Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 6 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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Gesichtspunkte in einem desonbern Schcifrchen. >Hiervon wurde Zbn Nagrela tief betroffen; er nahm sitz heftig seines LehrerS an, so daß der Streit sogar in leirenfcdafrlich« Persönlichkeit ausartere. Alle Pfeile des Witze« und der Ironie drückte der sonst ftr feinsinnige Kürst geg n Jona Jbn Ganach ab, der diese reichlich erwiderte. D« 6 gewaltige Haupt der hebräischen Sprachforschung, de: bisher unübertroffene Meister der hebräischen Gramm itif und Bibelkennrniß, war mehr wie jeder andre dazu befähigt, und eS ist gar sehr zu bedauern, daß diese beide i großen Geister nie zur Versöhnung gelangten, von denen jeder eine sittliche und religiöse Größe in sich repräsentiere. Viel besser stand sich unser Samuel, wir schon rwähnt, mit dem Dichter Jbn Gadirol, dessen er sich f rundlich helfend annahm, als er, von den Juden SaragofstS 1045 wegen einiger Angriffe feindlich verdrängt, den. Staub Spaniens adschürreln wollte und sich in einem Gedichte ermuthigte, ins Ausland zu-wandern. Sein Schmerz war damals so groß,' daß er seinen Freunden zurief: Schellet mich nicht ob meiner reichen Thräslen, Obne sie war' mein Her; verkohlt. Meine Wanderungen haben mir die straft deraubl. Nachdem ihm aber von Samuel Jbn Nag sichre Ruhestätte verschafft, das Leben ihm baburri annehmlicher erschien, verherrlichte er feinen W >1 in wohlklingenden Weisen, gab sich ganz der'Di und, Wellweisheit hin, denen er voller Inbrunst i ela „Wie iolll' die Weisbeil ich verlaffen, Hab' ich doch einen Bund mit ihr geschlosst»! Sie ist meine Mutter, ich ihr Liebliugskind "£ie ist meine Zier, mein Halsgeschmeir! So lang ich leb', wird sich mein Geist Zu ihrer HimmelShöhe schwingen: Ich ruhe nicht, bis ich den Urquell ausgefustden." schök e über p dl c S h Die Frucht -dieser Arbeiten wac^baS /Makor Chajim „Quelle des Lebens", worin ec m Sinne nach Plaro und Aristoteles, dichterisch wie der erstere, in köstlicher Diaiogform mit ü> dem Jdeenreichrhum über Wesen und Ursprung über den Begriff des höchsten Wesens, über die der sichtbaren Welt für den denkenden Menschen dir suchte. Einen Theil dieser Gedanken ergoß er i i Gedichte, das, in Geberform gehalten, an Erhaben; Schwung seines Gleichen sucht. „Du, o Gott, (hl hast den Willen aus Dir selbst entlassen, gleichst Künstler, um durch diesen Willen das Sein au zu ziehen, eS zu bilden, wie Strahlen aus dem strömen. Diese Willenskraft reicht bis an den Saum der niedrigsten Ccearur, schöpft dadei aus Lichtbprn und bewirkt alles ohne Vermittelung." Gleich freundlich und wohlthätig war unser auch gegen den Dichter Joseph ben Chasalai, der an der Gedanken und in der Schönheit der Spr Gadirol wenig nachgad. Auch er war mit seinen auS Cordova' geflüchtet, fand durch Nagrela S« $ Unterstützung und dichtete ihm zu Ehren sein so „verwaistes Lied", worin er kunstvoll und erh Verantwort i< Vertag bob V « » m g ä r r, « r'» B> t> — .24 — «me wieder htthäter ichlkunst urief: Samuel und seinem Sohne Joseph huldigte und ihnen seine schwärmerische Liebe und Begeisterung für sie zu erkennen gav. Sein Gedicht wurde von dem hochsinnigen Beschützer LN demselben Dccsmaaße beantwortet und die Lobeserhebungen gebührend beantwortet. So war unser Samuel Jbn Nagrela während eines VierteljahrhunbertS der Schutz seiner Glaubensgenossen, der Förderer jüdischer Wiffenschaft, und starb im Jahre 1055, von seinen Zeitgenossen allgemein und aufrichtig betrauert. Vor dem Elvirakhore in Granada setzten sie seine Hülle bei, wo ihm sein Sohn ein kunstvolles Denkmal errichtete. Salomon Gabirol widmete ihm zum Gedachtniß folgende Verse: Zn meinem Herzen ist Dein Ort, Fest stehr Dein Zelt für: immer dort; Dich such' ich. da, Dich find' ich da, Bist mir, wie meine Seele, nah! So wollen auch wir bas Andenken des Mannes verehren, der in seinem hohen Berufe nichts Schöneres und Besseres kannte, als seinem Volke ein Lehrer und Freund zu fein. Er übte vamit auf bas offne «Bekennen unsres. Glaubens, auf bas sittliche Verhallen der Gemeinden einen wohltharigen Einfluß' aus und half gelehrten Forschungen und.geistigem Streben damit auf. so daß sie die reichst«,« i Früchte trugen. Der jüdische Stamm ward von dieser Periode ad Bewahrer des heilbringenden Denkens, des an Gott anknüpfenden Gedankens. Die Flamme der philosophischen Erkennmiß brachte, wie Grä; richtig und treffend bemerkt, eine neue, eigenrhümliche Beleuchtung hervor und kehrte eine neue Seite des menschlichen Geistes heraus. Anekdote. Werk r tiefem iestimmr rüdeln- Seele, öpfung Lösung einem eit und hrte er) am den nichts i ichtquell lußrrsten Deinem Ein Commis litt viel von einem beschwerlichen Kunden. Endlich sagte er zu ihm: „Wissen Sie was, dutzen Sie mich!" — „Warum?" frug der erstaunte Kunde. — „Nun, vor Sie rst mir längst schon mieß!" — a che Samuel Schwung dem Bruder utz und genannte« 'fltxo dem Bem erkungen. ♦ ° l Auf rielfache freundliche Anfragen die Bemerkung, daß die ' in vorigem Jahrgang dieses Blattes gegebene Novelle „die Gou- I vernanle" vom Redacreur dieses Bl. verfaßt ist. Um ähnlichen Fragen zukünftig vorzubeugen, werden wir von jetzt ab die größeren Piecen, die denselben Ursprung haben, mir L. PH. zeichnen. — In No. 3 unter dem Artikel „Samuel Poscner" ist irrtümlich die Ehifsre „R. R." starr „N. &.u gedruckt. Die Redaktion. Allgemeine Zeitung de« Zn denr bnmS. No. 5. 1864. Inhalt: Leitende Artikel: Sollen WohlthängkeitS- Jnstimte Fonds sammeln oder nicht? — Spenden-Liste für die Rießer-Stifmng. — Einige kritische Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nach MaimonidrS. II. — Literarischer Wochenbericht. — ZeitnngSnachrichtearDeulschland: Aus Würtemberg, Leipzig. Preußen: Düffeldorf. Lu« der Altmark. Oesterreichlscher Kaiserstaat: Wien, Pesth, Lundenburg, Preßburg. Rußland: Petersburg. Marokko: Tanger. Zu beziehen durch jede« Postamt Ulld-jrde Buchhandlung. Jährlich 3 Thal«, vierteljährlich % Thal«. ich« Redacreur: G. Fritzsche. «Mtbus m tiei»r»s- — Druck ,ou S. »reviiu, ii fcaviig.