Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 4 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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6 — werde», und der Boden.wird mir Teppichen und Polstern belegt; denn auch hier wie im Hofe werden die gewöhnlichen Besuche angenommen und die Gäste dewirlhet. Oberhalb der Hallen im zweiten, und wenn ein solcher vorhanden ist, auch noch im dritten Stocke laufen ebenfalls freie, gegen den Hof offene und blo S mit einer Brustwehr versehene Gänge oder Gallerien herum, welche unseren Altanen oder sogenannten Söllern in der Kerne gleichkommen mögen. Die untern Zimmer deS Hauses haben fämmtlich ihren Eingang in der Halle. (Schluß folgt.) Curiosa und 'Jtothen. WaS man aus Furcht vor seiner Gattin thut. AuS Wien. Veit Gerson, der aufder Anklagebank sitzt, war lange Zeit Privatlchrer in kleineren und größeren Landstädlen Mährens und etadlirre sich hernach als öederhändler. Er trieb sein Geschäft klein und vorsichtig, und eS ging Da irarf er sein Auge auf ein hüdfch.S junges Mädchen Der Eindruck, den ec auf sie machte, war gerade auch kein schlechter; man lernte sich kennen und heirakdere sich. Nun aber fingen die Schwierigkeiten an. Beit hatte seinem Mädchen vorgemacht, daß er ein kleines Vermögen besitze er hatte ihr erzählt, daß'er baar ungefähr 3000 fl. je sich trage, und das Mädchen, als eS Fräu wurde, ließ dH Neugierde nicht und begehrte von ihrem Manne einma das viele Geld zu sehen. Veit kam darob in große Der Legenheir. Er vertröstete sein junges Weib, so lange ei ging; endlich aber, als eS nicht mehr ging, da kam e j des AdenbS ganz verstört nach Haufe und erzählte feinen; jungen Weibe, er lei eben von drei Räubern üderfaller \ worden; bi« hätten ihm bar Meffer auf die Brust gefetz und ihn dabe» seiner Baarschaft beraubt, die er immer au seiner Brust verborgen getragen habe. Man denke sict den Schmer; der jungen Frau! Gerson aber beging di Unvorsichtigkeit, nicht allein seine Frau mit diesem Marchei abzu'peii'en, er ging sogar zur Polizei und machte vor: ganz ernstlich von dem Vorfall« Meldung. Bei der Polizei ward die Sache ausgenommen uni von da an die Gerichte geleitet. Sogar in die TageS^ blätter drang die Geschichte deS Raubanfalles. Oa^ Landesgericht leitete di« Untersuchung wegen RaubeS ein und vernahm den angeblichen Beschädigten alS Zeugen Dieser hatte, wie «S scheint, gar keine Ahnung von de! Tragweite einer Aussage vor Gericht; er erzählte den Untersuchungsrichter das Märchen genau in derselben Weis« wie er eS feiner Frau aufgetischk-hatte, und glaubte di! Sache damit abgethau. Mittlerweile aber erfuhr er, daß er feine Aussage vo: Gericht auch werde beeiden müssen, und dawar eS, wa 6 ihn schreckte. Er nahm mit einem Male alles zurück, < a gestand, daß er seine Frau, die Polizei und de» tfeita * suchungSrichrer belogen habe und glaubte «it diesem V> * ständnisse allein durchzurutfcheu. Allst» er irrte. Da t Gesetz erkannte darin, daß Veit es! unternommen hatte, feine häuslichen Fatalitäten durch eine Lüge vor Gericht zu beendigen, daS Verbrechen deS Betrüge- und zog ihn deshalb in Untersuchung. Veit Gerson stand heute vor Gericht und er gestand offen und unumwunden seine Schuch. Er wurde vom Vorsitzenden über da- Motiv befragt, daS ihn zu der Erfindung jenes RaubermacchenS verünlaßte, und er gab zur Antwort: „Ich hätte in der Achtung meiner Frau zu viel verloren, wenn ich ihr gestanden hätte, ich sei arm." Sein Verlheidiger, Dr. Ed. Ko pp, suchte dem Gerichtshöfe zu beweisen, daß durch die Handlungsweise seine- Clienten eigentlich gar niemand beschädigt worden sei; j allein der GerichlShof war anderer Ansicht, er erkannte, i baß der „Staat in seinem Rechte auf die Wahrheit" ge«! schädigt wurde, und er verurtheilte den Angeklagten bcmgemäß zu einer einmonattichen Kerkerstrafe. Anekdoten aus dem Kladderadatsch- Kalender. Nun Heren Se mal, Herr Löwenthal, Sie haben unberufen Glück. Zwei Kinder schon versorgt, der eine Banquier, der andere Ofsicier. WaS wollen Sie meh Lieber Freund! Meine Kinder haben ihre Carriöre verwechselt: der Ofsicier macht Wechsel und der Banquier reitet! Mein lieber Herr Kaddisch, wülS könnten Sie vor Stunden haben in die feinsten Hauser, wenn Sie nicht trinken möchten! Wie heißt? — Ich geh' Stunden, damit ich trinken! kann; soll ich nicht trinken, damit ich Stunden kriege! —; Unsinn!! . ii' f Mendel: Weißt de, Schmus. Server' mit .dem Da- ' ter nach Leipzig fahren. i Cohn: Wie so wirst du fahre».: nach Leipzig? Mendel: Ich wer' dir sagen: Fahrt der Vater nach Leipzig, fahr' ich' doch gewiß mit, und fahrt er nischt nach Leipzig — warum wird er nischt nach Leipzig fahren? Allgemeine Zeirung des Ju dear hums. No. 3. 1864. Inhalt: Leitende Artikel: Ein eigenthümlrcher Prozeß. — Lorlefung Blnnkfchli's über- GewiflenSzwang. — (Schluß.) — Zeitungsnachrichten: Preußen:Magdeburg. Oester« reichlicher Kaiferstaat: Pesth, Lnndenbarg, Krakau. Jta« liea- Aus Oberitalien. Amerika: Chicago. JUT Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Lhaler, vierteljährlich *A Thaler. 8erasno»ctfif**r ft dactenr: G. Fritzsche. verlas ©« a tof'Sz tae t’g Vach.- a g ia «einig- — Dtatf pea «. Sie«fing ta «einig-