Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 50 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüd Heraußgegeben vov Rabbiner Dr. £slt»ig Philihpfo» in Bonn. schem Zeblete. \ rcn r 1-1 4 04*0 1 »ev dieser ZetNchrU» alckewt »ScheirUch rt»e Mt«»«. de» Sckhr. [tu), 50. IotJ). I«H 1 r»L KntdfjM, TJf Rp. «It «»tan l J II» itdtuiKntntuma Mtln«ci u. [10. Illdrz. 3. churrrtrl.^ Die Gouvemaute. Sine Novell«. (Fvrksetzuvg.) XU. Am andern Morgen empfing Ve. Anselm zwei Briefe. Der eine war der uns bereit« bekannte au« der Feder Adler'«. Die Abmahnongen, die dieser Freund ihm in so nachdrücklicher Weise an« Herz legte, machten weniger Eindruck auf ihn, da er seit dem »orige« Abend bereit« zu einem Entschlüsse für sein« nächste Haadlung«weise gekommen war. Desto tiefer regt« ihn di« Kunde von der mehrmaligen üblen Behandlung, die Franzi«ka von der Frau Hill erlitten, wie der Brief fie ihm andeutete, auf. Er stellte sich lebhaft die Dettüdniß vor, die da« arme verlassene Mädchen hierbei empfinden mußte, und konnte sich einer hohen Bewunderung ihre« Charakter« nicht entziehen, der in so sicherer Weise da« pflichtgemäße Verfahren ihr vorschried und Festigkeit genug besaß, ti auch au-zuführen. Bei der Zartheit ihrer Empfindungen, di» sich Ihm ihrerseits im Laufe ihre« Zusammenleben« mehrfach offenbart Hane, staunte er um so mehr über die Ruhe, hie sie dem Ungestüm und der Leidenschaftlichkeit de« ihm verlvbten Weide« entgegenstellre, sowie über die Klugheit, mir welcher fie die Dinge fich hatte entwickeln lassen. Indes hatte er nicht lang« Zeit zu diesen Betrachtungen, denn sein alter Diener überreichte lhm einm zweiten Brief, in brfjr» Aufschrift er die Hand seiner Braut erkannt». Wir wollen ihn unsem Lesern dem Wortlaut^nach mittheilen. Theuerster Eduard! Nachdem ich mich in etwa« von meinem schweren Un» Wohlsein, von der grausamen Schwäche, die mich defallen, erholt Hab«, ist e« meine erste Beschäftigung, diese Zeile» an Dich zu schreiben. Wie wäre e« mir auch möglich, mich lange von Dir getrennt zu wissen und die mein Herz zerreißend« Spaltung zwischen un« bestehen zu lassen! Du weißt, wie ich Dich liebe, wie meine ganz« Seele Dir angehärt! Vielleicht habe ich unrecht gethan, Die die« vost Anfang an so unumwunden zu erkenne» zu geben und ohne Hehl di« ganze Stärke meiner Zuneigung zu offenbaren. Vielleicht wäre e« klüger gewesm. Dich Deinen Steg über mich nicht wissen zu lassere; den» die Männer solle, nur da« hochschähea, was ihnen schwer zu «rein, gm wird. Ader Klugheit und List «arm nie «eine Sache, ich ftlge nur dm Schwtngtmgm meine» Herzen« und dam« habe ich nie etwa« zu verhehlen! — Laß mich über dm Vorfall von gestem schweige»; ich fände doch keim Werte, um die Schmerzen und! Qualm zu schildern, di« ich seitdem erlitten. 3* will Dir keine Vorwürfe machm, den» Do könntest mir die Raschheit elnwmdm, mit welcher ich mir ei« Aeußerung erlaubt, öder derm Inhalt Du »och nicht entschlossen warst^ Ich. will di, Kränkung, die ich erfahren, an sich nicht betonen; aber da« wirst Du doch selbst einsehm, daß, wa« nun einmal vorgefallm, r« mir unmöglich macht, mit dieser Fraumspeeson unter Eine» Dache zu leben. Sie-, Ebuarb, ich zürne Dir nicht mehr; sieh, ich will Dir auch! darin nachgeben und ein« meiner krebsten Hoffnungen schwtndm lassen, die Erzieherin Deiner Kinder zu werden — tUt stell« «ine andere Gouvernante an und «nlfeme bke^etztz«. Ich will mir auch nicht dm geringsten Einfluß auf die Behandlung der Kinder mehr aamaßen, al« dm Du sin Zukunft abgrenzm wirst; sie mögen die Abrheilung he« Hause« dewohnm, welche sie jetzt innehaben; aber Dü wirst diese Franziska entfernen. Diese Lieb« kann ich doäs wohl von Dir verlaagm; die« kann doch kein unersetzliche« Qpfer sein. Erwäge e« wohl, thmrer Eduard, und wenn Duwirklich einige Liehe für mich empfindest, wiest Dt! mir die« nicht abfchlagm. Die will ich es Die vergelten sind alle«, alle« thun, um Dir zu gefallen! Ich erwarte Deine» Befirch, aber ich nehme zu» gleich an, baß dieser füi «ich die Erfüllung meiner Bedingung bedeut«. O komm, komm bald, und laß nicht in trüber Ungeduld verge^m Deine liebende 1 Auguste. Anselm war von diesem Vorschlag« der Frau Hill nicht über, rascht; er hatte ihn vorausg^sehm. Sei» Entschloß stand schon vorher lest. Er Hane sich alle die Pflichten ttar gemacht, bi«' im Augenblick« auf ih n lagen. E« war ntchr sowohl dieser rim Vorfall, durch! welchen er sich bestimmen ließ; sondern e« war ihm dabet der ganz« Charakter de« Weibe«, welchem er seine Zukunft! und die seiner Kinder anzavrr» träum im Begriff -and, ö fenkundig gewordm, und er zittert, vor dm Stürme», p e seiner warmen. Auch waren bei ihm die Dankbarkeit, ie er der Gouvernante fthuldete, und da« tiefe Mitgefühl! da« er mit ihr empfand, die Kräakongm, die sie n»m schAltzot erfahren, von schwerem Gewicht, und er fühlte! vaß e« ein große« Unrecht sei, würde, sie zu mtlassm, | tdft abgesehen von de« unersetzllchm Verluste, dm «r rinm Kinder» dadurch bereite» würde. Di« Vorstellung. M» fie »o» ihnen scheide» würde, welch bittrer Schmerz iht'gekränktes Herz erftillm müßt,,