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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 1 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
1 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Belehrung und Anlerhatlung auf j Her an »gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bc üdlschem gebiete. NN. rm 4 . r> /■» j ~t So» dlef« Zeitschrift «tfActat »>Sche»tlich ein« Nummer. Preis d« I >llfV 1 1 Sh4.1 gang« l Ti". BirnüiLhrig 7 V Ngr. «De Suchioudimtge«, P » J Zei»»gs«r»rdino»«» u«i«e» Beßellmtgeu »». [11. ZsdrA. 1. ^ttwtal.] Der Mahnruf. De» Wald durchzieht der. rauhe Nord: Die starten Eichenstämme stöhnen. Und ihr Gezweig« fort »nd fort Zusammenraujcht in wilden Tönen — Sie rauschen: Auf! die Zeit entschwindet! Laßt un» zum Wachsthum ernst sie nütze«. Eh' un»-der Tod die Kraft entwindet Und in den Staub wirft unsre Spitzen. Die Flur durchzieht de» Zephyrs Hauch Und beugt der Gräser frisch« Halme; Sie flüstern leis' sich zu und auch Zu FarrenkrauteS niedrer Palme Sie flüstern: Auf! die Zeit entschindet! Laßt zur Entfaltung fie un» nützen. Eh' un» der Tod die Kraft entwindet Un» welken macht die grünen Spitzen. Der Sturm braust um der Erde Ball, Rast durch der Reiche dicht Gedränge, Stürzt Mauer» ein, bricht Thurm und Wall, Aufwogt der Völker ganze Meng« — Sie wogen: Auf! die Zeit entschwinde«! i Laßt fie zum Streben, Schaffen nützen, Eh' un» der Tod die Kraft entwindet, Heraus uns schleudert aus den Sitzen. An meine Kammer klopft der Wind Zur Nachtzeit, weckt mich aus dem Schlummer: Der Morgen graut, geschwind, geschwind! 3» meinem Herzen seufzt der Kummer — Er seufzet: Auf! die Zeit entschwindet! Woll' ernst zu Werk und That sie nützen, Eh' dir der Tod die Kraft entwindet Und in dir bricht des Lebens Stützen. Der aweideslower Maggid. Erzählt von Lehrer-Julius Wolfs. Unter den vielen Darfchanim und Maggtdim, welch« noch vor SO Jahren Deutschland durchwanderten, um „Thaure zu sagen" und „Geld zu klauben," war *er aweideslower Maggid einer der ausgezeichnetste«. Seine Borträge ^rühetm von Witz «nd Scharffin» tufb er ging mehr darauf au», ftine Zuhörer zu unterhalten als war der wahrhafte Abraham ch Santa Wie groß sein Tale«, war, geht twrans zu belehren. Er Clara der Juden. hervor, daß er ifl( Berlin zwei Jahre verweilt und über hundert Draschoth gehalten hat, von denen er später zehn unter dem Titel: ^Assvroh mimmeioh", zehn von hundert, herausgab. Da» Werkchen ist oft aufgelegt worden und läßt sich selbst heute noch ganx gut lesen, obgleich bei Ge» schmack an derartigen Auslegungen von Bidelversen längst geschwunden ist. Doch in dieser? Zeit fingen die Mendelssvhnschen Lehren an gewaltig auf die Geiste^ zu wirken und die neuen An» sichten gaben sich! Überall durch Reformbestredungen im Judenthum kund.; Trade aber diese Steuerungen waren un ferm Maggid ein willkommener Gegenstand, seinen Witz und Spott daran auSzulasseu/ und 'er verfehlte keine Ge» legenheit. ' Endlich wurde man doch des Spiels überdrüssig, man bedeutete den Rabbi, daß man feiner Borträge satt sej «nd daß er jetzt gehen möge. Ei» bedeutende» Geldgeschenk versilberte diese bittere Pille. Der Rabbi ging nach Danzig, wo er längere Zeit verweilte; dann erschien er plötz, lich wieder in Berlin. Er ging zu dem Borsteher, um ihn um die Erlaubniß zu bitten, emen Bottrag hatten zu bür», fen. „Mein lieber Freund", antwortete'ihm dieser lachend^ „Eure Zeit istvlängst vorüber; wenn Ihr eine gute Predigt halten könnt«, daä wäre etwa» andere»." „Run", erwiderte der Maggid im stolze« Selbstbewußtfein, „ich bin l'eaulom doch der aweide»lower Maggid; wer macht «» mir nach"? „Das ist wahr." entgegnete der Vorsteher, „und ich will Euch geme gestehe», daß wir Eure Draschoth noch immer ganz geme Horm." „Rur habt Ihr zuletzt die üble Gewohnheit angenommen, fortwährend' auf die Reumodtschm zu sticheln,^Db grade, diese hadm jetzt hier die Oberhand." „Wen« es weiter nichts ist," erwiderte der Maggid, „so habe ich schön so manche Drasch« gehaltm, ohne zu sticheln, und verbreche, dieses auch jetzt nicht zu thun." Der Maggid erhielt mdUch die Erlaudniß, darschen» zu dürfm, doch mußte er best versprechm, unter keinm Um» ständm zu sticheln. V Bald hatte sich ia Wrlin die Nachricht verbreitet, der aweideslower Maggid »ewe am Sadbath eine Drasch« hal» tm, und sch«n laMe, ehe die Jett zum Miachagrdet gekommen, war die grvßySynigoge in der Heiderreiter Gaffe di» auf dm letztm Platz gestillt. Endlich kam der ersehnt»

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