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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 4 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
4 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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4 Jüdisches Bolksvlatt Zur üelehruni] und Unterhaltung aus jüdischem siebiele. HerauSgLgebeu von Rabbiner Vr. Ludwig Philippsoy in Bonn. i '_i _ [Wo. 4. 1864.] Stffs äonann cywim w«vrnUich rin« Hummer. Preis bei Jahrlz. -UiencljätzriL 7 % Rßr. ttflc VnLhandiungen, Peftämter rud Zrir^glekvrKäoo» netzmcn Betzellu«se> an. [11. Jahrg. 1. Quartal] Historische Lebensbilder. 1. Samuel Ihn Nagrela, der jüdische Vezier in Granada. vll Julius Philippjon. (Fortsetzung.) Die Bega von Granada gehört wohl zu dm vollen»! detsten Schönheiten unsrer Erde; wer dieses Thal gesehen, muß Halt machen, muß nichts weiter suchen, denn er hat das Lieblich]« gefunden, er wirb nnt heiliger Ehrfurcht erfüllt: denn hier zeigt sich die Natur in ihrer erhabensten SchöpfungSkrafe. Man tritt aus der Hochebene in da» Thal hinein; zur Linken erhebt sich «infam ein kahler roth» brauner Granitkegel, wunderbar geformt, der gleich einem Vorposten am Eingänge der GedirgSfcenerie dastehr, aus welcher, tief ui den fernen Hintergrund zurückweichend, kühne Felfenzac^en und Hörner in den abenteuerlichsten j Gestalten auftquchen, und da überallhin sich stets neue zeigen, kein Ende zu nehmen scheinen. Zur Rechten dehnt sich da« 6bm Europa«, &a« schönste Gehölz aus, dessen glänzende Eichest, Kastanien, Weißpappeln, Ulmen die nächsten Hügel bekränzen und die reichsten Fluren beschatten. Die reifen Aejhren der Kornfelver ziehen sich zu Zeilen in unendlich längen Streifen, gleich goldnen Brücken, über den grünen Ttppich, welchen nur die reichste, herrlichste Vegetation zu bilden im Stande ist. Die zierlichsten Gruppen von jCitronrn. Orangen, Granaten, Feigen und Manbeidäumen bedecken die üppig blühende Ebene, die der klare Genil gleich einem glänzenden Bande durchströmt. Reben ziehen sich wie Guirlanden, in Lauben und Galle, rien geformt, an den hohen in Absätzen emporsteigenden Schwarzpappeln fort, und in den Tausrnbm von Erlen, Espen und Sflberpappetn glänzen Hunderte von weißschim» mernden Wohnhäusern und Palästen au« dem gleichsam grünm Meer« hervor. Bier Flüsse und unzählige Kanäle durchziehen diese Ebene, die 30 Stunden im Umfange hat und durch die reiche Bewässerung jene« ewig blühende und glänzende Ansehen erhält, da« nur noch in der Ebene von Damascp«-gleich bewundern-werth sich barbieret. Mit welchen Sefühlm. der Trauer müssen später unsre Väter au« diesem Paradiese gezogm sein, al< sie flüchtig, nur vom vertrauen auf Gort gestärkt, getröstet, in unbekannte«, rauhen Ländern eine neue Heimath auffuchtm! Hinter diesem grünm Sommerteppich mit seinen majeflätischm Felienbordurea erheben sich in sanftem Aasteigm die unter sich getrennten, von Thälem durchschnittmeu ' eigenthümttchen Berge, die da« alte Granada und seine > Khalifeodueg tragen. Gegen Osten schließt sich der Hori» zont durch die schauerlichen Gedirg«w§nde der Sierra 1 Nevada, die di« über die Alhambra hereiuragen und zur oder» Hälfte mir,Schnee bedeckt sind. In weiterer Feme streckm die Gletscher ihre Eisscheitel in dm blaurn Aether hinauf. Unter dem starren Haupt« de« Mulahaceu auf grünem Brrgabhange tritt un« Granada mtgegm, ewig neu, bald verhüllt, bald theilweise nur sichtbar, bald die weiß« «rabt, bald die bunkelroth gefärbte hohe Alhambra, stet« über sich die weiße Schneewand und die kiefern grünen Birgkuppen zeigend, die gleich Kuppeln majestätischer Dome>sich unmittelbar über die Stabt erheben. So liegt Granada auf den sauft abfallenden Dergfüßm de« Helenagedirge«, eine« Au«läufer« der Sierra Nevada; au« zwei finstern Schluchten stürzen sich der Darro und der Genil hervor, die sich in der Ebene vereinigm, um dem Guadalquivir zuzuströmen. Der Darro scheidet im tiefen Thale die Bergrücken, wovon der eine die Alhambra, der andere Granaba trägt. Ueber dem Ganzen weht der warme Hauch der südlichen Zone, da« Auge aber erschaut nur lange Reihen hochstämmiger Schwarzeichen und Cypressen, bald Orangen» und Citronengehvlz, bald einsame Palmen, überall aber Obstgärten und Redengewinbe. Während man in der Ferne deshalb die Stadt viel besser übersieht, nähert man sich derselben durch all« diese reizenden Hindernisse hindurch. Unbeschreiblich ist Triebkraft diese« ewig bewässertm Boden«, unglaublich die Frische der Früchte und Blumm, der reinen, sanft fächelnden Luft, welche von dm nahen Gletschem gemildert und gekühlt da« hochgelegne Granada zum erquickendsten Aufenthalte macht. Wenn der Admd kommt, wird der Duft der vielm Blumm und Blütm fast betäubend, die ganze Natur erbebt gleichsam von dem Hauche dieser Rosmgebüfche. Al« unser Samuel die Stadt betrat, mthielt sie wohl an 7000V Häuser, zwölf Thore und Ringmauern, mit 10)0 Thürmen versehen, di« sich über Berg und Thal um die Stadt zogen. Bald fühlte er sich dort heimisch, und wenn er sich dem Vezier durch seine Arbeiten und Rarhfchläge nützlich zu machen wußte, so daß dieser zuletzt ohne seine Zustimmung nicht« uatemahm, so war er dabei nicht weniger bemüht, dem Judmthume seine übrige Kraft und Zeit zu widmen. Bi« an sein End« war-er Rabbiner der Gemeinde; er hielt al« solcher Vorträge tmLehehause über dm Talmud, schrieb gelehrte Abhandluagm über bmstldea und ertheltte gutachtliche Bescheid« auf religiöse Anfragm.

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