Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 2 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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7 wozu Frau Perle da- Beste als Reisezehruog, was sie in der Q ilf erlangen konnte, sowie einige Kleidungsstücke ihre- Anr neS deigegeden hatte— imRetsebündel verpackt. Dieses trug ihm sein ihn begleitender Lieblingsschüler Jacob «ach. Nachdem sie eine Strecke weil zusammen gegangen waren und R. Wolf mit seinem Schüler di« Unterrichts» gegenstände, die er mit ihm burchgemachr, in Kürze recapiluljrt hatte, bliev er endlich stehen. Jokefl redete er ihn an, du bist nun auf ein' grünen Zweig: lern' fleißig weiter, dann bin ich muftach (versichert), daß du ein Godel -Bezi-roöl (ein großeluweo in Israel) werden wirst. Sorg' aber dafür, so lange du lebst und soviel du thun kannst, daß unsere Thauro cholilo behüte (nicht zu Grunde geht); gib mir einmal deine Hand darauf. — So, jetzt erst will ich dich auch benschen (segnen). Josef küßte ehr» erbietig und unter einem Strome von Thränen die Hand seinetreuen Lehrers' und ging trauererfüllten Herzens nach Hause. Am Abende saß R. Schimeon' Hausgenossenschaft beim frugalen Despermahle eben zu Tische, da offnere sich die Thüre und herein trat — R. Wolf, ein neuer Peter in der Fremde. Tvdtenblaß, zitternd wie Espenlaub und an den Kleidern die Spuren erlittener Mißhandlung tra» gend vermochte er nur die Worte hervorzubringen: Oer Röschä (Bösewicht)! Der Holzbrink! Nun, R. Wolf, waist Euch passt«? unterbrach endlich R. Schimeon daallgemeine Schweigen. Ich seh', Ihr habt schon ein wenig Göluß gelitten. Wie heißt Göluß?! fuhr jener fort, die Arba-Mißo- (vier Arten der Hinrichtung) Hab' ich ßödel gewesen (erduldet): Sekila (Steinigung-tod), er hat mit Steinen nach mir geworfen; HLrbg (Todtschlag), er hat mich mit dem Stock geschlagen; Ehbnek (Hinrichtung durch Erdrosseln), er hat mich am Hal-tuch erfaßt und mir die Kehl' schier zugedrückl. Nun, wo blelbt denn Serefa (Feuertod)? Auch das, fuhr der Erzähler fort, er hat mir noch nachgerufen: „Du aifch« Rebbe!" ins Feuer mit dem Rebbe! Ihr seid Euch toe (irret), bemerkte hierzu R. Schimeon; „aisch" heißt nicht: Feuer auf Plattdeutsch, sondern „aisch" heißt: schlecht. Ich sehe, Ihr habt die plattdeutsche Sprach' noch nicht gehörig gelernt und müßt sie hier noch besser lemen. Wie ist'-, wollt Ihr -wieder bei uns bleiben? Ihr seht wohl, um Göluß zu haben, braucht man nicht erst nach Amsterdam; dakann man hier auch haben. - Nach einigen Minute« Bedenkens erwiderte R. Wolf mildemBibelvecsel.B.M.30: nivwsr'-erL swntoto« ich will umkehren, meine Schaflein hüten wie zuvor. Essen kann ich heut' aber nicht-. Balbvöste (Madame-, gebt mir den Schlüssel von mein' Grub'! hiermit verließ er die Gesellschaft. Damit dem Leser nun der Zusammenhang dehier Dorgefallenen erklärlich werde, diene Folgend«-: Um an den Rhein — R. Wolf- Reiseziel — zu gelangen, ging der Weg über Dortmund. Aber Dort» munb war damals noch Tröfe»Mökem, d. h. eine Stadt, in die kein Jude den Fuß setzen durfte, es wäre denn gegen Bezahlung de- Leibzollt.- und unter beständiger Aufsicht de- Büttel-. Um diesezu meiden, mußt» ein Umweg über Camen gemacht werden. Nach Camen führt« eia abtürzender Fußweg durch den Wald, an dessen Saume der Dauer Holzdrink wohnte. Zu diesem, der R. Schimeon dienstpflichtig war, hatte dieser sich am Vormittage nach der oben mirgetheilten Unterredung mit R. Wolf begeben, und nachdem er ihm das in seinem Hause Borgffallene mirgetheilt hatte, forderte er ihn auf, seinen Hausmelameb, wean er vordeikommen würde, durch Schreckmittel, nörhi, genfalls auch durch Gewalt, zur Umkehr zu zwingen. Man inm wohl denken, daß ein Bauer der damaligen Zeit, namentlich da es galt, einen Juden zu maltraitirz», diesen Handdienst gern zusagte, ja; daß er noch über seine Schuldigkeit hinaus thar. Als nun R. Wolf in die Nähe de- Holzbrink'schen Hanfes kam und sich dort de- Fußwegenach Camen erkundigen wollte, da erscholl ein Ruf in seine Ohren, der ihn biin sein Innersteserzittern, machte. Hohbrink, der vor seinem Hause aufgepflanzt stand, rief ih« mir furchtbarer Stenttrstimme zu: „Jude, wuttena Huus!" (Jude, willst du nach Hause!) Und als R. Wotf >or Schreck wie eingewurzelt stehen blieb, stürzte jener, der diefür Trotz hielt, auf ihn zu, schlug ihn mir einer Hafelgerte und schüttelt« ihn derb, ihn beim HalStuche fassend. Hierdurch wieder zur Besinnung gelangt machte R. Wolf sich endlich lo» und ergriff di« Flucht. Holz» brink »der verfolgte ihn noch mit Steinwürfe» und dem Rufe: „Du aisch« Rebbe!" binahe vor da- Dorf. Am andern Morgen nach dieser Begebenheit »begann R. Wolk seinen Unterricht wieder, alwäre Nichts vorgefallen; wie denn überhaupt alles im Haus« wieder seinen gewohnten Gang »ahm. Erst der nun eintrerende Monat Ellul, der Mahner und Vorläufer der Bußezeir, machte sich durch die'Amderung brmerklich, daß R. Wolf jeden Sabbat-Nachmittag seinen Schüler» audem nicht lange vorher in Amsterdam in 2. Auflage erschienene« moralisch »religiösen Werke de- «xmao /m) Vorträge hielt. Nach und nach zogen diese Vorträge einen größeren Zuhörerkreis heran. Nicht allein R. Schimeon su-pendirte feine Abarbanel-Studie« nebst obligatem Sabbatnach» mittags» Schlafe, sondern auch viele andere Mitglieder der Gemeinde stellten jfich nach und nach ein, um R. Schimeon'- Hau-melazned „lemen" zu hören. Ein solcher Effect mußte übrigenauch wohl unausbleiblich sein. Jfi der Vorrede de- Corcectors zu dem — mit einer trefslichen Approbation deberühmten amster» damer Rabbiner- R. Schoul versehenen — Werke äußert dieser sein Bebauern darüber, daß die erste Edition (Venedig t&ü) völlig vergriffen fei; denn: von unseren zahlreichen noio 'nfiD,. theologisch»moralische» Erbauung-« schriften, seien doch eben nicht viele, die sich zu Vorträgen für dagrößere Publicum eigneten. Da _J>i die eine zu philosophisch, di« andere zu kabbalistisch, eine andere wieder zu scharssn nig-talmudisch gehalten. Sodann sähet er mit der pathe ischen Panegprik fort: ban ttvis '»1?*3t*TiMD detDi 1 ‘»wn’TOnrr «d rrbnnn, Wer ander« aber trägt te* Panier de- Ruhmes davon, als der fromme, bescheidene Italiener Rafael Gabriel« di Norzi? (aus Rurcia bei Neapel).' Ja der Thal | find beH» Wersche» S«-Sdl«s, „das kleine Maaß", für die Jugend; Harpe-Iwefesch, „Seelenheil", für dareifere #U«., und Oracb-Chajim, „Lebens-