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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 2 (1864) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
2 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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8 weg", durchweht vom Geiste gediegener Frömmigkeit und der erhabensten Sittenlehre; Sprache und Dicrton sind ein leichtverständlicheS und doch klassische- Hebräisch; dabei geistreich, ohne indeß jemals in Witzeleien überzugehen. Rur Schade übrigen-, daß der Inhalt nicht mehr fyftemalisckff nach Kapiteln geordnet ist. Indem nun R. Wolf zu den gedachten Dorttagen, wie überhaupt Belehrung zu verbreiten, sich alS Ben-Thora — dem Sprüchworrenüblesse oblige! entsprechend — insbesondere verpflichtet hielt, erfüllte er zugleich seinen an» sanglichen Vorsatz, in diese Gegend Liebe zum Thorastudium zu verpflanzen. Im Uebrigen gingen die Bußetage, wie alljährlich, in anstrengender Weise — wobei der fast 80 jährige R. Herz noch, feiner althergebrachten Gerechtigkeit gemäß, sämmti liche Gemeindemitglieder jeden Morgen 3l4 Uhr zuM Frühj aufstehen zu den Selich»-- Gebeten weckte — vorüber. | R. Wolf äußerte am AuSgange des Jomkippur-KastenS: , Gott mög' es mir müchel sein (verzeihen), wein ich sage, I daß e» mir diesmal schwer gefallen ist. Ich befürchte heran-! nahende Altersschwache oder eine Krankheit. l Evelmüthige Handlung eines armen Israeliten. Am zweiten Weihnachtsfeiertage, den 26. Dee. 1798,; kam gegen Abend ein wohlhabender junger Mann, welcher sich mehrere Jahre bei der Armee am Rheine als Marketender aufgehalten und ein hübsches Vermögen erübrigt hatte, mit seiner Frau und deren Schwester in dem WirthShaui'e vor Rotten mit einem einspännigen Karren an, um daselbst einige Erquickungen bei der Kälte ejnzunehmen und alSdana weiter nach der vor Nordheim liegenden kandwehrschenke zu fahren, wo sie über Nacht dfeiben woll- - ten. Hier nahmen die drei Reisenden Adredi - baß die l beiden Frauenspersonen mit dem Karren nach ' der Landwehrschenkr vorausfahren, der Mann aber zu Fuß nach, \ kommen wollte, um sich bei der strengen Kälte durch das j Gehen die Füße warm zu halten. Er mochte aber wohl . zuviel Branntwein zu sich genommen haben; »enn kaum i halte er sich auf den Weg gemacht, alS ihn eine solche Anwandlung von Müdigkeit überfiel, daß er sich auf einen Steinhaufen an der Chaussee nieder setzte, um in «inen dem TodeSfchlummer ähnlichen Schlaf zu versi nken. Nicht lange darauf kommen zwei Bauer» an ihm vorbei, sehen ihn liegen, rufen ihm zu, gehen aber mit -den Worten an ihm vorüber: Na, der wird cuch seinen Rausch auSschlafen wollen. Gleich,darauf kommt ein armer wandernder Jude auS der Gegend von Frankfurt a. Main den nämli tzen Weg. Kaum erblickt er den Erstarrten, als er Auf alt macht, ihn zu retten. AlS jedoch die stärksten Erschütterungen keine Spuren von Lebe« zum Vorschein dring«, nimmt der brave Hebräer den. Erfrornen auf den Racken und trägt ihn mir der größten Mühe nach dem »ah. gelegenen Dorfe Sudheim. Hier bringt er ihn ins erste Bamruhau- und veranstaltet sogleich, daß ene Tonne mir kaltem Wasser herbeigeschafft und der Ecfcorve hineingesetzt wird. Nachdem dieser einige Zeit darin gesessen hatte, bemerkte man wieder Zeichen de- Lebenan ihm, und endlich that der Kranke bei der Wiederkehr s'ine- Bewußtseineinen so lauten Schrei, daß man emehrere Häuser weit hören konnte. Durch die fortgesetzten Bemühungen und Veranstaltungen debraven Juden kam der junge Mann ganwieder zu sich selbst und nun erzählte er, daß seine beiden Reisegefährtinnen sich auf der Landwehrschenke befänden. Sogleich wurde ein Bote dahin gtschikt und der junge Mann, geleitet von seinem Retter, dem Juden, folgte ihm. „Freund, sagte er zu letzterm, du hast mir dap Leben gertttet, nimm diese Kleinigkeit von mir an." Mit diesen Worten dok er ihm eine ansehnliche Geldsumme. Der Jude aber weigerte sich standhaft, irgend ein Geschenk anzunehmen. „Ich that nur meine Pflicht, sagte der edle Mann, ich bin ein armer Reisender, und vielleicht kann mir selbst einmal «in ähnlicher Zufall begegnen." Der Fremde hatte über 600, sage über sechshundert Thaler in Friedrich-d'or bei sich, aber der Israelit« halte nichtdavon aagerührt. Ec wollte weder seinen Namen ' sagen, noch sich zu der von der Obrigkeit au-gesetzten Prämie melden. — (Schluß folgt.) Anekdoten ans dem Kladderadatsch- Kalender. Schrei nick so, Heymann! Wer schreit? Ich schrei? — Er schreit, schreit er ich schrei! Vera 'B-rlag von v«»«»1rl»er'» Hier, lieber Sohn, vast du zu deiner Hochzeit einen Wagen als' mein Geschenk! — Nu wer' ich dir aber sagen: — Ist schön Wetter — fährt man nicht sondern geht spazieren, wegen der Gesundheit; regnet e» — schont man gern die Pferde und bleibt zu Hau-. — Fährst du bergauf, lauf, daneben, weil die Pferde genug zu ziehen haben; geht ebergab — lauft man gewiß gern, weit eS bergab gefährlich ist! — Nu, Daterleben, wann soll ich aber fahren? Wenn du fütterst, mein Sohn! Allgemeine Zeitung de- Jsdeorhum-. Ro. 1. 1864. Inhalt: Leitende Artikel: Zum Beginn. — Einige kritische Blicke auf Zweck und Grund der Gesetze nach Maimomde-. I. — Spenden - Liste für die Rießer- Stiftung. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeituug-uachrichten: Deutschland: Gießen. Preußen: Koblenz, Lyck. Oesterreichischer Kaiserstaat: Krakau. Frankreich: Paris. Ostindien: Bombay. S9C” Zu beziehen durch jede-Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thaler. «twottticher Redact-ur: G. Fritzfchr. >»chb«»dl»»g in^reirna- H Dr«r »v» 9. Sreniing ts Ltionz.

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