Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 8 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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Trüdsalen Israeleine» „Fluch" Gottes scheu tpiBj um unum so nachdrücklicher schmähen und verketzerp zu können? Aber auch darin verfährt der Sänger sinnig^ daß > er hier die Allmacht Gotte-, wie sie sich insondedin! seiner Weltregierung au-prägt, nur mit weniges, aderträftigea Worten au-drückt, um so mehr, da er deren Kreischen in den vorangegangeuen Liebem gegeben hat, dagegen , nun au-führlicher die Nichtigkeit und Unvemünsligkeit de-! Göheudilberdienstemit feiner Ironie schildert. Wa- -aan, meint er innerlich, diese- oder jene- Zeitereigniß gegen di« allmächtige und allwaltende Gottheit erweisen, die wir anderen. wenn in euren Götzen schon von vornderem nichtals Unvernunft und Widerspruch gelegen sind J Sie sind nicht», und da- Derttauen auf sie nichtig, und diegenügl, um euch überhaupt zu widerlegen und die Wahrheit unserer Eckmntaiß zu Tage zu dringen. Daß diese Götzen, welche damals alle Völker der Erde anbtteten, Gebilde von Menschenhänden, au- Stoffen der Erde sind, daß sie mit Organen und Gliedern versehen worben^ diese aber nicht zu ihren Zwecken gebrauchen können, ist sin so sprechende- Urtheil über ihre Nichtigkeit, baß der mit Recht sowohl deren Verfertiger alderen Anbe derselben Nichtigkeit theilaehmen laßt und sie ihnen stellt. . Denn ei» solcher Mensih gebraucht die ih Gott verliehenen Glieder, Sinne und geistigen Kräfte in solcher verkehrten Weife, daß er gleichsam mit ihnen!ebmfalls nichtau-richtet. Ja, wer sie verfertigt, erniedrigt sich noch mehr alder, welcher sie änderet, weil «o seine Kunstfertigkeit, seine ihm gewordenen Geistrsgaden z^» solchen Dingen verwendet! Man kann 'e» hier bei aller Kürze de- Sängernicht verkennen, daß er zwei in Israel lmende Gedanken energisch hervortreten laßt, den einen, biß die Verfertigung von Götzendildem schuldbar ist,'wie denn da- Gesetz dieselbe de« Israeliten aufstrengste verrietet; dm zweiten, daß ein Israel kin.große- und «rhe »ende- Nationaldewußlsein schaffen mußte, sich so allein im öesitz« der höheren Erkenntniß, in der Uebung der lauterste x Anbetung und Gotteoverrhrung zu sehen, während alle anderen Völker, so reich, mächtig und in Kunst und 8 jissenschaft vorgeschritten sie auch waren, auf diesem h chstm Gebiete de- Menfchm sich so weit verirrt hattm. Wie natürlich also, daß der Sänger d«-halb Israel zum vollen Vertrauen auf de- Ewigen Führung und Hilfe aufl ordert, die sich ihm mitten in den Bedräagniffm, die eumgeben, immer wiederholt bewähren werben. Er laßt diesi Aufforderung wie in zwei Chören geschehen, von denen der zweite die Aufforderung deersten motivirt, und ve-ändert dabei die Person (der erst« in zweiter, der zweite in Dritter Person), alob die Aufforderung von allen Seitfn an Israel gelange. Er läßt ferner dieselbe zuerst an dpge, sammle Israel, bann an di, Priesterschaft, albeßonderberufen« Trägerin der Gotte-lehre, dann an alle Gotte-- fürchtigea gerichtet werdm. Daß unter dm letzter!» alle diejenigen zu verstehen sind, welche unter sämmtlichej» Völkern zu siner lautere« Verehrung der Gottheit inj Wott und Thar gelangt sind, wie schon Adm-E-ra ««nimmt, ist besonderau- Psalm 117 ersichtlich, in welcheck „alle Volkes zum Lob« Gotteaufgerufen werdm. — Diesem vertrauen entsprechend strömt nun auch der reichst^Gotte-segeic auf „da- Hau« Israel", auf „da- Hau- Ahr,«" uad auf alle „Gotte-fürchrigen", weß Stande-, Alter« und Geschlechtsie seien, hernieder, tut Segen, der für die Zukunft eine immer weitere und größere Fülle verheißt. Ja. so tief ist der Sänger von diesem Verhältnkß zwischen Israel nebst allen Gotte-fürchtigen und Gott überzeugt, daß er sie all« schon al- Gesegnete Gottebegrüßt, de- Gotte«, der, dasei niemalzu vergessen, „der Schöpfer de- Himmel- und der Erbe ist." — Bleiben wir hier noch einen Augenblick stehen. Wir können eunnicht versagen, noch mit einigen Worten auf den Standpunkt aufmerksam zu machen, welchen hier der h. Sänger einnimmt und den di« Synagoge durch Annahme dieser Pfalmengruppe alhöchsten Lobges.mgnicht minder eingenommen und bewahrt har. Wenn wir hier schon zweimal diese Aufführung Israel-, der Priesterschafk und der Gotte-fürchtigen aller Völker aagetroffen und sie Psalm 118 noch einmal wieberkrhren sehen, und Psalm 13-, Id. 20. ihr wieberbegegnen, daletzte Mal noch mit dem Hause Levi vermehrt, so gibt undieden Beweis, daß schon damalin Israel jede engherzige Ausschließung betreff» der übrigen Nationen, jede Begrenzung de- Heil» auf die Glieder unsre- Stammegeschwunden war, daß der Blick sich hinau-gerichtet hatte über daganze Menschengeschlecht, die Wirksamkeit der Gotte-lehre Über alle Grenzen der Erde sich au-d,hnen sah und niemanden, niemanden zuröckwie-, in dessen Geiste da- Licht der Gotte-,rkenntniß dämmerte und mit dem Morgenrothe der „Ehrfurcht vor dem Ewigen" aufging. Wenn hier die Gottesfürchtige« auallen Völkern an dem „Segen Gotte»" gleichen Anthell haben, zum Vertrauen auf Gott und zum Lode Gottein gleicher Weife aufgefordert werdm wie Israel und seine Priesterschaft, so gibt dievom Geiste wahrer religiöser Erleuchtung dakräftigste Zeugniß. Dabei ist wohl zu beachten, daß der Sänger auf dem positivstm Boden steht, die wunderbare Geschichte Israelin unangetasteter Gestalt anerkmnt, die Priester in ihrer cultuellen Bedeutung hervoehebt, dm Tempel zu Jerusalem al< die Stätte der Gotte-anberung, alda- Heiligrhum de» Ewigm verehrt. hieraufließt aber auch andrerseits, Vdß zu jmer Zeit die israelitische Gotte-lehre schon viele Anhänger unter andren Dölkem gefunbm, wie dieauder babylonischen Gefangmschaft auch documentirt wird.*) So legt der Sänger dar, daß er in der israelitifchm Gotte-lehre mit dem innigsten Glauben die höchste Vernünftigkeit und die wärmste Entfaltung de- Herzmin der unbedingten Mm, schmliebe vereinigte — Doch wir sind mit unsrem Psalm noch nicht zu Ende. Anknüpfmd an dm in Ver- 1zuletzt gebrauchten Au-druck „Schöpfer de- Himmel- und der Erde" wirft er einen Blick in die drei Welten: Himmel, Erd« uad Reich der Tobte», indem er jenen al- Gott, die zweite aldm Menschen, dadritte aldm „in da- Schweigen der Gmft Gefahrmen" vordedalten ansieht. Dort thront der Zupreismde, auf dieser lrdm und wirkm die Preifmdm, während in der Unterwelt die Stille de- Todeherrscht. Diesoll an die Mmschmkinder eine um so dringendere Mahnung sein, Gott zu pressm „von nun an bikn Ewigkeit, und hierin hat der Sänger dm passmdstm Schluß dieseerstm Theilde- Lodgesangegefündm, der auf dm Anfang zurückweist: 118, 1. die *) Siehe dir Einleitung zum Buche Daniel in unsre« Bibelwerle.