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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 51 (1863) · p. Seite 202

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
51 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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— 202 und deren einfache Verhältnisse hatten ibr nichr g stattet, von der Residen; mehr al« die Äußerlichkeiten kenaen zu lernen; ihr lebhafter und geschäftiger Geist war damit nicht zufrieden und ihre Stimmung drängte sie, aa« ^lch hecauszukommen und neue Gegenstände de« In eresse«, der Beschäftigung und de« Genüsse« zu suchen. 2 fit der Ankunft Adler'« veränderte sich all,«. Seine Geschäfte nahmen ihn nur täglich einige Smnden in Aajpruy und die übrige Zeit widmete er ihr mit Vergnügen. Er führte sie in die Zerstreuungen der glänzenden Hauptst«! 't ein, machte sie mit allen Anstalten der Kunst und der Wissenschaft, soweit diese sie interessiren konnten, bekannt^ füllte sie in einigen bedeutenden Familien vor, arrangi flüge und wußte die« alle« in so geeigneter auf einander folgen zu lassen, daß bec^ch«veFliche Dame bald davon ergriffen und hinMissen wastd- und. sich überau« wohl gefiel. Die glanzenden Eigens haften ihre« Geiste«, leichte Fassung«gabe, Witz und Humor, kamen dabei zum Vorschein und zur Geltung und Adler wurde 'selbst davon in nicht geringem Maße eingenommer. ' Ec verlängerte seinen Aufenthalt weit über das Maß, u« er bestimmt gehabt, und gab den Bitten der schönen Vilwe immer wieder nach, wenn er ernsilich von seiner lbreise sprach. Es wirb un« daher gar nichr mehr überr rschen, wenn Ooctor Anselm drei Monate nach dem Besuche seine« Freunde« folgende« Schreiben von ihm erhielt: „Den schönen Dämon, den Du laufen ließest, h erwischt, aber er hat auch mich erwischt. Lu hattest denn -er paßt nichr in Drin friedliche«, sonnige« aber auch ich habe Recht, denn mein Haus ist öle und rode und bedarf de« Leben«. Ich muß etwa« zu brk: mpfen haben, und gelingt es mir, so ist meine Befriedigt« g um so stärker. Mithin wird e« Dich nicht Wunder n hmen, wenn ich Dir anzelge, baß in einigen Wochen di« Frau Hill mem Weid sein wird. Deiner Glückwünsche t in ich gewiß und ich nehme sie um so lieber entgegen, ^l« ich fest überzeugt bin, daß wir ihnen entsprechen werden Dein Adler. Anselm legte den Arm um sie und sie wehrt« ihm nicht. Ob die Ehe de« Herrn Adler eine immer glückliche, durch kleine Stürme niemals gestörte ist, kann ich dem freundlichen Leser nicht sagen, denn ich gehöre nichr zu bchl Freunden seine« yause«. Aber bei dem vr. Anselm wohnt der Friede und da« lieblichste Glück; die Bewohner seine« Haufe« verstehen sich in allem, was sie wollen und thun, denn sie haben nur alle Ein Ziel vor Augen: einander wohlzurhun und einander glückliche Stunden zu bereiten, j Kaum vergeht ein Stündchen, wo nicht Luise an dem! Halst ihrer Mutter hängt; dann aber steht auch sicher Anna | an deren Seite, faßt die Hand Franziska'« und blickt ihr | zärtlich in die Augen.! Wir aber, mein Leser, wollten Dir durch diese einfache , Erzählung nur zum Bewußtsein bringen, daß e« nicht allein! der Wechsel de« Geschicke« ist, dem der Mensch unterwork Jm ist, sondern auch der Wechsel der Empfindungen in i seiner eigenen Seele, und daß auch dieser gerechtfertigt ist. be ich Recht, Jau«; sth Diese Zeilen regten Qr. Anselm in eigenthü Weise auf und nach kurzem Sinnen begab er ihnen nach dem Zimmer Franziska'«. Hier überrei h ihr den Brief mit der Bitte, ihn zu lesen. Al« si that, flog «ine Röche über da« Antlitz de« Mai welcher schnell eine Blässe folgte. „Was ist Ihnen Franziska j" begann derDortor. Diese richtete ihren auf ihn und sagte etwa« unsicher in der Stimme: wethalb geben Sie mir diese an Sie gerichteten Zei lesen?" — „Nun", fuhr er fort, „Sie sehen, dir steht gleich. Sie baden meinen Freund Adler abge und ich die Frau Hill. Da nun die beiden sich geft so bliebe nicht« übrig, al« daß auch wir un« finde Sie mich mit Ihrer Hand beglücken. Sie sind Kindern eine zu zärtliche Pflegerin und, wie ich g eine zu liebe Freundin geworden, al« daß ich Ihnen bi« Stelle in meinem Herzen und meinem Hause sollte, die Ihnen gebührt und auf welcher Sie da« zukünftige Glück meine« Leben« sei» werden." Frafi antwortete nichr. Sie stand mir gesenktem Haupt«, gefalteten Händen da und ein Zittern überflog ihre licher mir re tt die« chen«, liebe Blick „Und i m zu! )artie Diesen, nvrn, und «inen aube, nicht letta ganze ziska mit alt. n an > Erst Der Hausmelamed (Hauslehrer). Littengemälde au« der 2ttu Halste des vorigen Jahrhunderts. Nach einer wahren Begebenheit. (Fonsetzung.) I. Ich denke nur an Ein«, fuhr er, an da« früher Gesagte anknüpfend; fort: Wenn die Leute un« nur nichr mekanne sind (beneiden werden) und berufen, daß unsre Tochter Rechla ein solche« Malet (Glück) macht, wenn der heutige Schiduch (Heiratsprojecr) zu Stande kommt. Es ist auch keine Kleinigkeit, daß sie frankfurter Balboöste (Hausfrau) wird, und bekommt den. R. Beer, den Sohn de« berühmten R. Aberlr. Und da« Beste dabei ist — jetzt klappte er da« Buch zu, denn er kam nun an sein Lied» ling«thema — daß e« un« nun nicht so schwer fallen wird, unsrm Iokef-Lred zur Zeschiba (ralmudifchen Hochschule) zu bringen. Sag' Jmjörze-Haschem (s. G. w.), ergänzte die fromme Perle. Er soll nun auch, siihr jener fort, sobald Rechla Frau sein wird, nach Frankfurt, denn er kann jetzt schon gut ein Omöd Gemöro leienrn (Folio-Seite im Talmud allein lernen). Sd'weit hat ihn doch unser Hausmelamed (Haus-! lehrer) R. Wolf nun schon gebracht. Auch hiermit haben i wir Masel. Wenn ich bedenk', Perle, was wir zuvor mit den Melamdim (Lehrern) für Zore« (Leiden) getragen haben! Da haben wir zuletzt einen gehabt, der hat die Kinder den ganzen Tag über geschlagen, und sobald e« Abenb war, ist er nn den Krug (Dorfschenke) gegangen und hat dorr gespielt mit den Kitzlern (reisenden Gaunern-, daß wir bald dadurch auch in einen schlechten Verdacht hätttn kommen können. Da bin ich im vorigen Jahr einmal gekommen zu meinem Freund und Namensvetter R. Schimeon in Düs. seldorf. Du weißt, Perle, er stammt au« Böhmen und ist ein großer Mrchubad und Lamdan (Ehrenmann und Gelehrter). Da Hab' ich'« ihm geklagt, wa« wir «Ulf dem

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