Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 48 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Kvlksblatt. Aue JSeleOruiiq unö UnterOaTtulrig astf jüdischem flekiele. Herau-gegeben von Rabbiner I)r. Ludwig PhUi-ps-« ln Bonn. mv ä o i n/»0 i Sou bidft ^ntkfehft Rftteiat »öAomfli* n» Sfonmcr. P I ’![(). 4o löOO. I »a»gs » r-lr. SierietjShng 7 % R,r. fllk Bachdaoklsirg L * J vtt getNla-eervedUio»«» »eb«ep Bepedmige» > »'P°stäÄn [10. Jahr|. 3. Quartal] Die Gouvernante. Eine -l o veile ' Fortsetzung.) Adler an vr. Anselm. Dein Brief, theuerster Freund, hak mich wahrhaft erschreckt, und dann wieder betrübt, da ich Dein Ansuchen geradezu abzuschiagen gezwungen bin. Da Du weißt, wie hoch ich die Verpflichtungen anschlage, die ich gegen Dich habe, gegen Dich, dem ich die Erhaltung meine- Lebenschuldig bin. der mir die edelste Aufopferung, die freund» schaftlichste Hingebung delhäligt har, so kannst Du auf den Kummer schließen, den ich auden beiden Theilen Deine- Schreibengezogen. Ich kann daher meine wahre Freundschaft nicht andererweisen, aldaß ich aufunumwundenste Dir meine Meinung au-spreche, mein Innerstedarlege. Ich bin aufheftigste erschrocken, daß Du die Frau Hill heirathen willst. Ich kenne diese Dame, aber Deine eigene Beschreibung zeigt mir unzweifelhaft, daß Du Dich geradezu unglücklich machen wirst. Und möge sie äußerlich und innerlich noch so begabt sein. Dein edler Charakter, Dein feine- Gefühl für taktvoller Benehmen, für weibliche Würde, Dein Bedürfniß nach Ruhe und Ordnung stimmt, zu wenig mir jener Leidenschaftlichkeit, Launenhaftigkeit und Unruhe, die Du Dir an dieser Frau selbst nicht verleugnen kannst. Ich glaub« wohl, daß sie Dich liebt; aber welch« Bürgschaft hast Du der einem solchen beweglichen Wesen für die Lauer ihrer Zuneigung? Ich glaube, daß sie Dir gegenüber willig sein werde; aber, wenn ihre Rücksichtslosigkeit und Herrschsucht Dir da- Hauvon unten nach oben kehrt, Deine Kinder unglücklich macht, Deine Leute verjagt,'wie willst Du da bestehen? Ich bekenne Dir offen, daß ich in meinem Grame Zuflucht zu meiner Schwester nahm und sie mir der Sache u-d meinem Schrecken darüber bekannt machte. Da zeigte sie mir denn einige Briefe von Franzi-ka, di« nichtvon Deinem Dochaden ahnt und von Scenen erzählt, welche die Frau Hill in Deinem Haufe schon jetzt angerichket und wie sie der Gouvernante bereit- „den Dienst gekündigt" hat. Da- Mädchen hat es für da- Beste gehalten. Die gar nichtdavon mitzutheilea, weil sie ruhig Deine etwaigen Entschlüsse habe adwarten »ollen. Weder meine Schwester noch ich würden dieseIndiskretion begangen haben, wenn wir nicht für Dein Wohl und Deine Zukunft zitterten und dienicht alle andern Rücksichten schweigkn hieße. Ich beschwör i Dich also', die Sache reiflich zu überlegen ß» es nörhig, Dich selbst zu überwinden und Dich einer stürmischen jj ukunst nicht au-zufetzen. Denn auch dies »ill ich/nicht zurückhalten, daß ich an eine wahre Zun«, gung^von Deiner Seite nicht glaub«. Du* magst wohl für den Aug-ablick von dem schönen, verführerischen Weibe befangen sein und unbedacht eine» Schritt zu weit gethaa habe«; aber eine warm« und wahr« Liede spricht sich au- Heine» Worte Deine- Briefeaus. Die pecuniäre Be« sorgniß aber darf Dich keinen Augenblick zweifelhaft machen. Du sprichst damit indirekt ein Unheil über die Hill au-, daeiner Berurtheilung ziemlich gleichkommt. Sollten Dir wirklich Schwierigkeiten erwachsen, so bin ich erbölig, D>r «it der erforderlichen Summe au-zuhelfen. Du brauchst damit keinen Anstand zu nehmen, denn ich nehme die Hypothek dafür. Da- Vermögen Deiner Kinder ist keine-fallgefährdet, denn daliegt ja im Depositum und wird niemandem herau-gegeben. Soweit meine freundschaftlichen Besorgnisse und Warnungen. Nun der zweite, für mich nicht weniger schwierige Theil. Deinen Wunsch, einen Stock meine- Hausefür Deine Töchter und deren Erzieherin Dir zu vermierhen, muß ich unter allen Umständen abschlagea. Ich bitte Dich, vor Franzi-ka auch nicht dieser Deiner Absicht zu erwähnen. &« würde sofort Dein Hauverlassen, und diemachte sie wahrscheinlich. unglücklicher al- Dich, denn sie hängt an Deinen Kindern mit mütterlicher Zärtlichkeit. Ah lege dabei den ganzen Accent auf mein Hau-. Du staunst darüber, und so ist r< nolhwendig, Dir eine Aufklärung zu geben, waich sehr ungern thue, da ich dabei, wie die Schrift sagt, „meiner Sünden gedenken muß." Esind jetzt 8 Zahre her — ich stand im Alter von 27 Jahren und hatte meine flotte Studienzeit hinter mir. Ich lernte di« siebzehnjährig« Franzi-ka in einem befreundeten Hause, w» sie zum ersten Male ihrem Erziehuagsamte oblag, kennen; ich lernte sie'lieben, und auch sie trug mir bei meiner eifrigen Bewerbung ihr offene-, kindliche- Herz entgegen. Wir waren beide sehr glücklich, und ich gedachte nach der Rsickkehr von meiner orientalischen Reise, bltzlch meiner Forschungen wegen unternehmen mußte, sie heimzuführen. In diesem Sinne trat ich^die Reise an, so schwer emir ward, mich lo-zureißen, und ging zuerst nach Paris. Hier empfingen 'mich Freunde, die. zuerst durch einige Arbeiten, die sie in geachtete pariser Blätter brachten, dann indem sie Mich in Vas pariser Leben, in sein« so leicht fortreißeade Bewegung und seine betäubenden Vergnügungen »inführtta, mich dort fessetten. Anderthalb Jahr« blieb ich dort, faßte immer X