Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 48 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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190 größere Siebe zu dem rauschende» Wirbel, in welicher» ich mich versenkt hatte, und vor den gleißoerisch falschen Bildern, die dorr dem jungen Manne erschienen, verblaßte da« Bild derer, di« ich .zurückgelassen, wich in den Hintergrund zurück und ließ mich meiner Pflichten vergessen. Mein Briefwechsel mit ihr gerierh in« ßlocken, und wennich einmal eine Stunde zur Besianuhg kam, so fühlte ich mich s» rief gebeugt, daß ich so schnell wie möglich der schmerzlichen Erinnerung ledig zu werben suchte. Meine Schwester, die meine Verbindung mit Franziska kannte, überhäufte mich mir Borwürfen und die« hatte «ann zuletzt die Folge, daß ich auch, ihr nicht mehr fchriib, mich aber von Pari« loSriß, einige Monat« in London verweilte, um im britischen Museum Studien zu Wachen, und auf 3 Jahre nach dem Oriente ging. Daß! in diesem Welttheil.meine locker gewordenen Grundsätze nicht gerade /ester wurden/kannst Du Dir denken, und überdies machten mich dz« glücklichen Erfdlge, die ich dort -dpcch die Empfehlungen bedeutender Männer und den Zusammenfluß günstiger Umstände hatte, eitel und hoffartig^ Nach der Heimat zurückgekehrt traf ich zufällig m Bf wieder auf Franziska, die sich unterdeß geistig und körperlich entwickelt hatte. Die alte Neigung -regle sich wieder!ia mir, ich näherte mich ihr, ich suchte ihre Verzeihung zu erlan- ' gen, ihre Siebe wieder zu gewinnen, aber, so sehr ie« mich auch beschämt und fo lief eS mich jetzt betrübt, ich muß es gestehen, ohne ernstliche Absicht. Eine Zeit lang schien Franziska meiner schmeichlerischen Stimme ihr pt>z zu offnen. Aber sei es, daß sie, durch ihr früheres, Schicksal gewarnt, mich aufmerksamer beobachtrte, sei!e«, baß ich unbedacht genug' war, sie durchschauete mich, le^re mir offen die Frage vor, «aS ich wollet und wi,6 mich ernst und streng zurück; ja sie verließ bald darauf B-, und ich wußre lange nicht, wohin sie gegangen. Jetzt erst kam ich zur Besinnung; jetzt erkannte ich, was ich auf immer verloren. Ein schwerer, schmerzlicher Kampf ging in..meiner Seele vor; es war ein SäuterungSprozeß, der die schlacken eine« wüsten JugendlebenS aus mir herausglühtte und aus welchem ich als ein fester, solider Mann herauSlrar. Meine Schwester Adele, die ich mit allem, was in meinem Herzen vorging, bekannt machte, versuchte eS, Franziska wieder für mich zu gewinnen. Ader sie wuwe abgewiesen. Franziska schrieb, daß eS sie sehr beglücke, mich auS dem Staube, in welchen ich mein beßreSI Selbst geworfen, wiederaufgerichttt und gereinigt zu »isssn; aber sie. empfände nichts mehr für mich als ein freut dschaftlicheS Erinnern und halte eine Vergangenheit, wir sie zwischen unS stehe, nicht für geeignet, einem Lo ade für das Leben zur sicheren Grundlage zu dienen. Sl begegnete sie mir auch, als sie vor einem Jahre in da; Haus meiner Schwester kam. Ruhig und gemessen kam >sie mir entgegen und blieb so die ganze Zeit. Ich kam er l selten hin, bis ich an dem Schlage meines Herzen« füh te, daß auch ich ihr gegenüber achtungsvoll und ruhig sei; dann habe ich manche heitere und lehrreiche Stunde -ei den beidm Mädchen verbracht, obgleich es nie zu eine n wärrnrnta Ergüsse kam. Mein Haus betrat sie niematt; selbst meine morgenländische Sammlung verlockte sie vicd: dahin und sie äußerte zu meiner'Schwester, als diese sie einmal zu deren Beschauung auffocdrrte: man muffe sich hüten, einer trüben Bergangenh^ir zu nahe zu treten, un; nicht die Gegenwart, und wenn sie noch so spiegelglatt sei, aufzuregea und in einen nutzlosen Wellenschlag zu bringen. Da hast Du meine Bekenntnisse, und ich brauche Dir den Schluß daraus nicht zu wiederholen.- Doch halt l indem ich diesen Brief schließen und addressiren will, fällt eS mir schwer aufS Herz, daß ein geschriebenes Wort schwächlich wie ein schwindsüchtiger Mensch ist. ES handelt sich um Dein wie um FranziSka'S Wohl, und ba muß ich persönlich sehen und handeln. Morgen reise ich von hier ab und komme zu Dir. Nicht wahr. Du verschließest mir Deine Thüre nicht? Dein Herz kannst Du mir nicht verschließen. (Forts, folgt.) Igin Autodafe in Oesterreich im Jahre 1748. Eingeievdel von Rabb. Oppenheim in Gr. Becslerek. «Schluß.) Inzwischen berichtete Dechant Escherich über die Reful- 1 rate der gegen Pitha und seine Genossen gepflogenen Unter- ' suchung an da« Consistorium, von dem alsbald folgende Excommunieation der Angeklagten herabgelangle und in den Kirchen der königgrätzec Diözese von der Kanzel herab verkündigt wurde: Im Namen des Herrn, Amen! Im Religionsprozesse de« Johann Pitha au« der Diözese Könlggrätz, Pfarrei Neubydzow, welcher durch eine gewisse Secre. allgemein die Jüdische genannt, in schlechten Ruf gekommen ist. wurde vom geistlichen Tribunale die Untersuchung gepflogen. Wir, des ecleuchtesten, ehrwürdigsten und hochgeborenen Herrn, Herrn Johann Joseph, von Gotte« und apostolischer Gnade Bifckofes zu Königgrätz, des heiligen römischen Reiche« Grafen Wratislaw von Mitcowitz' (folgen die Titel), General- und Officialvicar in geistlichen Sachen, Johann Joseph Sap u. s. w., der Archidiaronus und das gesummte königgrätzer Consistorium! Nachdem Johann Pitha von unserem Bicar Johann Joseph Escherich. Dechant in Neubydzow, den Wir stakt Unserer in dieser Angelegenheit als Stellvertreter delegirken, verhört worden war, ergab sich aus den Antworten auf die an ihn gerichteten Fragen, daß Joseph Pitha in verschieden« Jrcthümer, welche nach dem Unglauben des Jubenrhumv riechen und den Glauben an Christus aus dem Grunde Umstürzen, und in Blasphemien gegen Jesus Christus, den wahren Messias und Sohn Gottes, verfallen fei. Da er diese Jrrthümee auch in Gegenwart anderer, namentlich im Beisein deS SukaS Wolny und dee Anna Aimka gelehrt hat, so haben Wir, die Wir zu Gerichte saßen, nachdem Wir zu unserer Unterstützung dis' Hilfe Gottes angerufen hatten, den oftgenannten Johann Pitha der Treulosigkeit an btt katholischen apostolischen Kirche schuldig befunden und haben ihn allen geistlichen und weltlichen Strafen, welche vermöge der Bulla coena §. 1 in den heiligen kanonischen Gesetzen und anderen kanonischen Bestimmungen gegen treulos vom Glauben Abgefallene, Abtrünnige, Seccirer und Ketzer sowie gegen die Berdreiter von Ketzerei gegeben und veröffentlicht sind, unterworfen; insbesondere aber gegen den namentlich oftgevanuten I. Pitha wie auch gegen alle anderen, die diesem neuen.