Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 4 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 14 — So Ubt< er di« jutn Jahre 1027 im Hause des Veziers, als dieser auf einmal schwer erkrankte und der Sultan HabuS in größter Beforgniß war, wem er fein Vertrauen und die Leitung de- Staates nach dem Tode seines treuen Jbn Marif ertherlen sollte. Da verwies ihn der Sterbende an seinen jüdischen Geheimschreiber, gestand ihm, baß er dessen Rathschlagen die Erfolge der letzten Jahre verdanke und er allein würdig sei als Katid sStaatSminister) die Leitung der militärischen und auswärtigen Angelegenheiten zu übernehmen. Der Krämer von Malaga, der Talmudjünger Rabbi CleraufS, wurde vom Könige nach der Alhambra berufen, um von dieser Zeit an feine gewichtige Stimme in der Leitung des Staates geltend zu machen. Diese Stellung war mit vielen Schwierigkeiten verknüpft, denn der Vezier regierte allein, der König bekümmerte sich wenig um fein Reich, für dessen glückliche Leitung ihn der Katib mit seinem Leben verantwortlich war. Jbn Nagrela verdankte seiner Feder ein Glück, da« er bescheiden hinzunehmen und zu benutzen verstand und wofür er der Feder selbst ein Sinngedicht dankbarlich widmete, ^yabus hatte seine Wahl nicht zu bereuen; sein einsichtsvoller und rhätiger Vezier wußte für sein Reich bestenzu sorgen, verstand die Launen seines Fürsten zu beschäftigen und für sich zu gewinnen. Unter anderm verfaßte er auf den ehrgeizigen Fürsten ein Lobgedicht in sieden Sprachen, und da die ismaelttifchen Herrscher eS liebten, sich in kunstreichen Versen verherrlicht zu sehen, fand fein Gebieter sich nicht wenig geschmeichelt. Der Bevölkerung gegenüber war er wohlwollend und bescheiden, denn er verband bei einem festen Charakter einen überlegnen Geist mir kauften, einnehmenden Manieren. Immer Herr seiner selbst,' gewandt und umsichtig, verstand er es, die Umstände zu benutzen, seine Gegner durch Artigkeit zu entwaffnen; er dachte viel, sprach aber wenig und gediegen. In einem seiner Werke, das unS geblieben. (Ben Mischle) entwirft er mir Meisterhand bas Bild eines würdigen Herrschers und sagt von ihm: „Wessen Rath lauter ist wie das Sonnenlicht, wer rein ist von der Lüste Flecken, wessen Augen ^ich nicht dem Schlafe schließen, wessen Gedanken fest wie Thürme, wen die Würde gleich Waffeaglanz umstrahlt, wer den Willen andrer sich unterthan zu machen weiß, sich fern hält von dem, wa- Schande bringt: der ist der Herrschaft würdig." ' Doll dieser Gesinnungen bezog Samuel die königliche Alhambra. Diese, auf einem 700 Fuß hohen Berge gelegen, von zwei Flüssen eingefaßt, enthielt damals das herrliche Khali, feNschloß, einige 100 andre Häuser und die schönsten Parkanlagen. Ein LroßeS Thor führte'aus Granada zu derselben, man gelangte durch das Portal in den Park, der die Alhambra in 2 Theile schi'd. Auf dem südlichen Rande des Berges überblickte man den größten Theil der von 3 Seiten an seinem Fuß sich herumziehenden untern Stadt, ihre reiche Ebene und die Eisgebirge. Im Parke selbst zogen sich breite Gänge mit Rosenfpakieren, Ruhebanken und Springquellen über die hügeligen Absätze hin, ein dichter Wäßb von uralten Platanen, Kastanien und Lorbeerbäumen gewährte' einen steten Schatten und bildete die natürlichste« Laubgänge; allenvarlS entflossen den Felsen fröhlich plaudernde Quellen, die eiligen Laufes dem üppigen Thale zuströmtea. Das Grün der Bäume und Gesträuche, die Pracht und der Duft der Blumen warm unübertrefflich und sind eS noch heute. Nachdem man die letzte steile Hohe im Parke heraufgestiegen, wendet sich ein Weg links und durch daS hohe Araberthor und seine unbedeckten Gänze gelangt man auf die große Plattform, welche die Burg und die castellartig abgeschlossenen Thürme .zur Einfassung hat; sie bildet einen großen freien Platz mit einer siaunenswertkm Aussicht. Der Ton der Luft, daS Aroma der Vegetation, die Färbung von Berg und Thal sind nicht zu schildern; alle Berge, welche sich hinter der mit Obstgärten durchwedten Stadt erheben, sind grün bis * zu den äußersten Rändern und über das ganz entzückende Bild legt sich das Diadem der Schneeregion, gleich riesiger, weißer Wölke ewig und unverändert den azurnen Himmel durchziehend. Bon dem Platze tritt man durch eine unscheinbare Pforte in den Myrten Hof, eine doppelte arabische Gallerie, von acht Säulen getragen, oben und unten gleich^ mit Nischen von Lasurmofaik, die Bogen filigranartkg gebildet, alle Fußböden und Säulen von edlem weißen Marmor, die Verzierungen von Stucco, nämlich Kalk mit weißem Marmor. Die Bogen ruhen auf kleinen Karniesen, die Wände von durchdrochnem Stucco, eine wahre ä jour Arbeit, über den Fenstern und Bogen Blätter und Blumen nachdildend. Die gewölbten Plafonds mit Holzardeiten von erstaunlicher Größe und Schönheit gleichen Steinfestons mit herabhängenven Bogen, Eiszapfen darstellend, die aus den Höhlungen herabtropfen und hier als Versteinerung erscheinen. Der Palast war ein Quadrilongum und war mir den 5 Höfen 450 Fuß lang, 250 Fuß breit. AuS einem Thore des Myrtenhofes tritt man unmittelbar durch eiw-Beftibul und 3 auf einander folgende arabische Bogen, deren mittlerer eins der herrlichsten Werke dieses Palastes ist, in den Löwen hj)f. Der obere Theil der Säulenknäufe, auf denen diese Bogen ruhen, ist mit arabischen Inschriften bedeckt, die Hauptplies derselben bestehen aus Filigranverzierungen, die obere Wand aus rifelirtem Stucco, mir Arabesken durchbrochen und mit Blättern und Blumen bedeckt. Der erste Anblick des Innern der Alhambra warfür unfern Samuel wahrhaft betäudenv, er erschrak beinah über diese Fülle von Verzierungen, über diese schimmernde Pracht, auf so kleinen Raum zusammen- : gedrängt. Der Löwenhof ist ein längliches Viereck, wie feine querüderliegende Vorhalle, 123 Fuß lang, 23 Fuß breit; ringsum führen bedeckte Ballerien, deren gewölbtes Dach von 128 weißen Marmorsäulen getragen wird. Der Hof selbst ist oben offen, zwei elegante Kuppelpavillons reichen auf jeder^ der schmalen Seilen in dLN Hof hinein und ihre Bogen stützen sich auf 24 Säulen, die mit Gold, Email und blauer Deckenmalerei reichlich geziert sind. Es ist ein wahres Feenschloß, das Gedild einer glanzenden Phantasie, das erhabenbste Modell arabischer Kunst und Ausschmückung. DaS Innere der Gallerie ist mit einem Gespinnst äthecsscher Filetarbeit bedeckt, und die glänzend farbigen Fayencelambriea unter den Arabeskenwänden gleichen den Bordüren eine» Atlasgewanbes, daS mit den reichsten brüsseler Spitzen besetzt ist. Es ist unmöglich, mehr Grazie und Lieblichkeit in den Dessins zu finden, als hier in nicht überladner Fülle sich aufeinen Blick dem Auge barbieret. Die Kuppeln der beiden Pavillons sind durch schwebende Bogen und kleine Säulenhallen von höchster Eleganz ausgefüllt. Dabei überall