Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 52 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 1206 — Natur und di, Menschenwelt beherrschen und deren Leder «inengen uns fesseln: m den dehagüchen Raumen deine, Wohnung, mein, Freundin, soll nichts davon fühlbar werden! Uno was könnte hierzu zweckdienlicher sein, alS zu« rechten Stund« nach geistige, Belehrung und Unterhaltung zu greifen) Und fürwahr, iöt, anhänglichen Leser diese« BlalteS werden es für keiße Anmaßung erachten, wen» wir Hirse unsre Zeitschrift dahin rechnen und dazu empfehlen. Wir stehen am Schlupfe des zehnten Jahrganges Seit zehn Jahren stellt sich „das jüdisch, VelkSdlarr" . regelmäßig a!« ein Wochenßruß eia, der in freundlichste, ’ Besinnung, mit Ernst, aber uuch mir'Scherz, die Aufmerk-; fiimfcit auf da- Gebiet des Judentbums, aufseine Religior \ und Geschichte, auf seine Vorzeit und Jetztzeit, auf sein,! Titten und Satzungen, auf seine Wei-deikund seiner ■ Witz, kurz auf alle-, wain ihm inttreffiren kann, tr mannigfaltigem Wechsel, wie dieser sich durch eine große Zahl von Miracdritern und aus den Schriftwerken alle^ Zeiten darbietet, zu lenken demüdt ist. Zehn Jahre bereits steltt esich also regelmäßig ein, und da es immer und immer wieder gern gesehen und ausgenommen wirb, so muß e« wohl seine- Amtepflichrgetreu und emsig pflegen.! Im Heiligthume, das Mose« in der Wüste errichtetes > wie im Tempel, den Salomo auf dem Gipfel de» Mori» ■ jah erbaute, brannte die „beständige Lampe." Tag »d Nac1,t. Sie durfte nicht erlöschen. Morgens und abends . mußte der Priester herantreten, sie reinigen, den Docht erneuen, heiliges Oel darauf gießen und so Sorge tragen, daß die kleine aber hell« Flamme niemals auSzehe. Sie war nicht bestimmt, den Raum gradezu zu erleuchten und zu erheben! Dazu war sie nicht groß genug, und weshalb hätte si^ dann des Nacht« zu brennen bedurft, wo niemand da> Hriligthum betrat) Sondern diese, ewig brennend, Lestchr < sollt« ein Symbol sein, wie da« Licht der Erkenatniß, bai Israel au« dem Innern seiner Religion, au« der gönlichet Offenbarung «flössen und erfließr, niemals verlöschen, nie mal«, nicht am Tage, nicht in der Nacht, zu brennen auf« hören solle, und daß die Priester dieser Lehre, die Träger dieser Erkenntniß .ununterbrochen dafür zu sorgen Habens wie sie diese« Licht zu unterhalten, in seiner Reinheit , bewahren und immer frisches Oel darauf zu gießen Habens Dieser Gedanke war es, der uns zur Gründung auch diese« Blatte« antried, un« ununterbrochen beseelte und uner müdlich streben ließ, auch unsrerseits an der Erhaltung uni Verbreitung de« ewigen Lichte« unsrer heiligen Religion möglichst beizutragen. So war un^re Aufgabe von innen her^ au« groß und bedeutsam genug, wenn auch der Umfan , und die besonder» Zwecke nur bescheiden und innerkal gewisser Grenzen sich halten sollten. Wie weit es ungelungen ist, sie zu lösen, mögen andere deurrheilen: an . ernstem Eifer haben wir e« nicht fehlen lassen, die Mannigfaltigkeit und Fülle der Gaden zeigt ein prüfender Bl«! auf die zehn Bände unsre« Blattes, üNd daß wir diese, vor allem Streite und Hader, vor allen Persönlichkeiten > und Gehässigkeiten, die leider m unsren Tagen überall her- \ Vordringen, zu bewahren gewüßt, gereicht un« zu eine' besonderen Befriedigung. Ja. Töir dürfen sogar auoehmen daß darum da« Interesse an diesem Blatte durchaus tot*; .. an den Tag gebunden ist, der e« dringt und vorüderfübr«, sondern daß, wie die Bände adgeschlossen vor un« liegen, sn für. viele bleibender Theilnahme fähig und würdig sind. Wir schreiten daher mir Vertrauen in da« zweite Jahrzehnt hinüber. Wir werben unserm ruhigen. besonnenen Gang fortsetzen, und hoffen, auf ihm einer zahlreichen Begleitung von Mitarbeitern und Lesern immerfort theilhaftig zu werden. Dazu werden wir mir Fleiß und Ausdauer nnfr-^Blicke nach allen Seiten hinsenden, wo wir Gegenstände de« Interesse«, den Geist belehrend, da« Gemüth erheiternd, die Sittlichkeit fördernd, die Kennrniß der Religion erweiternd unh die Liede zu ihr anfeuernd, zu finden vermögen. Und schon heute können wir unsren Lesern;ustchem. daß un« für den Beginn des neuen Jahrganges bes Guten und Tüchtigen vielevorliegt. Und so möge zum Schluss« hier das originelle Gedicht des engtichen Dichters Tennyson (des poSlae laureati) in deutscher Bearbeitung stehen: Der Tod des alten Jahres. Hoch aufgerbürmt li.gl rings der Winterschnee. Langweilig seufzt der Sturmwind durch die Weiden; Laßt eure Becher klingen nur recht sacht. Leis tretet auf, sprecht sanft, nehmt euch in Acht: Das alte Jahr liegt im Verscheiden. „Rein, nein, du darfst nicht sterben, alte- Jahr-! Du kamst so gern in unser friedlich Haus, Du hieltest treu u»d ehrlich mit uns auS; Du darfst, du darfst nicht sterben." So rudig liegt es da, bewegt sich nicht, Verschmäht des jungen Tages Glanz zu greifen; Nun aber wird'- nicht wieder auferstrhn; Nach trübem Schmerz gab es mir Freuden schön. Die will da« neue Lahr mir nun entreißen. „Nein, nein, du darfst nicht foctgehn, altes Jahr! Du warst so lang, so treu mir mir vereint, Du hast mit mir gelacht, mit mir geweint. Du. darfst, du darfst nicht scheiden." „Drin Becher schäum« übern Rand empor. Du warst das schönste. beste Jahr von allen; Denn, ob dein Antlitz jetzt auch düster schaut. Der Feinde Schar dich schm.rht^ so frech und laut. Du bast als lieber Freund mir stets gefallen. Nein, nein, du darfst nicht sterben, alte« Jahr! Du scherztest ja so oft. so froh mit mir, Fast möchr' ich lieber schwinden gleich m i l dir; . Du darfst, du darfst nicht sterben." „Wie schwer vu athmest! Don dem Schneeberg dort Lrahr schon der Hahn den Morgengruß herüber; Die Schatten schwanken gaukelnd hin und her, ' Das Heimchen zirpt, das Licht brennt fast nicht mehr Und Mitternacht ist lange schon vorüber. Gib deine Hand zum Abschied, altes Jahr! Gedenken werb' ich dein mir bangem Schmerz, Kann ich'vielleicht erleichtern dir das Herz) O sage, sage mirs vorm Scheiden." *