Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 50 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
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— 199 — gefolgt. Kür Adln g«lt aber der höhere Beweggrund, daß Anselm und diese Krau nicht zu einander paßten und balle sich gegenfeirig nur unglücklich machen würden. Trotz der Bewegungen, die er durch die Seele Augustengehen sah, füllte er doch heraus, dasie sein Bleiben noch gerne sehe. Keine'Geberde von ihr wies ihn an. sich zu entfernen; vielmehr schien sie eine Tröstung darin zu finden, die ganze Heftigkeit ihre- Gramevor ihm auszufchütten, und sie wandte sich sogar zuletzt mit der Bitte an ihn, ihr seinen Rath zu ertdeilen, wa» sie nun beginnen solle. Sie habe ihn so rheilnedmrnd gefunden, dasie ihm wohl vertraue, in der Verwirrung ihrer Gevanten eia Hilfsmittel zu finden, daihr in den Qualen ihr,- Herzeneinige Erleichterung schaffe. Adler hob noch einmal an, ihr als ein Vielleicht die Versöhnung mit seinem Freunde vorzustellen, die Möglichkeit, daß sie dieser an sich doch unbedeutenden Mißhelligkeir vergäße und dann bereuen könne^ sich auf immer von ihm gttrennt zu haben. Ader sie wollte von nichtwissen, sprach ihren Unwillen mit der größten Entschiedenheit au-, bisie fast zu Ausdrücken des Hassegelangt«. Adlersiel sofort ein, mäßigt» in feiner, aber bestimmter Weise ihren Zorn, und endigte mir dem Rathe. sich auf einige Zeit nach der Hauptstadt zu begeben; er könne »hr dort eine würdige Familie empfehlen, bei der sie einige schöne Zimmer bewohnen, nach Verlangen sich zurückgezogen halten ober die Zerstreuungen der Residenz genießen könnte. Da könne sie ja auch nach einiger Zert ihren Entschluß auf immer festftellen und jedenfalls von den Kampln der letzten Tag« sich erholen. Diesen Rath nahm sie an rund wollte schon am folgenden Morgen adreisen. (Schluß folgt.) Der Hausmelamed (Hauslehrer). SittrngemLlde auder Lira Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Nach,einer wahren Begebenheit. I. Zn dem weiten öandergediele zwischen Rhein und Weser, der jetzigen Provinz Westfalen, waren die Juden nach der Zeit der Brunnenvergiflungs-Gesera nahezu verschollen. Nur in wenigen in Waldschluchten versteckt liegenden Dörfern und Weilern hielten sich noch einige Familien, die unter de,«»Schutze von Reichsgrafen und Raubrittern, ihr traurige- Dasein fristeten. Aber auch dieses war an die härtesten Bedingungen geknüpft. So z. B. mußten in Rheda, so oft die Grafen von Rheda zur Zaqd ausritten, die Juden al- ..W'ldtreider" mitgehen, wobei einer derselben neben dem Pferde degnädigen Herrn rinderlaufen und ihm bas Jagdgefchoß Nachtrag«» mußte. In Herlingdausen mußten sie von jedem geschlachteten Stück Vieh di« Zunge und sonst beliebige Lheile auf dem Hofe ber Herren von. der Malsdurg adliefern, und ander»- überall. Ader nach dem Lvjährigea Kriege, al- Deutschland so verwüstet und menschenleer war, daß man in den Weser» gegende« sich geaötdigt sah. unzählige Bauerhöfe — primo occupaoü, wie man es damalnannte — an den erste» Besitzergreifenden zu verschenken, da »ahm man es auch Harz die Grenzscheibe rheim, Goslar und as mehr füv» und mit der Aufnahme nur die freie« Rei verschlossen ihnen »I di« Einwanderung der dieselbe Zeit meist at im Nordwesten au- Juben so genau nicht mehr, und Dhte, Dortmund, kippstadt u. A. m. hartnäckig ihre Lbore. W>e aßet ldev im Nordosten Deutschlandum Polen startfano, so erfolgte sie hier üdbeutschland und dem Heffenlande. Beweise hierfür sind > außer einigen sich erhalten habenden Gemeinde» Notigen «stib mündlichen Traditionen, sowohl das jüdische Idiom, ^as hier nichts anderes ist. öl« süd. deutscher Bolksbialekt. ^mir einigen hebräischen Floskeln vermischt, als auch insbesondere der Minhaq, Synagoge», ritus, der im Norvost^n polnisch, in Westfalen aber deutsch, VZ2D« 2^22 ist. B merkenswerth bleibt hierbei, daß ber de- Minhag zu bilden scheint. Hi!» Osterode baden noch polnische, die westwärts liegenden kleinen Gemeinden aber schon deutsch« Observanz beim Golte-dienste. Urdrigrnwar die Stellung der Juden in Westfalen ungeachtet des Druckes d'er Gesetze »ine geachteter« alin Süddeutschland, indem, während der mehrkunderrjährigen Abwesenheit derselben, die traditionellen Jabenschimpename» hier ziemlich in Berges enheit und er usu gekommen wareen Von Talmubstuon m aber, bas überall noch florine, war in dieser Provinz schon vor Sv di« 9v Jahren kaum noch die Rebe mehr. £ edoch gab es noch viele s. §. Jodea» Srpber, Schriftkenner d»e in radbinischen Werken leichter Materie, Adardanel, <kn-Jakob und vgl., wohlbewandert, dafür ader auch in ihren Gemeinden gewöhnlich die ton» angebeadrn Wortführer waren. Und in der Thar gedüyrrr auch vielen derselben di'st klein» Prärogative, indem sie ihr, wenn auch dürftiges, g'wohnlich aus ndv geschöpftes theologisches Wissen stets praktisch detdärigken, sowohl durch strengreligiöse Enthaltsamkeit als auch durch ihre acht patriarchalischen Sitten, besonders bet Au-üdung ber Wohlthäligkeit. Wurden z. B. Orchim, heimatlose Wanderjuben — deren Zahl man beiläufig gesagt für doppelt so stark' als di, der seßt afren hielt — durch f. g. Pletten. Biller,, unter die Orts inwokner zur Beköstigung vertheilt und ereignet» sich hier ei, daß ein armer Talmubgelehctrr einem solchen Jodea-Se »her zuqrwtesen ward, so war nicht dies srinr Aufnahme, e ne ehrenvolle, sondern es geleirete «dli der Hausherr beim Abschiede noch eine Strecke Weges außerhald des Ortes. i|m f» den gepriesenen Sitten .der Erzväter nahe zu kommen. Ein solcher Jodea-Sephrr war auch Radbi Schimron in dem Dorfe H. unfern Iserlohn'-. Allein -ieser achtere nicht blos die Gelehrtest, sondem wollte auch der Ürhre selbst, deren Glanzperiode, unter R. Jonathan Elbeschätz und Pene-Jehoschia, er stoch in seiner Jugend gesehen, wieder zu ihrem früheren! Standpunkte verhelfe«. Deshalb war er stetvon dem Mansche beseelt, daß wenigsten- Einer seiner Söhne bK-'tra ^eor-r n*»ro, kehrer ber Tbora in Israel werde,' ohne wessen Erreichung ihm ber Zweck seine» Dasein als ein verfehlter erschienen wäre. Seine an Frömmigkeit ihm gleichgesinnte Frau, Perle, hatte es sich nicht minder zur A, fgabe gemacht, ihn kn der Hand' habung einer religiösen >nd moralischen O«-cipim bei ber Kinbrrerziehunq zu unters ätzen. Bei ihren öfteren Ermahnungen der Kinder.führt, sie als Motto den Vers: -ier* ■von inv2 o^k» Heil den» Menschen, der stets in Furcht — b. h. vor Gesichesübertret »ng — lebt! im Munde, den sie