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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 48 (1863) · p. Seite 192

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
48 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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— 192 — vierzig Zähren alljährlich am jüdischen BerlöhaungStag« fremde Bauersleute in da« israelitische Bethau« ta Reu» bydzow kamen, vierunbzwanzig Stunden in Geber und Kasten zudrachten und bann wieder verschw: ndea. Niemand fragte sie, wer sie wären, woher sie kamen und wohin sie gingen, und doch kannte sie jede^; e« waren die« die letzten Anhänger de« unglücklichen P tha. Einige historische Notizen ans dem achten Bande von Grütz' „Geschichte der Juden."*) I. Rabbi Ejsak'« Tochter. Um 1400 dliihett ein österreichischer Rabriaer, Eisak Tyrnau, der Verfasser der Minhagim. Aus dem Besitze de« Oichter« David Franc» theilte Ga »riel Pollak einen eigenthümlichea Roman mit, worin Ei so t T yrnau und sein« schöne Tochter die Hauptrolle spiele > (in einem Werkchen arA« 52L» oder pjur6 a-i ncy» ovmsn bya k:*i'D pnx' S, Königsberg 1857). Ein schöner Erdherzog Hab« sich in Eis. Tyrnau« chöne Tochter verliebt und dem Datei da« Versprechen adgenommen, wenn ec einst ihrer Hand würdig, d. h. lüchr ger Talmuvist werden würde, sie ihm nicht zu'versagen. Er'sei dann hinter dem Rücke« seiner Mutter auf Reise > gegangen, habe sich seiner Begleiter durch Gift entledig!, ser in ein Lat. ha-Midrasch eiagetreten und Hab« sich mit j so viel Eifer auf da« Talmudstudium geworfen, daß er eini bedeutender Jünger (Bachur) geworden sei. Dann unerkannt in da« Lehthau« de« Eisak Tyrnau'eingelreten habe r^ sich zuletzt zu erkennen gegeben, denselben an da« Derfpreq-en erinnert und die schöne Raddiaerrochter geheirarhel. Die trostlose Herzogin-Mutter, welche ihren verschwundenen Sohn überall harre suchen lassen, sei selbst, von der Ähönheit de« jungen Paare« aagelockt, bei dessen Hochzeit zugegen gewesen, ohne ihren Sohn zu erkennen. Durch eitze Badefrau, die ihn an einem Male erkannte, sei er verralhen worden, habe indeß seine fürstliche Abkunft hartnäckig geleugnet und sei vt»m Kaiser zum Tode verurrheilr worden. Seine unglückliche 'Murrer Hab« sich an den Juden Tyrnau« und besonder« an dem Rabbiner Eisat rächen wollen. Da Hab« sie ihr Sohn im Traum« gewarnt, und sie habe sich mit der Vertreibung der Juden au« Tyrnau begnügt. 2. Ein Reformverfuch im 14. Jahrhundert. ging Gallipapa von der entgegengesetzten Ansicht au«: jdaß man jeden Anhalrepunkt 1m Talmud hervorsuchen müsse, um Erleichterungen für« Leben einzuführea. Er berief sich dabei auf älter« Autoritäre», auf RÄam und andere, welche sogar da« talmudisch Verbotene gestattet hätten. Diese Berechtigung dürfe jeder Rabbiner in Anspruch nehfam. Die Zeilen, meinte er ferner, seien auch gegenwärtig viel günstiger, «eil die Unwissenheit im Volke nicht mehr so grell sei und die Befürchtung wegfalle, daß eine Erleichterung die andere nach sich ziehen könnte. Diese Grundsätze sprach Gallipapa nichs blo« theoretisch au« sondern befoigr« sie auch praktisch. Freilich betrafen seine Erleichterungen nur unerheolich« Punkte. Er gestattete, am Sabbat da« Haar zu schlichten und erlaubte, Käse vv» Christen zu genieße». Auch sonst hatte er selbständige, von dem Schlendrian abweichende Ansichten. Den MessiaSglauden, seit Maimuni eia Glaubensartikel geworden, dessen Leugnen Ketzerei sei, beseitigte erkühn. Gallipapa meinte, die Prophezeiungen im Jesaia« und Daniel von der wunderbaren Herrlichkeit Israel« in der Zukunft, seien bereit« in der Makkadäerzeit in Erfüllung gegangen. Er verfaß« eine eigene Schrift darüber. — Gegen diesen kühnen Neuerer erhob sich natürlich ein Sturm. Sein Nachbar-Rabbiner, Cha«da> d. Salomo von Tudela, ein Mann von nicht sehr lauterer Gesinnung, spiest« den Angeber gegen ihn bei Isaak v.Scheschet, und dieser ka»zelte den greisen Gallipapa, der bereit« Jünger ausgestellt hatte, wie einen Schüler ab. Er betrachtete e< al« Vermessenheit, daß Männer der Gegenwart sich den Größen der Vergangen»! heit gleichstellen wollten. Er beschwor Chajim Gallipapa, | da« Aergerniß zu vermeiden und keine Gelegenheit zur Spaltung in der Judenheir zu geben. Die bescheidmen Reformversuche harten keine Folgen weiter.! Die peinlich religiöse Richtung entsprach allerdings! der Stimmung und dem Seelendedürfmß jener Zeit; je ' strenger, desto besser. _ (Schluß folgt.) Aueldote. Friedrich der Große sprach einst bei der Tafel über die Einrichtungen Kaiser Joseph«, die Juden in seinen Staaten betreffend, und daß er ihn« Gleichheit mit seinen übrigen Unterlhanen zugestanden hätte. „Ich freue wich - über diese guten Einrichtungen", sagte der König, „aber i der Kaiser hak auch die nächste Verbindlichkeit, sich der Ju- > den anzunehmen, ec ist ja König von Jerusalem."') — Chajim d. Gallipapa (grd. um 1310, gest. um 1380), * zuerst Rabbiner von HuoSca und dann von Pampeluna, > war «ine originelle Erscheinung im Mittelaller, die man gar nicht recht unkerbriageu kann. Während sich damal«, namentlich seit der Herrschaft der afcherischen Richtung, sämmrliche Raddinen dem Zuge üderließm, Erschwerungen über Erschwerungen zu häufen und in zweifelhaften Fällm immer der Schale der Stange da« Uedergewich« zu geben. *) Dieser 8. Band erscheint unter den die«jahrigen Schriften de« Inst. z. Hörder. d. isr. Vit *) König von Jerusalem ist einer der Titel de» Kaiser« von Oesterreich. Allgemeine Zrnuvg drsJud^nrhum». rttv.47. 1868. Inhalt: Leitende Artikel: Semeioweftn und Sememdewejev. JL — Einige Worte über Renan’* „Leben Jesu". — Spenden'Liste für die Rießer-Stiftuog. — Literarischer Wochenbericht. Zeitupg»uachrichtrn: Deutschland: Lehrensteiusfeid, Bad Ew». Preußen: Bonn, Berlin. Magdeburg. Oesterreichischer Kai j erstaal: Lemberg, Krakau. Frankreich: Pari«. Rußland: St. Petersburg. SEJC* Zn beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thater, vierteljährlich & Thaler. Verantwortlicher Redaettur 8. Fritzfiche. &<cUg von »«(■gituer’i Buchhandlung in Seivpg. — Druck von ••«reofingt» V<ip|tg.

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