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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 47 (1863) · p. Seite 187

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
47 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 187 (sequence 3)
Language
German
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t — 187 -4liche Sicherheit hinwegscheuchen, die mir;um unentbehr, lichsten Bedürfniß geworden ist. Und wenn ich auch früher mir diese Äei»iss«n<frage nicht vorgelegr und daher fast gar nicht schwankend gewesen, so ist mir in den letz» ten Wochen diese« Bewußtsein aufgegangen, nachdem Iran» ziska in mein Hau« eingezogen und ihr stet« besonnene«, von ebenso viel Verstand wie Äemülh geleitete« Beneh» men, ihr« Treue und Zärtlichkeit für meine Kinder, ihr feine«, taktvolle« Betragen gegen mich und alle Hausge, nassen mir ein neue« Bild weiblicher Würde und Lieben«» Würdigkeit geschaffen. Jnbeß die Lose waren gefallen, und die Sache ist nicht zurückzuwenden. Da« aber sehe ich ein, daß meine Kinder unter der Obhut dieser ihrer zweiten Mutter nicht glücklich sein würben. Da« Wesen derselben kontrastirt zu sehr mit allem, wa« die Kinder gewohnt find, und da auch Franziska kein Wohlgefallen in de« Augen meiner Zukünftigen gefunden, ich aber um keinen Prei« meine Kinder von dieser trennen möchte: so kam mir der Gedanke, für die Kinder und ihre Erzieherin auf einige Jahre einen besonder« Hausstand zu gründen, und dies nirgend ander« als in Deinem Hause. Ich füge kein Wort mehr hinzu; antworte mir, bemerke bi« Summe, die dafür erforderlich, und die Zeit, wo die Meinen bei Dir «intreffen könnten. Ich hoffe, baß auch Franziska nicht« dagegen haben werde, da sie für die Kinder eine wahrhafte Liebe hegt und dadurch ja auch mir Deiner Schwester, die sie mir al« ihre aufrichtige Freundin schilderte, zusammen» kommt. Ihr möchte ich allerbing« keinen Schmerz und keine Kränkung verursachen; aber ich würbe ja mein Vertrauen und meine Hochachtung ihr dadurch erweisen, daß ich ihr mein lheuerste« Lesitzrhum, meine Kinder, unbedingt übergebe. Don Deiner Entschiedenheit erwarte ich baldig« Antwort. (Forts, folgt.) Ein Autodafe in Oesterreich im Jahre 1748. Eiageiender von Rabb. Oppenheim in Gr. Becskerek. Da« Feuilleton drr jüngsten Nummern des Wiener Lloyh brachte folgenden in vieler Hinsicht höchst interesi sanken historischen Artikel mit der Ebiffr, Dr. L. (Löwy t), der eine größere Verbreitung verdient und dem Sie daher, geehrter Herr Redakteur! die Spalten Ihre« Blattes öffnen mögend Die Geschichte der verschiedenen Sekten in Böhmen im vorigen Jahrhundert, namentlich der Abrahamiten, s. g. Israeliten und Deisten, ist noch gar nicht bekannt, und noch weniger sind deren Beziehungen zum Juden» thume.aufgehelkr. Kaiser Joseph, einer du freisinnigsten und edelsten Regenten in der Geschichte, verfolgte diese Sekten mit einer schonung-losen Härte und Strenge, die einen merkwürdigen Contrast zu dessen allbekannten toleranten Gesinnungen bildet. In dem Reskripte gegen die Deist,ni rc. in Böhmen von I I. März 1783 heißt es: Es befindet sich auf der parduditzer Herrschaft in Böhmen eine Anzahl Leut« u. f. w., welche dem söge« nannte» DesSmus zugerhan sind. Seine Majest. haben den allerh. Entschluß adgeschöpfr, daß, nachdem diese Leute unadwrichlich bei Ihrer falschen Irrlehre zu verbleiben sich * erklärt haben und hartnäckig darauf beharren, Seine Majest. au« solchem und de« weiteren Anbetracht von der Besorgniß der Ansteckung und Verbreitung dieser so gewähr legen Irrlehre für nolhwendig finden, daß selbe von ihren Häuser», Grundstücken und Hadseligkeiten, welche ihren unmündigen Kindern, die nicht 13 Jahre erreicht haben re. verbleiben, insgesamml abgestifter, von dem Militari ordentlich übernommen, diejenigen von männlichem Geschlecht al« Soldaten behandelt und für die in Slavonien, Fiume, im teme«varer Banat u. s. w. befindlichen dun» garischen Garnison-Regimenter, jedoch ohne Rücksicht auf, Alter, Größe oder Gebrechlichkeit, dergestalten assenliit werben sollen, baß über ihrk'Umstände die nöthige Bemerkung gemacht werde und nicht mehr al« -5dl« 6 zu einem Garnison- Bataillon kommen u. s. w." — Im April 1783 wurdendurch Wien unter militärischer Bebecknng ungefähr 120 Deisten beiderlei Geschlecht« und außer diesen noch einig« sogenannte I srae li re n oder! zum Iudenthum, adg,fallen, Eheisten tran«portirt, um in die genannten Grenzregimenler ringer,ihr zu werben. Wir; haben fine kleine bamal« erschienene Broschüre: „Geschichte! der Abrahamiten. Israeliten und Deisten in Böhmen nebst ihrem Glaubrnsdekenntniß/' einen Beitrag zur,Toleranz- . Geschichte, »orlirgen, die da« Aufsehen, welch« diese Tran«- j portalen damals machte, ausführlich schildert. H. ltr. L. irrt djher, wenn er Pitha für einen Anhänger de« Sabbarjhai Zedi hält; derselbe gehörte ohne Zweifel zu den sogenannten Israeliten, einer Sekte, die damals in Böhmen zahlreiche Anhänger zähl». Wir lassen nun den Artikel ohne weitere Bemerkungen folgen. Im irgend einem Winkel de« prager Narionalmu» j seum« hängt eine große Schild,rei, buntbemalt im Stile > de« vorigen Jahrhundert«. Der Kunswerth des Bilde«, da« einem unbekannten Dilettanten der edlen Malerkunst feinen Ursprung verdankt, dürfte wohl niemanden zur nähe» J rrn Befrachtung desselben einlaben, aber die Scene, welche '• r« darstellt und die' offenbar mit chinesischer Genauigkeit bi« in« kleinste Detail Nach der Natur gezeichnet ist, ist so grauenhaft, daß wir ihr unwillkürlich unsere Aufmertsamk.it widmen müssen. — Da steht scharf markirt im Vordergrund ein städtischer Kriminalrichter, den gebrochenen Weiornstab in der Hand; neben ihm deren Patres Missionäre, deutlich durch Talar und Schaufeldur gekennzeichnet, , bei einem Manne, der von zwei Henkersknechten in einer i Kuhhaut geschleift wird. Ein großer Barlverdeckt sein - Gesicht, seine rechte Hand hält den Rosenkranz, di« linke! die Bihel, der man« Blick ist auf den Scheiterhaufen,! bei de« der Scharfrichter mit brennender Fackel steht, j gewendet. — Am Fiße d,S Bildet verkündet e,ne in böh« j Mischer «Sprache ab zefaßte Jnswrift, daß der Schneider I Johanne« Pirha,* Jahre Jtft, au« dem Dorfe Edudonitz gebürtig, Unherlhan der königlichen Lerbgedingstadr Neudydzo« in Böhmen, der mehr verstehen wollte al« die Arbeit mit der Nabel, durch da« Lesen der heiligen Schrift so verwirrk wurde, baß er mir den Juden Gemeinschaft hielt, selbst in jüdische Jrrlhümer verfiel und auch ander« dazu vrrleltere, weshalb er verurtheilt wurde, ln einer Knhhaut au« der Stadt geschleift und verbrannt zu werden. Den Tag vor seinem Tode habe er sein« Jrrlhümer bereut. Buße getban ui*i sei vermöge Urtheilsspruch« allm Anwesenden zum Beisp^l am 18. Dezember 1748

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