabenere Gegenstände Verwender werden muß? Da ist wohl da- Geringste, daß ich unzufritden sei. . ." Jetzt war es da- Angesicht dejungen Manne-, über welcheein Lächeln glitt. Aber aler nunmehr auf da- Angesicht seiner Braut blickte und gewahrte, welche Erregung auf demselben Platz gegriffen, wie die Waagen sich gerothet, die Augen flammten, die Lippen sich bitter gekräuselt, und rasch deßkiff, baß hier ein tiefer Ernst zu Grund« lag und daß da- Mädchen die von ihr ausgesprochenen Empfindungen wirklich uahmit Heftigkeit fühlte, schritt er durch da- Zimmer zum Divan, ließ sich neben Antonie nieder/ ergriff ihr« Hände, schaute ihr feurig in die Augen und j sprach: „Theure Antonie, zweifle niemalan meiner Lied«. Wie du mich kennst, ist die Wahrhaftigkeit diejenige Macht, welche eine unbedingte Gewalt über mich übt, und so kann ich dir zuschwören, daß niemals und nirgendirgend «in Wesen auch nur den geringsten Theil meine- Herzenbesitzen werde und daß dir

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