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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 6 (1864) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
6 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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Und der Donner.dringt ein in da- Ohr de- «starrmden Manne- "" Unter dem Hügel von Schnee — ihm tönt'- wie Geister» gestufter: „Sohn, ermanne dich! Sohn, dir ist Schlafenszeit noch nicht gekommen, Und der Bote de-Herrn nicht entsendet; auf! raste nicht, eile! Ich, dein Baker, defehl'S — du warst mir doch immer gehorsam — An dem Thron« de- Herrn vernahm ich'- — du sollest noch leben —" Horch, eS donnert — Ihm tönt'S in dasterbende Ohr wie eia Rufen, Wie «kn Rufen de- Kinde-: „Komm, Barer, komm heimwärts, ich hungre —" Wie ein Schreien der Mutter: „Wo,, Ungetreuer, wo bleibst du?" Ha! da rieselt noch einmal da- Leben durch Herz und durch Glieder — „Ja, ich komme, ich komme!" — so ruft er hinaus in den Sturmwind, „Ja, ich komme, mein Kind, und bringe dir stärkende Nahrung; Mutter, ich komme ja schon, nicht schelte — wie sollst du dich wärmen!" Rafft sich ermannend empor audem Schnee mit dem Srad und dem Bündel, Schüttelt mit Macht sich dreimal — die Fesseln entfallen den Gliedern, Eilet, jaget davon — Horch — hört er nicht Rufen befinde-? Hort er da- Jammergeschrei der verzweifelnden Mutter nicht jetzo? — Ha! es schweiget der Sturm, eeilen die finsteren Wolken, Reißen den Schleier herab von de- Mondes falbem Gesichte — Dies ist der Pfad — dort schimmert ein Lichtlein — da - ist die Hütte — „Ja, ich komme, bin da — Gelobt fei Gott, der Erretter, Felin dem Sturm und Leucht* in der Nacht und Er« j wecker im Tode! Hier am Herzen de- Vaters erwache, mein Kind, und sei fröhlich; Hier an der Rechten de- Sohne« erstarke, Mutter, und lächle — Siehe, der Morgen bricht an — und im Frieden kommt nach dem Sturme!" _ L. Ph- Historische Lebensbilder. 1. Samuel Ihn Nagrela, der jüdische Vezier in Granada. Bo« Juli«» Philippsou. (Schluß.) Den Mo-lemim gegenüber wußte Jbn Nagrela in nichtderen GlaubenSanschauungea zu verletzen'; selbst in seinen RegierungSerlassm, wenn er de« Stifterde< J-lamerwähnte, fügte er hinzu: „Gott möge über! ihm wache« und ihn segnen," so wie er selbige stetmit! dem Satz«: Cbamchu illahi (Gottlob) begann. Bei seinen Glaubensgenossen flhrte Samuel den Titel: Fürst, Nagid, fungirte dabei al- Rabbiner und schrieb als solcher mehrere beachtung-werthe Werke. In seinem Mebo ha Talmud schrieb er eine Methodologie des Talmud, worin er die technischen Ausdrücke klar und faßlich erläutert und die Tradition-kette. der Männer aufführh welche nacheinander al- Tanaiten, Amuräer, Sadonäer.und Geonea biauf seine Lehrer Rabbi Chunof und Rabbi Mose die Autorität der Lehre darstellte. In seinersehr geschätzte« Hilcheta Gabriala stellte er einen Commentar zum Talmud für die religiöse Prapiauf. Voll der innigsten Glauben-anfchauungen dichtere er auch eine Art Psalmen (Ben Tehillim), und in einem Spruchbuche (Ben Mischle) wußte er al«. tiefer Denk« die Früchte feiner Erfahrungen in gedankenreichen Sprüchen üird Parabeln vorzuführen. Sein gelungenste- Werk schrieb er in spätem Jahren, eine Nachahmung de- Kohelet (Ben Koheler), worin er eine Leben-philosophie kundgibt, welche eine Fülle von Beredtsamkeit und Erhabenheit der Gedanken mrfaltet. Seine dichterischen Comssösirionen warm dagegen ,.kalr wie der Schnee de- Hermon;" er war ein zu klarer Denker, aldaß ihn eine feurige Phantasie beseelen konnte. So lebte er seinem Berufe al- Staat-mann, al- Förderer de- Judenthum-, al- Pfleger und Wohlthäter geistiger Bestrebungen. Uederallhin unterstützte er bedeutende Männer auffreigebigste, nach Irak, Egypten, Syrim und Afrika erstreckten sich seine Gaden und Co«espondenzen. Hier ließ > er Bücher copiren, um sie ärmeren Studirenden zu schenken-' dort munterte, er schlummemde Talente auf, tröstet« sie,! wie den große« Dichter Gadirol, mit herzgewinnender Freundlichkeit, wenn sie trübsinnig sich verlassen glaubtm. Mose Jbn Ezra sagt von ihm mit Recht: „Au Samuel« Zeit erhob sich da- Reich der Wissenschaft auseiner Niedngkeit und die Gestirne der Erkennmiß glänzten wieder. Gott bat ihm einen hohen Geist verliehen, der die Sphären erreichte und den Himmel berührter auf oaß er die Wissenschaft und ihr« Pfleger liebe, die Religion und ihre Träger verherrliche'." Unter ihm fühlten fich die Juden pon Granada al« Bürger d,-'Staates; sie hatten Antheil an sein« Leitung, dientm im Heere und erfreuten sich einer Gleichstellung wie nie zuvor. Ewar ein Sonnenblick nach' trüber Zeit, die leider siräter um so härter wieder einbrechm solltt. — Nur mit dem großen Sprachforscher Jbn Danach lebte unser Samuel in Unfriedm, da dieser Samuel- Untersuchungen über die hebräische Sprach« (Sef« ha Osch«) alpnzureichenb verwarf und zu ganz neuen Resultaten in seinen Forschungen gelangte. Der geistvolle Iba Ganach lebte al- Arzt in Saragossa, wohin « fich flüchtig au« Cordova gewmdet, und bearbeitete die jüdische Grammatik a»tz gründlichste zum sinngemäßen Derständniß der Bibel. Wenn «"auch dabei die Berdimste EhagvgS, (Samuel- Lehrer) aaerkaaate, indem er von ihm bekannte, „daß er, wie viele andre, an der Brust fein« Weisheit gesogen", fo war ihm tisch die Lieb, zur Wahrheit größer aldie zur bloßen Autorität, und « bekämpft« de-hald Ehagug-

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