Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 50 (1863) · p. Seite 198

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
50 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026630--2576-4910909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1-8 — D A. i d ja selbst die Entbehrung ihres.Umgangs, a« »elch^n «r so viel Befriedigung empfand, erschienen ihm unle Dennoch war er von der andern Sekte sich der Veri tungen bewußt, die er gegen seine Vertodt« halte, er sich unbedacht, von chren Reizen befangen, von Reichrhum angelockt, in daS Lerhältniß hinein lassen, so mußte er die Folgen tragen,, und wenn sie bitter schmeckten. Er durfte nicht mir nichts die ein Her; verschmähen, in welchem er den Glauben an Zuneigung hatte erwachen und wachsen lassen; er ihr Treue gelobt, und diese durfte ec nicht einseitig b Er war daher zu dem Entschlüsse gekommen, bei früheren Absicht stehen zu bleiben: er wollte für Krai und die Kinder für die nächsten Jahre «inen andern senden Aufenthalt suchen. DaS Weh der Trennung er als Sühne seines Fehlers auf sich nehmen. Vorschlag wollte er seiner Braut machen. Würde sie diesen verwerfen, so würde er sich seiner Pflichten sie ledig fühlen. Daher war ihm die Ablehnung für diesen Plan sehr unangenehm. Abee er hoffte einen andern Platz ausfindig machen zu können, machten die Gründe, di« Adler angeführt, die Mitth^i gen über dessen früheres Verhältnis zu Franziska, eigenthümlichen Eindruck auf ihn. Seine Seele sich in Träumereien. Es dünkte ihm schön und b sam, daS frühzeitig getäuschte Her; des Mädchens e Ligen zu können, ihr für ihre verlorene Jugend, Erst bieten, die ganze Fülle ihres reichen GemütheS - sich vor den trüben Erfahrungen ihres Lebens in sich zurückziehen müssen, zur Entfaltung zu dringen u daS ganze Glück einer vollen und beständigen Liebe geM zu lassen . . . Doch ec weckt« sich selbst auS diesen Phan« rasten, schüttelte den Kopf über den gereiften Manr sich solchen jugendlichen Bildern überlasse, und richtete nen Blick auf die dringend« Gegenwart. WaS jetzt thun i Seine Braut erwartete ihn; aber sein sollte ihr seine Einwilligung in ihr Begehren bed. Ob sein Vorschlag ihrem heftigen, von Einem Ged» stets beherrschten Gemürh genügen werde, zweifelt: Er betrachtete daher die Anzeige seine- Freundevoi sen baldiger Ankunft aleinen Wink der Vorsehum glaubte am besten 'zu thun, wenn er diesen zum mittler dieser Angelegenheit machen würde. Ec wollt halb dessen Eintreffen erwarten. Einige Stunden später traf Adler wirklich ein utid die Begrüßung der beiden Freunde war eine sehr ' her sich«. Adler war ein schöner, stattlicher Mann mit weltkpt Aeußrrn und von feinem, abgsschliffenem Benehmen, w jedoch der Ausdruck degeläuterten und wahrhaften rakterS nicht fehlte. Er versicherte seinem Freunde, baß glücklich mache, einmal etwavon seiner Schuld an ihn adßragen zu können, daßeraber ebenso sehr gekommen sei, um Franzi!ka zu schützen, wie um ihn vor schwerem Leibe zu wahren. Er hörte nun den Bericht Anselm'» über den letzten Vorgang und b lligte seinen Entschluß vollständig. Adler sollte' die Dame besuchen, um ihr den Vorschlag ihre- Bräutigamzu machen und zur Entscheidung vorzulegen. Adler begab sich z t ihr, nachdem er seinem Freunde gelobt, auch nicht da-G< klagst« dazu zu thun, daß die Frau Hill, so sehr es auch.ildltr wünsche, eine verneinende Antwort gebe. Er ließ sic» bei ihr al- Freund und Beauftragter Anselm'- melden und i blich, stich, hatte hum iehen auch nichtseine hatte rfchen. einer ziska pdf* -sollte iesen auch ßegen ler'S noch Dabei iluneinen erlor keuk- N^chätz 5U daS HW« sie epeu , der ftie er >men urrn. nken er. des- und Derdesgem «slüiem Cha» ihn wurde angenommen. So gevß sein« Erwartung auch war, wurde er doch von der Schönheit der Frau überrascht, die jetzt, wo eine gewisse Trauer über ihr Antlitz gebreitet war und die Bläffe de- Kummerauf demselben lag, noch «inbruckSvoUer als sonst war. Diese hohe, volle und doch schlank« Gestatt, dieseebenmäßige Gesicht mit glänzendem, jetzt nur etwagedämpftem Colorit, diese großen runden Augen, der edle Kopf rissen Adler zur Bewunderung hin, daß er sich respektvoll verneigte. In seiner Wendung berührte er die.Differenz zwischen der Dame und seinem Freunde, theilte Licht und Schatten unparteiisch ab und berichtete ihr dann, daß Anselm die Gouvernante von seinen Kindern nicht trennen, sie aber mit den letzteren zu Freunden nach einer andern Stadt bringen wolle. So gefällig Adler die Sache auch vortrug, denn ethat ihm; weh, dies« schöne Frau kranken zu sollen, so sprang sie doch! von ihrem Sitze auf, eine flammende Rothe stieg in ihrem , Gesichte auf und »nit fast stockenden Lippen rief sie au-:; „So opfert mich Ihr Freund für dieses Geschöpf auf!! So will er sich' nicht von ihr trennen, selbst auf die Gefahr ' .hin, mich zu verlieren! Da habe ich doch gerechte Ursache, da- Schlimmste vorau-zusttzen, und ich werde mich hüten, mich in solche GeseUstbaft zu begeben. „Ha!" fuhr sie fort , und stampfte vor Zorn mir dem Fuße auf den Boden, „solche Kränkung, habe ich ft« für meine Liebe und Hin- gedunq verdient k" . . . Und die leidenschaftliche Frau sank ’ auf ihren Sitz zurück, bedeckte da« Gesicht mit ihren Hän-; den und Thcänen flössen ihre erbleichten Wangen herab . . . Adler war tief ergriffen; ec fühlte den innigsten An- I rheil mit diesem schönen Wesen, bas, den leibenschastlzchen Bewegungen ihre« stürmischen Herzenhingegrben, die i Herrschaft über sich selbst ganz verloren hatte. Er entschulj digte sie vor sich selbst, bestärkte sich in der Ansicht, daß I der ruhige, gesetzte, friedliebende Anselm nicht der Mann i sei, um diese heftige Narur zu beherrschen und zu leiten, I sagte sich aber, baß dies wohl ein schöner Preis für eine kräftige, erfahrene und besonnene Natur sein würde. Er ließ den -Sturm auStoden, sowohl den ersten Anprall des ' Zorne« wie den weicheren deS Schmerze-, redete ihr dann allmälig zu, legre ihr die Verhältnisse noch einmal dar, hob die Beweggründe seine- Freunde« hervor und bat sie, nachzugeden. Aber der geschickte Menschenkenner ließ sie doch unvermerkt die Spitzen fühlen, die in dem Verhätt- >^iß für sie lagen, und die Frau antwortete »hm in um so entschiedenerem Tone: „Nein, nein, ich sehe darin nur ' zu offenbar, daß der kaltherzige Mann keine Liebe für mich > empfindet, und warum sollte ich ihn bann heirathen? Wozu soll ich mich mit ihm vertragen, wenn ich dafür nicht« erhalten soll, al« baß er mich duldet? Nein, ec hat da« Band zwischen uns zerrissen, ich gebe ihn frei und will ihn niemals Wiedersehen!" . . . Wieder unterbrach ein Strom von Thränen ihre Stimme, die in ein krankhafte« Schluchzen verfiel. Adler litt unsäglich dabei, denn mit jeder - Minute war -seine Theilnahme für da» schöne ttidrnde Weib i gestiegen; er sah ihren tiefen Schmerz und mußte ihn nicht ganz ungerechtfertigt finden. Sie hatte unbewußt in Fran»! ziska ihre Gegnerin erblickt und instinktmäßig begriffen, I daß dieses ruhige, abgeschlossene und edle Wesen ihr in den Augen Anselm'« sehr nachtheilig fein mußte, und war daher dem Triebe, sie au« seinem Gesichtskreise zu entfernen, fteilich ihrer ungestümen Natur nach, schonungslos

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.