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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 1 (1864) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
1 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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-- i — Mm der zu urtheilen; eben dm ich dran gewesen, mein,Sack'zu erzählen, ist gekommen ein Geschrei: Feuer! Feuer! sind sie alle ausgelaufen und ich auch. Auf der Straß« begegn«' ich einer alten Frau, die sagt: Gott ist gerecht; was Gott lhut, das ist wohlgerhan. O weh, Hab' ich gedacht, wenn die sagen: Gott ist gerecht, wen«, er ihnen die Hauser abdrennt, werden sie ihm in meiner Sach' gewiß recht geben, und bin weggrgangen. Wieder bin ich gekommen nach einer Stadt, da hat schönes, theures Pferd gekauft und Halle sich dazu e^ren J gesessen eine ganze Stube voll Rebonim, habe ich zu ihnen Augenblick. Langsam und bedächtig schritt der Rabbi Oraum hakaudesch zu, schon hatte er mehrere Stufen dahin führenden Trepp« erstiegen, als er plötzlich stehen l lieb und sich umdrehte: „Radauseih", begann er „bevor ich meine Derascha anfange, muß ich Euch ein Moschel erzählen. Zhe werdet bald merken^' daß mein Moschel ganz nolhr endig zu meiner Drasch« gehört." Und er begann: „Eia sehr vornehmer Mann hatte sich einmal ein gar sehr kostbaren Sattel von feinem Leder, mit Gold Silber ausgeschlagen, machen lassen. Eines Tages ritt md I gesagt: Radauseih, ich Hab ein Mischpot (Rechtssache). „Mit der > wem?" „Mit Gott." Da sind sie alle weggrlaufen. Habe Herr in der großen Sonnenhitze spatzieren; weil er < der das Pferd zu viel angestrengt hatte, stürzte eS plötzlich zusammen und blieb roor auf der Stelle. Der vornet me Herr wollte wenigstens .den theurea Sattel retten. Er nahm ihn auf die Schulter und wollte ihn in die Slidl tragen. Aber er war das Tragen nicht gewohnt und fing bald an unter dem Sattel sehr zu schwitzen. Wie er so ist gegangen, hat er gesehen von weißem ein wildes Pferd laufen, das hat er ^rngerufen und >at zu ihm gesprochen: Sage 'mal, mir wird das Tragen, schr sauer; möchtest Du mir w'ohl den Sattel in die Stabt ragen? Dem Pferd har der schöne Sattel sehr gefallen , nd ist es gern zufrieden gewesen, ihn zu tragen. Wie sie qder warm so eine Zeit lang neben einander gegangen, har Herr zu dem Pferde gesprochen: Sag' einmal, ich bin müde; möchtest Du mich nicht auf dem Sattel sitzen lasst»? Da har das Pferd den Herrn angesehen und har gesagt: Das wollt' ich wohl thun, aber Du Haft da so was B^ kes an die Fuß', da pflegst Du immer mir zu sticheln, >as kann ich gar nicht vertragen. Run, har der Herr ge, nt' »ortet, wenn es weiter nichts ist, ich brauch' ja nicht zu sticheln. Drauf sagt daS Pferd: Gut, wenn Du mir »er-, sprichst gar nicht zu sticheln, kannst Du schon aufsten. Also ist der Herr auf bas Pferd sitzen gegangen- 1 der es grickelt ihm in die Fuß', denn er ist doch einmal grwlhnt zu sticheln uno kann eS nicht lassen, und allmählich fc ngk er doch an ein wenig zu sticheln. Da schreit das Pf rd: W2S, hast Du nicht versprochen. Du willst nicht stich, ln? Aber der Herr antwortet: Du "bist ein dummes Pferd so ange ich unten gewesen bin, habe ich versprochen n cht zu sticheln; setzt bin ich oben darauf (und bei diesen Lorten ging er die Treppe vollends hinauf), jetzt stichel' ich wie ich will. Und ec stichelte: Radauseih, fing der Maggid m, Ihr werdet Euch gewiß wundern, daß ich die Ehuzde h. ve, nach Berlin zu kommen, da Ihr mich doch habt so deko vel mauchel geheißen. Ich habe es Euch aber gar nicht i bel genommen; denn ich habe gedacht: Lew «elochim de lad hascheim, daS Herz der Könige ist in Gottes Hand. Gott hat es Euch in den Sinn gegeben, mich fort zu schicl en, und Ihr könnt nichtdafür. Weil aber Gott weiß, w, nn ich nicht darfchen, habe icb auch nichts zu essen, so l ab ich gedacht, Gott wird eS Euch in den Sinn geben, >aß Ihr mir mein Geld nachfchickt. Ich habe aber lange: eit in Danzig gesessen und Hab' keinen Pfennig von Euch zu sehen bekommen, bin ich gegangen, unfern Herrgott zu verklagen- Also bin ich gekommen in «ine Stadt in Polen i nb habe mir gesetzt ein BeiSdin (Gerichtshof), um meine Sache ich gefragt: .Warum lauft Ihr? Haben sie geantwortet: Wir haben maure vor Gott. Bin ich.gegangen nach Berlin, da hat man kein maure vor Gott, vielleicht wird man da mein Mischpor auSmachen. Wie ich bin gekommen nach Berlin, habe ich sogleich lassen ein Beisdin niedrrsitzen und Hab ihm meine Sach' vorgetragrn. Da haben sie geantwortet: Du magst wohl rech: haben; aber bei jedem Mischpor muß man doch beide Parteien hören; wollen wir sehn, was unser Herrgott sagen wird. Also haben sie den SchammeS ^-geschickt. er soll unfern Herrgott bestellen vors Gericht. Wie der Schammes war weggegangen, haben wir gesessen eine Stund' nach der andern und haben gewartet; der Schammes ist nicht wiedergekommen. Es ist geworden Mittag, eS ist geworben Mincha; endlich gegen Abend kommt der Schammes angelaufen und ist ganz mit Schweiß und Staub bedeckt. Rabaustitz, ruft er, Ihr sollt tausendmal mauchel sein, ich had' unfern Herrgott nicht bestellen können vor« Gericht. Ich had' in^gan; Berlin umgefragt, aber kein einziger Mensch hak gewußt, wo Gott wohnt. Und in diesem Tone ging es denn weiter.! Ter Hansmclamed (Hauslehrer). j Sittengemälde aus der 2len Hälfte de« vorigen Jahrhunderts. . Nach einer wahren Begebenheit. (Fortsetzung.) I- Rach einer kleinen Weile schon machten sich die beiden > Blutsfceund« ‘pyttttn jawo (wie Rüden und ^chimeon),! auf, um in denjenigen WiclhShausern der landgräflichen 1 Residenz, in welchen damals fremde Israeliten einzukehren pflegten, ihre Recherche anzustellen, wo sie denn in einem l derselben durch geschickt-diplomatisches Erfragen bei der Diej nerschaft fuhren, daß hier vor kurzem rin durchreisender Glaubensgenosse am Wirlhstifche mitgespeist habe. Hiermit erachtete man den Thaldestand als constarirt und. der Absagebrief wurde sofort nach Frankfurt abgerichtet. Zur Tröstung seines Gasteaber brachte R. Rüben demselben als anderweitiges Heiralsproject für seine Tochter einen wohlhabenden Pferdehändler aus Z. in Hessen in Vorschlag. R. Sckimeon aber beeilte sich, den harrenden Seinigen die. von ihm gemachten Ermittelungen zu hiaterbriogen. Wir haben uns nun abermals in R. SchimeonS Wohnstube zurückzunerfetzen.

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