Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 48 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
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perverse« Dogma anhänglich find, die ExconuaaBtcatio raajor au-gesprochen und erklärm, daß auch alle andere, welche dieser S«ct» verdächtig, «der vor dem Kirchengerichte nicht in Untersuchung gewesen find, in so lange, biihr Prozeß kanonisch entschieden fein wird, für Exrommunirirte zu halten sind. Weil aber die heilige Kirche eine gütig« und wohlwollend« Mutter ist, welche auch die rebellischen Söhne, wenn sie zurückkehren, ihre Fehler «insehea unv wahrhaft bereuen, in ihren Schoß gütig und wohlwollend auf» nimmt: so soll der ofrgenannte Johann Pitha, wenn er seinen Jrrthum erkennt und Zeichen wahrer Reue und Buße zeigt, wie auch Lukas Wolny, Wenzel Wazek und Ludmilla Bauer, nachdem sie da- Bekenntniß deorthodoxen Glaubens abgelegt haben, von Apostasie und jeder Art Ketzerei von dem Pfarrer de- Ortes^ in welchem sich diese Sertirer befinden, in der gewöhnlichen kirchlichen Form abfolvirt, in die Gemeinschaft der heiligen MUlterktrche ausgenommen und zum Genuss« der Saceamente zugelassen werden. Auf diese Weis« sprechen wir da- Urtheil bestimmt au-, legen es schriftlich nieder und ließen e< in der bischöflichen Kurie lesen und veröffentlichen. Gegeben zu Königgrätz am dritten Dezember 1748. (Siegel.) Johann Io» sevh S a x, Vicarius in spirilualibua generalis et ofßcialis. Johanne- Franzi-ku- Mi chalek, consistorii assessor et secretarius. Dageistliche Gericht hatte seine Pflicht erfüllt, Pirha und feine Genossen verfielen nun den Händen brr weltlichen Gerechtigkeit. Der Jude Men dl starb, treu seiner Religion, stand» Haft auf dem Scheiterhaufen; zur Ehre der Menschheit «olle» wir nicht glauben, daß die Bolk-sage wahr ist, worauf ihm, als er bat, bedeckten Hauptezum Richtplatze geführt zu werden, da- Käppchen auf da- Haupt genagelt wurde. Prager Glaubensgenossen begleiteten Mendl auf dem letzten Gange und sprachen auf einer nahen Anhöhe, welch« der Derurtheilte, der bizum letzten Augenblick mir ihnen betete, im Auge behalten konnte, mit lauter Stimme bizum Ende der Hinrichtung dl« nach hebräischem Ritus für «inen Sterbenden vorqefchriedenen Gebete. Später gelang es ihnen, sich durch Bestechung des Henkereine Reliquie des Hingerichteten zu verschaffen, welche sie in den Gebetmantel desselben »inhüllten und mit allen bei einer jüdischen Leiche üblichen Ceremonien auf dem prager Friedhöfe begruben. Ein Leichenstein mit hebräischer In» fchrift bezeichnet heule noch die Stätte, wo der letzte sterb» licht Ueberrest Mendlruht. Johann Pitha wurde von den Patres Missionären mit großer Mühe (magno eum labore, sagt dalateinische Original) zur Reue gebracht und starb fünfzehn Tage nach feiner Auslieferung an daweltliche Gericht am Scheiterhaufen. Es war am 18. Dezember 1746, als die Hinrichtung Pitha'- da- Stäbchen Neubpdzow in Aufregung ver» fitzte. — Man nähte den von der Tortur ganz zerschmetterten und betäubten armen Sünder in eine 'Kuhhaut, band ihm einen „Judenhaß um und drückte als Bezzich» nung seiner Frevel in fiine Rechte den Rosenkranz, .in die Link daalte Testament. Am Schweife der Kuhhaut war eine Schleife befestigt, an welche sich zwei Henkers» knechte vorspannlen. Auf da- Schaffst mußte der Unglückliche, dem fortwährend die beiden Patres, die ihn begleiteten, ^Gebete ins Ohr schrie«, getragen werden. Ei« Magistrats» iratd verlas der versammelten Menge da- Sündenregister Und da- Unheil Pitha'-, brach über seinem Haupte ein Weidenstäbchen und übergab ihn dem Scharfrichter, der jbn am Scheiterhaufen, welcher auf einer kleinen Anhöhe vor der Stabt gelegen war, festdand. Pitha, der gar kein Zeichen des Schmerze- Lußene, starb rasch im Dampfe es nassen Strohe-, welches ein Mitleidiger Henker-knecht n den Scheiterhaufen gesteckt hatte. Der Körper des Hin, «richteten, der lange nicht verbrennen wollte, wurde mit ifirnen Haken zerschlagen und die Asch« in alle Winde «streut. — Der Magistrat der Stabt Reubydzow ließ avon uns bereitbeschriebene Bild aufertigen und im arhhaus« aufhängm, woselbst ,- zum Hohne der Civiltsa» on die Weisheit und Unabhängigkeit des städtischen Gechtes verkündete. Im Jahre 1848 verschenkte es der Bürgermeister als charakteristische« Beitrag zur Zeit- und Sinengeschicht« des achtzehnten Jahrhundertan da-Präger National»Muf«um, woselbst e< sich noch heute befindet. I Von den Anhängern des Unglücklichen wurde der Tag» lthner Wenzel Wazek in KöniggrLtz zum Feuerlode vertirtheilt, jedoch zum Tode durch das Beil begnadigt und nur feine Leiche verbrannt; dasselbe Schicksal traf die Bäuerin Ludmilla Dauer, die sich bis zum letzten Augenblicke durch ihre Standhaftigkeit auszeichnete und nicht zu bewegen war, ihrer Ueberzeugung untreu zu werben und iltreJrrthümer abzuschwören. Ihr Mann, Johann Bauer, stnrd im Gefängnisse in Prag während der Untersuchung-. Haft; auch seine Leicheswurde in einer Kuhhaut auf den Richtplatz geschleift und dafelbstvon Henker-Hand verbrannt. — Tfie Brüder Lukas, Karl und Georg Wolny wurden Mch-fallder Todesstrafe für schuldig erkannt und im Gnadenwege auf drei Jahre in- Zuchthaus verwiest«. Ferner wurden noch zu dreijähriger Zuchthausstrafe verurteilt: Johann Psenicka, Anna Zimka und die drei ^nberdes Bauer'schen Ehepaares: Johann, Jakob und Äagdakena, weil sie „mit den Ketzern in näherer Verbindung gestanden waren." I Diese- Aktenstück schließt mit einer Liste von «eiteren 24 Personen, welche, als der Ketzerei verdächtig, unter die : besondere Aufsicht der Ortspfarrer und Behörden gestellt r wnrben. —: Das beweglich« und unbewegliche Vermögen sämmtlicher Verurtheilten wurde confisrirt. — Ausdrücklich wird '«och bemerkt, daß auch die an Reubydzow grenzenden Dominien mehrere Ketzer zu Zuchthausstrafen verurteilte«; Namen und Anzahl derselben sind jedoch nirgends angegedm.! Strenge bekehrt nie einen Fanatiker. — Wie es scheint, gelang dem bischöflichen Eonsistorium in KöniggrLtz, trotzdem es sich zur Bekämpfung der Jrrthümer de« Geistederl weltlichen Gerechtigkeit in so furchtbarer Weise bediente, die i Unterdrückung dieser Secte nicht besser als dt« Vernietung der Adamtren, welch« sich trotz der energisch» stets Verfolgungen bis auf den heutigen Tag in der königgrfltzer und dubweiser Diözese in Böhmm erhalten haben und für deren Existenz am lautesten der Umstand spricht, daß noch vor wenigrn Jahren für nothwenbig erachtet würbe, einen Hirtenbrief gegen ba< adamtlische Treiben zu erlassen und vor ihren Gebräuchen, Conven» tikel» und Gebeten di« katholischen Christen zu wamea. Augenzeugen haben uns mitgerheilr, daß . noch vor