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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 51 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
51 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolkMatt. Z°r I .Belehrung uni) Anlerhatlung auf jümschem Dekrete. HerauSgegebea von I __ Rabbiner Dr. Ludwig PhiUppsou tn Bonn. rm £ 1 4 0/»0 l «o» dieser Zettiarift erschein» »Sckentlich «ine Nu«««. Preis de« Jahr» rj a _<« ♦ o^s , , -» lNo. 51. 186B.J . ... - «k. ^sSSMäASÜ SS&SSSPX: """" t10- L»krz. 3. Quartal.] Die Gouvernante. Eine Novelle. (Schluß.) Xlil. V Adler war mil dieser Wendung der Angelegenheit sehr zufrieden. Die schöne Frau in ihrem nicht unberechtigten Schmerze halte ihm rin lebhaftes Interesse abgewonnen. Nachdem er ihr einige Stunden zur Besorgung ihrer Geschäfte und zum Einpacken ihrer Sachen Zeit gegeben, ging er gegen Abend wieder zu ihr, um ihr feinen Brief an feine Freund«, wo sie Wohnung nehmen sollt«, einzuhänbigen. Sie empfing ihn mit Freundlichkeit, wenn auch ihre Wangen die Spuren wiederholt vergossener Thronen und ihre Züge die des Kämpft» mir einem tiefen Schmerze trugen. Adler, der eine großf Herrschaft über sich und die Gemüther anderer besaß, verwickelte sie bald in eine lebhafte Unterhaltung, gab ihr eine ergötzliche Schilderung von Personen aus der Residenz, die sie kennen lernm würde, und von dem Treiben daselbst, lenkte ihren Geist auf die Zukunft und womit sie dieselbe ausfüllen könne, und theilte ihr auch mit, daß ihn in einigen Wochen dringliche Geschäfte nach der Hauptstadt führen würden, und erbat sich die Erlaubnlß, ihr seine Aufwartung machen zu dürfen. Unter diesen Gesprächen heiterte sich ibre gedrückte Stimmung etwas auf, sie freute sich auf da- Wiedersehen und nahm ihn al< einen Freund in der Noch an. > Nachdem Adler so seine Aufgabe bei der Frau. Hill gelöst hatte, kehrte er in da» HauS Anfelm'S zurück. Es war bereits 8 Uhr abends vorüber und er trat daher in den Salon rin. Hier fand er den Docror. Franziska und die Kinder versammelt. Alle» war in dem gewohnten Geleise; nicht» verrieth, daß die Berhältnisse gestört und getrübt gewesen. Franziska ward in große» Erstaunen versetzt, al» sie Adler eintretm sah. Der Doeror hatte ihr von dessen Ankunft gar nicht» gesagt, und man wirb sich erinnern, daß sie überhaupt von der Freundschaft dieser beiden Männer nicht» wußte. Vielleicht hatte der Dortor die geheime Absicht, da» unvermuthete Zusammentreffen dieser beiden Personen, deren frühere» Berhältniß er jetzt kannte, zu benutzen, um sie zu beobachten. Adler begrüßte das Mädchen herzlich, und nachdem sie die erste Verwunderung und Aufregung schnell überwunden hatte, gestaltete sich die Unterhaltung freundlich, ja herzlich, aber völlig unbefangen. E» galt ihr zunächst, Erkundigungen über da» Befinden seiner Schwester, ihrer treuen Freundin Adele, einzuziehrn, und die Versicherung, daß ihr« Kränklichkeit gegenwärtig im Abnehmm sei und recht gesunde Tage für die leibende Dam« eingetreten, macht« sie sehr glücklich. Adler ließ sich neben seinem Freunde auf dem Divan nieder und Franziska wandte ihre Aufmerksamkeit den Kindern wieder zu. Man. konnte bemerken, daß ihre Stimmung durch die empfangenen Nachrichten gehoben und erftischt war, sie sich aber einer völligen GemüthSruhe erfreute und ganz zwan^lo» und in gewohnter Weise sich mit ihren lies benSwürdigen Zöglingen beschäftigte. Al» die Zeit gekommen, wo djie Kinder sich nach ihrem Zimmer begaben, ersuchten die Herren sie, ihnen ihre Gegenwart noch rin wenig zu schenken, und die belebte, aber völlig ruhige Unterha^ rung verlängerte sich bi» zu spater Stund«. Atter blieb noch einen Tag da und benutzte nun seinerseits die Zeit, um da» Berhältniß zwischen seinem Freunde und der Gouvernante zu beobachten. E» hatte nicht auSblekben können, baß sich Franziska von den Vorgängen, deren Mittelpunkt sie gewesen, sehr gedrückt fühlte. Sie war dem Dortor zu Dankbarkeit verpflichtet für etwa», woran sie doch nicht di, geringste Verschuldung trug, und konnte it» sich nicht verhehlen, daß sie störend La die DerhättnMXund da» Geschick diese» Manne» eiagegriffm, ohne daß mee» geahnt und beabsichtigt hatte. Wenn sie ihn um s<mehr achten mußte, daß er die Kraft besessen, Unwürdige^-nimsich adzuweisen und ein Band zu zerreißea, da» schon so fest geknüpft war, so gereichte e» ihm doch nicht zur Ehre, in ein solche» Berhältniß überhaupt sich eingelassen zu haben. Ader da» weibliche Herz ist in solchen Dingen nicht, allein zur Versöhnung sondem auch zum Mitgefühl und Mitleid geneigt und hält sich für verpflichtet, dem Manche, der gelittm und verloren Hat, irgend wie einrnXErsatz zu bieten und, wenn auch in zartester Weise unv ohne sich den geringsten Schritt zu vergeben, feine Anerkennung anzubeutrn. So knüpfte sich unbewußt und wie von einem Schleier verdeckt ein eleetrifcher Fade» zwischen ,n beiden Herzen an, der teichr eine Veranlassung findet, h Ue Funken sprühen zu lassen. Dem menschmkundigen kldler blieb die» nicht verborgen, wenn e< sich auch nur in einem leisen Ton der Stimmen, in einem schnellen i Kid, in einer leichten Gederde verrieth. Er kehrt« beruhigt ider da» Schicksal derer, die ihm theuer warm, nach sein«' Heimat zurück. — Zu dl: angegebenen Zeit fand sich Adler in der Residenz eia und zögerte nicht, im Haus« seiner Freunde und bei Frau Hl vorzusprechm. Er ward von diese? wie «tn rettender > saget begrüßt. Die Zurückgezogenheit ihrer Wirth«

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