Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 4 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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— 15 — Frische und Leben in diesen Räumen durch die sie durchfließenden Quellen; vier breite Wege führen auf die Mitte de» Hofe», der in ebenso viel Rasen- und Oleanderfelder gelheilt ist, urb wo dies« Wege zusammentreffen, steht eine große 12seitig«, mit Inschriften geschmückte Alabastervase, sechs Fuß km Durchmeffer, auf dem Rücken von 12 wafserspeienden Löwen ruhend. Ueber Säulen und Dächrm erhebt sich ein^ hohe dicke Fontaine und stürzt als Staub wieder hinab. | Alle» in einer wahren Harmonie des Au», drucke«, anmufhig, zierlich und leicht. (Fort^ folgt.) X Bilder aus dem Oriente. Bon I. I. R o fenm eyer, Oberlehrerin S. A. Ujhely. V. Jerusalem. Wie soll ich Jerusalem schildern, wie den Eindruck, den ich, den akt Reisende halten, als sie sich dieser Stadt näherten? Ein Pilger fiel auf die Knie und küßte hie geweihte Erde. Zwei andre umarmten sich und 'beglückwünschten einander, daß sie diesen Anblick erlebt. Andere weinten vor Freude und Rührung und von Mund zu Mund erscholl ^der Ruf: Jerusalem! Jerusalem! Ich erinnere mich der Scene im Tasso: Jerusalem sehen sie vor ihren Blicken, Iermalem! sie schauen» mit Entzücken, Und I taufend Stimmen rufen im Vereine: Jerusalem!' Jerusalem, die Eine. Und einer zeigt» dem andern und vergessen Sinh Müh* und Noth de» Wege» ungemeffeu. Wir zogen durch das Jaffathor ein und nahmen unser Absteigequartier bei unserem langjährigen Freunde Rabbi Israel Wolf au» S. A. Ujhely, der eben nur deshalb hierher gekommen war, ' um fein Pilgerleden auf heiliger Stätte zu beschließen. Noch am selben Abend besuchten wir dis Synagoge und traten gegen Mondschein unseren Rückzug an. Gern hätte ich in der angenehmen Kühle noch seinen kleinen Spaziergang außerhalb der Mauern gemacht, aber damit ist!« in Jerusalem nicht-§ denn mit Sonnenuntergang werden alle Sradtthore geschlossen und «mch nicht vor Sonnenaufgang wieder geöffnrt, so daß Iseldst später ankommende Reifende nur mir der größten Schwierigkeit Einlaß! erhalten; auch ist wenigstenein Einzelner selbst de! Tage und ganz in' der Nähe der Stadt nie! sicher, von dem ersten besten der sich hier als jHirten odrir sonst wie umherfreibenden Beduinen angehalten und beraubt zu werben. Jerusalem, diese Weltstadt, in der jede Straße, jeder Stein fast historisch merkwürdig, ist beschrieben worden als «ine öde, trübsinnige Ruine, die deü Beschauer mit Pildern des Verfall- und Untergang» erfülle. Dem ist aber nicht so, noch immer zeigt es sich all feste Stadt, wie es in der Bibel geschil? dert wird, von Hoheit zinnengekröntten Mauern umschlossen; die saraeenischiin Bollwerke und Basteien au< großen Steinen, vlerziä Fuß hoch erbaut, geben ihm ein würdigestattliches Ansitzen. Die vier Merkwürdigen Thürme, welche die Ringmauer in Zwischenräumen unterbrechen, sind schön und! gut im Stand «halte« und eliegt »kn« imponirende Würde kn der alten Citadelle, deren Batterien und Terrassen eine über di« andre emporstetgea und deren Gipfel von der karmosinrothen Fahne mit dem weißen Halbmonde überragt wird. Freilich, ihren ehemaligen Glanz har sie nicht mehr; denn betrachtet man ihre verfallenen Mauern, ihre ausgefüllten Gräben und die Menge Trümmer in ihrem Umfange, so merkt man, daß in diesem Zustande Jerusalem nicht wie ehemals mächtigen Reiche» widerstehen oder gar, wenn auch nur auf kurze Zeit, Rom- Macht trotzen konnte und dann durch ein« sonderbare Vergeltung de- Schicksal- Ehrerbietung und Huldigung von jener Stadt empfing, die ehedem ihren Untergang verursachte. Der Ruf ihrer Größe und Wunder, deren Schauplatz sie einst war und der sich bei den Morgenländern unverändert erhalten, verursacht, daß sie stets die Blicke aller Gebildeten auf sich zieht und Israeliten, Christen und Muhamrdaner es sich zur Ehre machen, sie zu-, sehen und gesehen zu haben. Allen ist die Stabt heilig, im Morgenlande ist sie nur unter dem Namen. Li Kodes (die Heilige) bekannt. Auf den Straßen drängen sich daher in merkwürdigem Gewirr 'alle Nationaltrachten umher. Der Syrer ist in seinen mit Gold gestickten Rocküderwurf gekleidet. Der Jude mit seinen blitzenden Augen gcht inrseinem Kaftan einher. Dazu sieht man die Beduinen, da« schöne Antlitz malerisch mit dem Kopfluche umwunden, mit weitem Man, tel und langer Lanze auf schönem Roß. Auch die fana» tischen Araber erblickt man in ihren verschiedenen Trach, ten. Allebewegt sich durch einander hin und her. Die bedeutendsten Straßea^laufen fast rechtwinklig gegen einander; sie sind eng gebaut so daß es schwer hält au-- zuweichen, wenn Steine, Balken u. s. w. vorbekgeführt werben, ober wenn Damen, die sich auf Sänften tragen lassen, einem Fußgänger begegnen. Die Gassen sind schlecht gepflastert, oft blos mir breiten Steinen unregelmäßig belegt, doch reinlich. Die Bazargassen sind nicht gewölbt und sehr belebt. In diesen Bazaren arbeiten die verschiedenen Handwerker ganz frei. Die Häuser sind in einer Art Würfelform gebaut, von gehauenen Steinen mir platten Dächern. Auf diesen erheben sich kleine Kuppeln, eine in diesem Lande eigenthümliche Bauart. Diese Kuppeln scheinen nicht blos zur Zierde, sondern wegen Mangel an Bauholz bestimmt zu fein, die sonst flachen Dächer zu unterstützen und zu befestigen. Die Häuser im Mocgenlande weichen hinsichtlich der Anlage und der Bauart sowohl als der inner» Einrichtung wesentlich von den unsrigen ab. Die große» Häuser der Vornehmen sind in einem Vierecke erbaut, beste, hen au« einem Vörderbaufe, zwei Seitenflügeln und einem ' Hinterhause und umschließen einm großen viereckigen, aber offenen Hof. Derselbe ist entweder mit grünen Gewächs sen und schattigen Bäumen bepflanzt, oder mit buntem Marmor gepflastert. Rings um den Hof ist da- Hau» mit vielen und auf» herrlichste verzierten Säulen oder Pfeilern versehen, welche dis unter da- Dach foctlaufen. Dadurch «erden die großen schönen Säulenhallen oder SäulnqÜUge „Wpildet, welche sich von verschiedener Breite ganz uch das cherumziehen. Sie reichen dis zum ersten Stockwerf tzknmt^nad find oben vom Fußboden desfelbe» behoikt. B«« diesen Hallen hängen an den Gäulen Bochän^e"herab, die nach Umständen auf» und zugezogen <