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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 47 (1863) · p. Seite 186

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
47 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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— 186 Geist und den großen Umfang seine« Wissen« bew mvrra j ließ, zu lieb gewonnen, aL« daß mtds die Lrennu» g von , dieser Starre, die ich schon a!« zweite Heimat zu t errachten anfing, nicht auf« tiefste scbmerjen sollte. Ad:ef«!?en , also davon, wohin mich wieder mein Geschick mbren würde, liegt in diesem scheiden für mich «in O.u ll bitteren Schmerze«, der lange nicht versiegen wird, prüfend Gedanken rollen mir seitdem durch den Kopf. l£« i st mir? unbegreiflich, wie diese« Weib, Vas mir dl« jetzt m r von der niedrigsten Sei« erschien, eine solche Herrscha'j: Uber einen solchen Mann habe erringen können. Wenn ch an da« Benehmen de« Anselm g.'gen mich dach», so e scheint eg mir unfaßbar, baß er mit dem Gedanken meinc Enr- , lassung umgene. Wa« würde da« Geschick der beiden Mädchen sein, wenn sie diesem Weib, unterrban w irden? j Ich will idm aber auch nicht im geringsten enkgeg nkommen. Ich sage ,hm^ von der staelgefundenen Scene ucht«; ' ich beklage mich über diese Behandlung mit keinem iLorre. 2st da« Ganze nicht bla« ein Manceuvre dieser Frau, um dw Spaltung berveizufudren, kragt er sich »irklich mit dem Gedanken meiner Entfernung: so soll e auch' ungeldeilt di, Lai: tragen, sie selbst mir anzukü »digen. Doch sei dem wie idm wolle, da« st,lle Glück mein i Herr jene ist abermal« zerstört, die Befriedigung an .: ruinern Berufe abermals geknickt und ein Sturm von au en her in meine Seele gedrungen, die der Rüde' uno des l rieben« j so sehr bedürftig ist. Schreibe mir einige Zeilen, theure ’ Ad<le, damit ich irgend ein Her; weiß, da« der Belassenen eine aufrichtige Theilaabme schenkt. lX. Ür. Anselm an Adler. Mein Freund! Wenn ich nicht die warme Zuneigung kennte, die Du mir seit so langer Zeit gewidmet last, so würde .ich nicht wagen, diesen Brief an dich abi afaffen. Aber Du bist ein Freund, gegen welchen die Ri ckhalt«- lostgken die einzige Richtschnur sein darf und dei velchem daher eine Entschuldigung schon rin Vergehen i:. Ich zittere daher nicht im geringsten, an Dich eine Frage zu richten, die jeden andern in Erstaunen setzen und die Gegenfrage Hervorrufen würde: wie kommr der daju, eine solche Anforderung zu stellen? Meine Frage geht einfach dabin: Kannst Du mir den oberen Stock Deine« Hause« sur mein« beiden Töchter und deren Gouvernan, sowre für die dazu gehörigen Domestiken vermiethen? luf wie lange? Da« weiß ich selbst nicht. Jedenfalls at f einige Jahr,. Es versteht sich, daß mit einer solchen Lecmie- , thung auch die Verpflichtung verbunden, ist, üi er diese j rcftolidvij Wesen eine väterliche Wacht und Für orge zu! üden. ihnen mit Rath und Thal beizustehen, woa it aller- > ding« dr« Sorge ftr di« Wirthschaft in keiner Beziehung verbunden ist, d.nn ich würbe ihnen mein« alte Nanny mitgeben. Jetzt ist *« heraus und da« Fragen! letzt auf ' Deiner Seite. Lu bist erstaunt, ja ganz außer Fassung, , wa« diese« bedeuten solle t Warum ich mich von d h Mei-; nen trennen wollet Warum sie entsernr von n ir leben I sollen? E« geschieht mir ein Gefallen damit, daß j )u mich' | so fragst; denn e« ist mir ein zweite« Bedürsnß, mich > über meine eigenttzümliche Lage mir Dir auözc sprechen. ' Nimm daher folgende«- Geständniß von mir nrgegea.; Vor einigen Jadreft tzcirathete ein bejahrter, sitz retcher, abcr al« G-izda.« verschriener Mann, ein g'ewi'er Hill, f ein noch junge« und überaus schone« Mädchen. Die« kümmerte mich sehr wenig, denn ich war . nicht Arzt in fernem Hause und stand zu ihm nur in einer Beziehung. Rach dem Tode meiner seligen Frau mußte ich dem Gesetze nach da« Vermögen derselben deponicen. Ich besaß aber dasselbe nicht mehr, d.r e« theil« bei dem Ankauf meine« Hau'e« aufgegangen theil« in den ersten Jahren, wo meine Praxi» noch wenig abwarf, verzehrt worden. Al« ich nun da« Geis deponiren sollte, schoß e« mir Hill vor, ließ die Summe aur mein Hau« eintragen und verlangte außerdem nne persönliche Haft dafür. Ich hatte ihm die Zinsen, und zwar nach einem hohen Fuße, ab;utragen, und die« geschah regelmäßig, und zwar auf schriftlichem Wege. Du weißt, Freund, daß ich da« Sparen nicht verstehe, und so ausgebreilel mein, Praxi« jetzt ist, so tragt sie doch dei den geringen Mitteln der Landschaft vrrhälmißmäßig nicht viel ein. Ich bin daher nicht im Stande gewesen, da« Schuldkapital zu verringern. Vor einem Jahre nun erkrankle der alte Hill, und, unzufrieden mit seiner bisherigen Behandlung, ließ er mich zu sich rufen. Ich fand ihn unheilbar, vermocht, aber den Fortschritt de« Uedel« aufzuhalten und. seine Schmerzen zu lindern. Nach viermonatlichex Behandlung von meiner Seite verstarb er. Die Witwe, deren Grain allerding« nicht sehr heftig war, die aber doch unter den Einflüssen der Krankheit ihre« Manne« etwa« leidend geworden, nahm meine Hilf« weiterhin in Anspruch und bedurfte, da trotz de« großen Reichlhum«, den ihr Mann ihr hinrerlassen, bei dem eigenthümlichen GeschafrSderriebe desselben ein, ziemliche Verwirrung vorhanden, war, auch hierin meine« Rathe«. So kam e«, daß ich viel mit dieser Frau zu verkehren hatte. Was war da« Endel Auguste har eine außerordentlich« Leidenschaft für Deinen ergebenen Freund gefaßt. Ich sage Leidenschaft, denn an diesem sonderbaren Weibe ist alle« Leidenschaft. Auguste ist von glänzender Schönheit, hat emen reichen Geilt — aber in ihr wogt alle« voll Feuer, sie ist immer bewegt und stürmisch - nur mir gegenüber nicht. E« ist wirklich eigenthümlich zu beobachten, wie die Wogen ihr,« Herzen« sich sofort beruhigen, sobald mein Ruf über sie ertönt, ja sobald sie mich nur erblickt. Sie, Oie gegen alle herrisch, ist gegen mich gehorsam und bescheiden wie ein Kind. Sie will mich heirarhen, sie will partout mich heirarhen, sie nimmt die» al« gewiß und unzweifelhaft an. Und ich? Ich will e« vor Dir nicht leugnen, daß sie mich umstrickt hat, daß ich wohl anfangs zu sehr ihre -Schönheit, ihre Zärtlichkeit und ihren — Reichthum beachtet habe und zu viel nachgegeben, bi« sie sich die Sache al« abgemacht fest eingebildet harre. Zöge ich mich jetzt zurück, wäre, da« Aergsre zu befürchten; auch für mich — sie würde sofort ihren Schuldschein geltend machen, ihre Hypothek kündigen — und da jetzt hier an den regelmäßigen Verkauf eine« Hause«,-wie da« meinige ist, gar nicht zu denken, so würden meiner Kinder Vermögen und mein« eigenen Ersparnisse, die in dem Hause stecken, verloren gehen . . . Ich werde sie also heirathen müssen, obgleich ich mir nicht venken kann, daß sie mich glücklich macken werde. Denn fall« sie auch ihre Liebe .zu mir behalten und bethäligen, falls sie auch durch ihre .Person uno ihre Hingebung mir so viel Giück gewähren wirb, al« ich dessen noch fähig hin: so wird sie doch au« meinem Hause uno meinem Leben jene Ruhe und dehagr

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