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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 1 (1864) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
1 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nur wenige Lag», nachdem dieser wieder in H. angelangt war, waren verflossen, at» sich auch schon der Pferde» Händler au- Z. bei demselben prasentirt«. Er erschien, mal» propre gekleidet, die Peitsche — da- Attribut seine- Geschäft- — quer üdergehängt. Am Abende war die Wohnstube R. Schimeonwieder, wie 4Kr einiger Zeit, hell erleuchtet. Diese- Mal aber konnte Frau Perle keine Mahlzeit bereiten, denn ewar in den „neun Tagen" vor Zerstörung- Jerusalem-- Feier, die nur Milchspeisen gestat»; ten. Kaffee und Kuchen mußten daher al^ Surrogat bienen.! Wahrend man zu Tische saß, unterhielt sich der Bräutigam in ope fast ausschließlich mit Gumprrch von seinen Pferdegeschäften, wo er in unverschämter Weise und unter sichtlichem Mißfallen de- Hausherrn sich mancher Unredlichkeit rühmte, so z. B. daß er einen Schimmel schwarz und einen Rappen weiß anzufärben verstünde, je nach Anfrage der Käufer. . R. Wolf aber saß an diesem Abends — gegen seine sonstige Gewohnheit — still und verschlossen da. Und al» Frau Perle ihn fragte: Nun, soll ich Euch denn nicht auch ein Schälchen Kaffee reichend erwiderte er reimend: Cholilo-wechLß, auw nicht Em' Taß'! (Behüte der Himmel, auch nicht Eine Lass.). 0k. Wolf iöac sonst so eigen wohl nicht, daß er nnisvo fnem 09 htv, an einer Tastl, wo Ignoranten speist« —^nichts mitgeaossen hatte. Er thak es hier aber ausnahmsweise, um seinem Prinzipal das Herabwürüigendk der Verbindung. in die er sich Anlassen wollte, bemerkbar zu machen. Gereizt über dareservirte Verhalten de- HauSmelameb wölkte der Pferdehändler ihn ein wenig necken und wandt« sich mit der Frage an ihn: Nun. Rebbe, habt Ihr denn noch keinmal mit Gaul' gehandelt? Hier kam er aber an den Unrechten Mann, denn R. Wolf, der nicht leicht um ein Bonmot verlegen war, erwiderte rasch: Warum nicht? ich Hab' auch schon einmal einen Tarne. Gaul (einen Hahn) zu KapporeS (zur Ceremoaie des Umschlagens iw, den Herbst^ußetagen) gekauft. Dem Pferdehändler aber lag eine wichtige Frage auf dem Herzen und er eilte zum Tischgebete, welches er aber so holperig und bruchstückweise alS nur irgend möglich vortrug. Nach Beendigung desselben rückte er in aller Gegenwart und ohne die mindeste Töne mir der Finanzfrag« heraus. Das Anerbieten entsprach aber nicht feiner Erwartung. Denn R. Schimeon war nicht der sehr reiche Mann, für den er au-wärtgehalten wurde. AlS nun mehrere- Hin, und Herreden, an der HauSthür, noch, kein bessere- Resultat herbeifühtte, brach R. Schimeon mit einem brüsken „Tute Nacht!" die Unterredung ad und trat wieder in die Wohnstube «in. Hier empfing ihn sein HauSmelameb mit den Worten: Gibt eS denn hier zu Land' keine Amherazzim (Ignoranten) mehr, daß Ihr Euch einen Amhorr, holen müßt auder Hessen-Medina (dem Heffenlanbe)! Ich thu' rS ayd) .glicht! rief R. Schimeon au-. Gumprich! fügt« er hinzu, geht einmal nach dem Krug und lagt zu dem Fremden, er brauch' nicht wieder zu kommen. Frau Perle Schien mit diesem AuSgange nicht ^t befriedigt zu sein.I denn der „reiche" Schwiegersohn mißfiel ihr doch nicht, uijd die grotesken Manieren desselben, dachte sie, würben sich Mit der Leit schon verlieren. Allein: Low» locuta est I Rom Lar einen Machtspruch gethan! Wer wagt da noch zu wil»rfi»rech,n t ©&• war ti auch hier ira Haust, wenn der Hausherr seinen bestimmten Willen kund» gegeben haue. Leim Perle kannte ihre Pflichten ak« Frau audem »esea des MaaorLS-Hamaor vollkommen und schwieg.! R. Wolf abch, der diese Derstioämung bemerkt harte, sagt» zu seinem! Prinzipale: Ich Hab' nun zweimal KaljeS gemacht «Rückgang bewirkt); eS rhut mir Leid. Ihr habt mich tber gefragt und ich muß doch den Emmeß (die Wahrheit) sagen. Ich versprech' Such, baß ich nun. kein KaljeS Imehr machen will. Thur mir aber den Gefallen, fragt mjch nicht wieder. i n. Wie eS gewöhnlich nach mehrern fehlgeschlagenen Projekten verfall zu sein pflegt, so herrschte auch in R. SchlmeonS Haust eine Zeit lang nach obigen Vorfällen eine unverkennbare Mißstimmung, und wollte «an namentlich von ' ähnlichen Vorschlägen vorerst nicht« wieder hören. Allmählich aber trat da« Dorgefallene wieder in tar$in» tergruad der Vergessenheit. R. Wolf trug auch, nicht weinig zur Wiedererheiterung feiner Herrschaft bei. ' Sein Humor zeigte sich der jeder Gelegenheit durch da- Anbnngen deutsch-jüdischer CalembourgS, von denen ihm einftznerschopfliche Quelle zu Gebote zu stehen schien. Echt sarkastisch waren diese aber, wenn Gumprich die Zielscheibe derstlden war, indem er auf diesen alS einen Amhörez (Ignoranten) ohnbdieS kein gute« Auge hatte. So z. B. gab Perle «ine- Tagediesem, da er über Feld gehen wollte, Zehrüng-drot auf die Reist mir. Was habt Ihr für eine fromme Frau! redete da R. Wolf seine», Prin» zipql an, die hältwaS in Tehillim (Psalm 148) geschrieben steht: Roß»-li-Behemö»Lachmü, Er, d. h. der Ewige gibt auch dem Vieh« sein Brot. Gumprich aber ertrug diese Ausfälle stetmir der größten Resignation, denn er bestiß einen tief gewurzelkea, durch nichtzu erschütternden Respeet vor einem Lamdan (Talmudge, lehrten). Ader auch seine -beiden Schüler unterhielt R. Wolf oft mit Erzählungen auseinem Jeschida-Leden, namentlich mit Anekdoten und Witzworten von seinem gefeiertesten Lehrer, R. Jonathan. Stet« batten diese aber di« I Tendenz, den Lerneifer seiner Schüler anzuregen. So «zählte er «inst: Wenn unstr Rabbi R. Jehönoßea in der Schul' zu Hamburg einen Ehilluk (talmudische Dissertation) oder eine Derofcho (Moralpredigt) gehalten hat, da har er manchmal seine PeüS (Schläfenlocken) dabei geschüttelt. Da hat denn ein jeder schon gewußt, daß eine große HamzoL (überaus witziger Einfall) nun kommen wird, gleichwie ein Löd (Löwe) die Mähne schüttelt, bevor er einest großen Satz thut. Ader es war En-Schiur-lehäggidj (alle Erwar»«gen übertreffend). Da hat denn da« JjschLr» Koach-Rufea (Bravorufen) gar kein End' nehmen sollen. Ich Hab' mir nun vorgenommen, setzte er. an «inen Hauptschüler Jacob gewandt, hinzu, diestn SchabdoS-NMhmu

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