Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 5 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 19 — i zellenartige Broderien. In der Mitte der Gallerie ist ein Agkmeg oder aneinanderhängenbeS arabisches Fenster mir 2 festonirten Bogen, dessen Holzfries von vollendet eingelegter Arbeit ist, und daS höchst graziöse Gitterwerk des ducchbrochnen Plafonds hietet die reizendste Perspective auf den Löwenhof hin. Wenri man im Innern der Alhambra gegenüber dem Schwesternsaale aus dem Löwenhofin den Saal der AdencerraxeS mit seinen romantischen Erinnerungen und von da in den Saal des Comaresch tritt, so muß man bekennen, daß der Wandschmuck dieses hohen Vierecks alles übertcifft, was die Alhambra bisher an Merkwürdigkeiten gezeigt. Schon der V o r saa l mit dem hohen Thor, mit den sich frei und zierlich tragenden Bogen, Nischen und Hohlen, die Gürtel arabischer Inschriften^ die prach» lige Holzschnitzacbeir, die Nischen mir gotdnen.Avisen, die Laiurrapisserien, durchzogen mir der ewig neuen Verschlingung von Linien, mit einem Cylinderdach von der köstlichsten Arbeit, zierliche Sterne, Würfel, Hexagonen darstellend: alles ist in Silber, Gold und glänzende Farben^ getaucht, mit der erfinderischsten Mannigfaltigkeit durchgeführr. Von hier tritt man durch eine prächtige Eintrittspforte von .^fachen drapicten Oval^ogen in den Saal selbst. Der Ausdruck dieser Bogen, von den wundersarü» sten Arbeiten umgeben, ist staunenswerlh, denn durch all dies herrliche Steingewebe ziehen sich die reizendsten Arabesken hin, welche in goldnen Sprüchen die arabischen Lobpreisungen des einen Gottes enthalten, während lachende Blumenguirlanden überall den tiefen Ernst von der steinernen Streu gleichsam zu verscheuchen suchen. Die Suffilen« Ornamente bestehen aus 4 Strahlen, die in der Mitte ein Lampion tragen. Die grandiose Decke ist in Holzschnitte der verschiedensten Farben marquelirt, und versilberte oder vergoldete, mit Elfenbein, Perlmutter und Speckstein ausgelegte Kreisformen stellen in Kronen, Flammen und Gestirnen das majestätische Bild des Sternenzeltes dar. Neun Fenster umgeben diesen Prunksaal, sämmtlich als Doppelfenster in der Mitte durch zierliche Bogen und Marmorsäulen abgerheilt. Sie reichen bis auf den Boden und führenMM Balkone, die über die schwindelnde, Höhe hinausragm^Der Anblick dieses Saales ist wahrhaft bezaubernd, die unendlichen verschlungnen acadeskischen DessinS unnachahmbar! Es ist das Schönste, was die Alkambra darbietet, sowohl durch seine Lage, wie durch die Fülle seiner Verzierungen, durch den Glanz seiner emaillirten Inschriften und durch den Hauch seines lebendigen Fardenschimmers. Er diente als Königsgemach, als Empfangssaal der fremden Gesandten, als Brennpunkt orientalischer Pracht und Repräsentation, worin sich die arabischen Herrscher so sehr gefielen. Eine glückliche Vertheilung des Lichtes läßt bei Tage die Strahlen der Sonne auf den Thron des Herrschers zusammenfallen, und aus den Fenstern Ibisses ZauderpalasteS schweift der Blick in drei Richtunger^üder die entzückende Dega, jede besonderin dem arabischen Bogen als eigne Ländfchaft abschließend. Fest und zierlich stehen noch heute die Säulen der Alhambra und können noch ein Jahrtausend den Elementen trotzen, wahrend di« Tempel der Griechen und Römer zusammengrsturzt oder verschwunden sind. Die wahre Benutzung der Kraft, die gleiche Vertheilung de- Gewichtes und die richtige Berechnung des Stützpunktes schützt diese Haltbarkeit der maurischen Bauwerke. Außer dem Garten der Lindaroxa fassen die Soutnrains der Alhambra herrliche Macmorbäder mit Ruhegemächern; die Badezimmer und Wannen sind darin ganz von weißem Marmor, das Licht strahlt von oben her in matter Helle auzellenartig durchdrochnen Kuppeln, das Ganze magisch erleuchtend. Unserm Jbn Nagrela ward als Wohnsitz ein Sommerschloß angewiesen, da-, auf einem nächstgelegenen hohen Berge befindlich, die so oft befungne Xeneralifa genannt wird, und welches dltrch seine natürliche Terrasse und durch die" hohen Springbrunnen einer erquickenden Kühle auch bei der höchsten Hitze sich erfreut. Offne Gallerien von weißem Marmor bilden auch hier die herrlichsten Balkone um daganze Schloß, das, fast wie ein jüdischer Tempel gebaut, mit Rosen übersäet ist. Das Aroma, welches sie au-strömen, durchdringk die ganze- Athmosphäre. Die höhere Gallerte steht weit über den jähen Berg hervor, denn immer höher führen die Stufen und Terrassen, an ^eren Wänden sich die ernsten weißen Stämme uralter, riesig hoher Cypressen erheben, überall vonspringenden Wassern befeuchtet, dabei gebundene und vereinigte Rosenhecken oder hohe, in Bouquets geschlagene Lorbeersträuche umfassend. Auf dieser höchsten Gallerie stand der jüdische Weise; sein Blick schweifte über die Alhambra hinweg, über die weite schöne Ebene oder nach dem überhängende« Eisgediroe; sein Herz genoß hier die Wonne dv herrlichsten Natur, wo die Sänger der Luft, Liebe und Entzücken athmend, mir Ruhe und Frieden dabeengte Menschenherz erfüllen. Hier spricht die Stimme Gottes lauter als anderwärts; der Zauber per Natur, die Größe des Herrn ist so nahe, daß ein jeder sich glücklich fühlen muß, der hier weilt und sich des herrlichsten Stcebens bewußt fein kann. Denn wehe uns Menschen! wir verdienen kein Glück; denn wir verstehen eS nicht, wir wissen es nicht zu begreifen, wenn. wir. glücklich sind,' und wähnen wir eS zu fein, so fehnen wir uns schon wieder nach einem fernen, andern Etwas. Allein unfern frommen, gottesfürchtigm Samuel, der die Krone der Lehre, die Krone des Ruhmes und der Hochherzigkeit trug, begeisterte der Gedanke, seinem Fürsten und dessen Volke, seinen gedrückten Glaubensgenossen eine Stütze zu fein, und in der Liebe und im Vertrauen auf Gott fand er jene Zuversicht, die den Schwachen erstarkt und zu allem Guten'befähigt. Das Glück war ihm dabei .günstig; fanatische Mohamedaner sahen anfangs zwar ungern die Erhebung des Juden, der dabei die zahlreiche jüdische Bevölkerung mir neuen Hoffnungen erfüllte, die sich durch ihn ebenbürtiger zu fühlen begann: allein die Ränke seiner Gegner drangen nicht durch, zwei Staatsbeamte, Jbn Abbar und Jbn Abi Musa wurden deshalb beseitigt, ersterer sogar zum Tode verurtheilt. ' So lange Habus lebte, hatte er an ihm einen liebevollen Gebieter, als 'aber dieserim Jahre 1037 starbt kamen schwere Zeiten für unfern Samuel. Er selbst wünschte den ältern Sohn de- Habus, namens BadiS, als Fürst anerkannt -zu wissen, aber eine'mächtige Partei wollte schon deshalb einen jungem Prinzen, Bologgin. auf den Thron fetzen, und sogar viele Juden, eifersüchtig auf Jbn Nagrela, begünstigten denselbm. Allein der jüngere Bruder .wich den gerechten Ansprüchen des BadiS, der im