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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 3 (1864) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
3 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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— 11 — gegangen, um den Abend bei befreundeten Glaubea-genos» sen zujubringen, und ihre Mutter hatte sie beim Fortgehen vorsorglich noch ersucht, nicht zu nahe an Westernkötter'S Baum vorüber zu gehen. Vor WsssternkötterS Hause stand nämlich ein alter Eickbaum, ünter welchem, der Sage nach, vor uralten Zeiten Vehchgericht gehalten und manche- Todesurtheil gefällt worden war. Die geringere Volk-tlasse im Orte trug daher eine gewisse Scheu, zur Nachtzeit an diesem Baum vorüber zu gehen. Frau Perle, welche infolge ihrer Belesenheit, in jüdisch-deutschen Erbauung-schriften von der Unstvtthaftigkeit solcher Befürchtungen hätte überzeugt sein können, war dessen ungeachtet von dem Dolk-- wahne nicht! ganz frei geblieben und glaubte ihre Tochter nicht ungewatnr lassen zu dürfen. Nachdem sie nun von R. Wolfs unerwartet fchneller Reconvale-ceNz eine Zeit läng ihren Gatten unterhalten hatte, unrerbwch sie dieser. Perle! begann er, ich hätt' jetzt etwamit dir zu reden, wamir schon lang' auf dem Herzen gelegen hat. Mit den Schiduchim (Heicat-projecten) für unser' Tochter Rechla hhden wir bijetzt wenig Mäsel gehabt. Wie wär'-, wenn lwir unfern Hau-morenu zum Schwiegersohn einsetzten? Freudig überrascht erwiderte jene: Schimeon»lieb! ich Hab' auch schon daran gedacht, daß wir den Maleschi (Engel), den un- Gott ra in- Haugeschickt hat, nicht wieder sollten so fortgehen lassen. Aber, wovon leben? ' Wir können^ erwiderte jener, ihm, wie e- Manier ist, ein paar Jahre freie Kost geben, bier ein Rabonu- (Rabdinat) btköwmt. Zudem Hab' ich auf meiner letzten Reise unfern Raw, R. Jehuda Mehler in Deutz, besucht (R. Jehuda Mehler war Rabbiner in Deutz, Kur-Köln und Kölnisch» Sauerland, und ein großer Tbeil deübrigen Westfalenhatte sich freiwillig seinem Raddinare untergeordnet). Der hat mir gesagt, daß er von unferm R. Wolf gehört i hätf, und wär' wohl willen-, ihn al- Bimkom (Ra^binat-»Adjunct) irgendwo in feiner Medina (Provinz) anzustellen. Bon diesen Auspicien seine- Hauslehrerauf eine Stelle hatte R. Schimeon bei seiner Nachhaufekunft klüglich nichts erwähnt, indem er solche in besagter Weise selbst zu benutzen dachte. Da- Weiter« ward nun unter den beiden Eheleuten verabredet unh R. Wolf am andern Morgen nach deren oberen Stub^ entboten. Nachdem dieser dem Anträge seine Zustimmung ge« geben hatte, machte er schließlich den Einwand: Ader unsere Chachomim haben doch, gesagt: eeiv-7 aiar -vom rt3M"ViD u hon, man gebe sein Jnmort erst dann, wenn man die zu nehmend, Frau zuvor ßesehen, um nicht bei etwaiger nachheriger Unzufriedenheit wortbrüchig «erden zu müsse«; ich Hab' aber — ich wA mich nicht damit mi-poSr i sein (damit rühmen) — auf Eur' Tochter nicht geacht't,! solange ich hier im Haubin. Perle entfernte sich und trat alsbakb, von Rechla begleitet, wieder ein. Nun. Rechla .seid Ihr Meruzze? (einverstanden?) fragte sie R. Wolf. Ja. R. Wolf, ich bin Meruzze, erwiderkk die Gefragte. . Diese wenigen Worte machten gleichzeitig den ersten i und ven letzten Aet deganzen Dramaau-, zu welchem die lauten Msseltvw- (Glück-) Wünsche der Eltern den Epilog bildttea. Auch der treue Gumprich, der, bemerkend, daß Wichtiges vorgehe, ssch im oberen Hausraume Beschäftigung gemacht hatte, trat herein, jedem der von ihm Beglückwünschten biederherzkg die Hand drückend. Nun noch Ein-! bemerkte R. Wolf seinem Schwie»' gesäter. Ich Hab' Euch;damals, als der Pferdehändler au- Z. hier war, versprochen, ich wollt' kein Kalje- (Rückgang) wieder machen. Ich will jetzt auch Wort halten und die-mal kein Kaljemachen. Da thüt Ihr jjchr wohl daran, entgegnet« R. Schimeon lachend, denn die-mal seid Ihr ja selbst der Baldövor (die Hauptperson). Rechla aber brach in Thränen aus. Ob sie noch ganz in der Denkweise ihrer Mutter lebte und sich daher glück» lich schätzte, die Frau eineso frommen und gelehrten Mannezu werden, oder — ob auch sie bereit» von moderner Romanlettür« gekostet hatte und be-halb wohl glauben mochte, ekönne ein Verlobung-art nicht ohne da- Aggregat einiger Sentimentalität vollzogen werden — diese Frage möge — da hier nur Positivemitgetheilt werden sollte — unerledigt bleiben. B. I. R.! Historische Lebensbilder. 1. Samuel Jbn Nagrela, der jüdische Dezier in Granada. Bon Juliu» Philippsou. Die kampfmuthigen Sarazenen hatten die Thäler von Dama-euerobert, ihre Blicke nach Sicilien und Spanien gerichtet, und ntcht lange widerstanden st« den lockenden Bergen Andalusien-; früh schon überschwemmten ihr« tapferen Scharen dadortige Gothenreich. Die Männer von Dama-cunahmen Cordova. die Männer von EmesuS besetzten Sevilla, di« von Palästina bemächtigten sich der Reiche von Aigezira» und Medina Sidonia. Die .Männer von Pemen drangen bi» in da» Innere Spaniennach Toledo vor, in Granada und Malaga aber siedelte« sich IOOOO syrische Reiter an, daedelste arabische Blut darstellend. So war seit der Mitte de- 7. Jahrhundertdawestliche Kalifat fest gegründet, und ihre Sprache, ihr« Sitte, ihre Künste, ihre Tapferkeit wurden Erdrheile der schönen Lande. Bon dem weit in die Sr«. hineinreicheadeu Eastell von Fuongirola und der Torr« de lo- Molinazieht sich eia großer Halbkreis von Höhen hin; an dessen Tiefen lieg» di« Stabt Malaga und breiter sich längdieser Bucht aus. Auf ihrer linken Seite erhob sich.die schöne Sarazenendurg, die durch einen doppelten, im Zickzack sich heradzieheudea Mauerweg und durch alte schwarzgraue Festuugsthürme mir ihr verbunden war. Recht« dehnt sich eia« mäßig große, aber reich bebaut« Ebene zu dem nahen Gebirge hin, dain seinen ersten Schichten theiimalerisch verbundene Hügelreihen theils einzelne Höhen zeigt, deren Zwischen» räume die Au-sicht auf die steilen beitem Gebirge gestattm.

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