Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 47 (1863) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
47 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026626--2560-4910896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches BolkSblatt. ■, Zm! Belehrung unö Änterhattung auf jüdischem Hrraa-grgebm von Rabbiner Dr. Ludwig Philiptzsou in Bonn. lNo. 47. 1863.] Boa die]kr Zeitlckris» eriAriat wSche>»U» eia« RumAcr. Prei« de« Jahrgang« 1 rhir. «ierreljckhri« 7 'X_ R,r. 80c BaAMaMuafi», Postämter asb Zei»„A«erp«dirio»ea artmea Beftrll»»,ea aa. [10. Iskrg. 3. Quartal.] Die Gouvernaute. Eine Novelle- -(Fortsetzung.) VIII. Franziska an Adele. Wa» ich schon längere Zeit gefürchtet, scheint nun auch in Erfüllung gehen zu sollen. Ich ging in diesen Tagen durch den Garten, nachdem in der Rächt ein furchtbarer Orkan gewüthet hart«. Da erblickte ich eine hoch aufgeschossene zarte Liane, die sich um den Stamm einet Ulme hinaufgerankt hatte, durch den Sturm lo-gerissen und wetthin auf den Boden geschleudert. Da flatterten nun die kleinen Ranken hin und her, wie wenn sie eine neue Stütze, einen andern Halt suchten, vergebenihn von der Mutter Erde, von Licht und Luft erbaten und unerhört blieben. 2w .hob die feine Ranke in die Höhe und wand sie wieder um den festen Ulmdaum, der zwar im Stürme tüchtig zerzaust und manchen Asteberaubt wor, den, selbst aber unerschütterlich und jetzt wieder so sicher und ruhig dastand. Unwillkürlich fiel ich mir dabei selbst ein und der Gedanke stieg in mir auf: wie lange noch, und du wirst wieder, gleich der Liane, loogerrssen, den Winden prei-gegeben fein und nach einer Stütze suchen. Wird dir dann eine gütige Hand begegnen, die dich aufbebt und um einen schützenden Stamm windet? . . . Heute nun habe ich eine volle Berechtigung zu diesem Gefühl, und Du kannst mich nicht der undegrüi,deren Melancholie zeihen, wie Du früher öfter gethan, wenn ich Dir so etwaschreibe und — laß emich gestehen — eine ThrLn« dabei in meinen Augen zittert. Heute Morgen trat jene schwarj gekleidet« Dame, deren Namen ich jetzt aber kenne, sie heißt Frau Wir«« Hill, unangemeldet in mein Zimmer. Alich sie gewahrte, ttar ich auf sie zu, ohne sie zum Sitzen einzuladea. Denn sie erschien in Blick und Haltung so hochmürhig, daß ich von vornherein beschloß, ihr in nichlnachzugeden. Allein diegenirre die 'Hoffärtige nicht im geringsten, sie schritt sofort zum Sopha und ließ sich darauf nieder. Zch kehrt« zu meinem Sitze am Fenster zurück und nahm mir vor, in allem, wakommen würde, eine eifern« Ruhe zu bewahren; denn ich sah ei«, baß mir dieallein den Bortheil über sie sichern würde, deren Leidenschaftlichkeit ich ja schon kennen gelernt. Ich harre auch nicht lange zu watten, den« die Frau hob ihren-allerdings wunderschönen Kopf in die Höhe und sagte zu mir, indem sie den Mund höhnisch verzog: „Ich meine es gut mit Ihnen, Fräuleil, und darum kündige ich Ihnen schon heute an, daß sich bei Zeiten um einen andern Dienst bemi hen mögen, > da Ihre- Berdleibenin diesem Haus« nicht I«nge mehr silin wirb." — „Sie mögen vielleicht." aatwo> tete ich, „v>^S Recht dtzmspruchen, mir diezu sagen; ich ddkd besitze da- Recht zu tbun, alob ich enicht gehört, ,nd Ihren ÄÜorlen nicht die geringste Bedeutung deizulegen " — Die D^une fuhr auf: „Wie können Sie die Frechheit haben, 'mir so etwazu sagen? Kennen Sie mich?" — Ich lächelt» und erwidert«: „Ich habe in der Thal licht die Ehr« und geize nach dem, waich von Ihnen gese «n, nicht tm geringsten danach." Oie Dame -wurde puy urrorh. „Nun, Sie werben es zu Ihrem Schaden sc;oa erfahren. Ihr Schicksal ist entschieden, und um so schl immer für Sie. wenn Sie meine gutgemeinte Warn mg nicht beachten." -— „Ich denke dochsagte ich, daß ehr wenig Verstand dazu gehört, mein Verhältniß ruhig a»zusehen. Sie nannten mich neulichst einen Mrethling. R m, da bin ich verpflichtet, nur auf den zu Horen und i on dem meine ^Entlassung entgegrazuaehmen, der »ich gemiethet hat. Dies sind Sie nun glückttcherw tift nicht und köynen es auch nicht sein, denn von Jhi ra ließe ich, mich um alle Schätze der Welt nicht miethm. Wenden Sie sich also an Herrn Dr. Anselm, damit bi s«r selbst da- Org'an meiner Entlassung werde. Er wir» ja auch keinen Vormund in solchen Kleinigkeit» brauchen." j— Die Dame sprang in die Höhe und eine Flut zvrni«^ Won,, um nicht mehr zu sagen, entströmte geläufig ihr«« kleinen Munde. Ich unterbrach' sie kaltblütig, indem jd) > sagte: „Meine- Dame, verlassen Sie mein Zimmer, und wenn Sie mich wieder zu sprechen wünschen, lassen Sie mich in den Salon unten einladen. Ob Ich Folge leiste» werbe, ist »ineandere Frage." Es dlied ihr nichtandereübrig, und sie verließ da- Gemach, nicht ohne durch <kv Zuwee« fea der Thüre ihrem Grimme einigen Ausdruck zu vee» leihm. Alsie fort war, sank ich in den Lehnstuhl zurück, eine Ohnmacht hielt meine Sinn^ befangen, die sich endlich ln einen Stroms heißer Zähren stuflöste. Die ganze Bitterkeit meine- Geschickes ging durch meine Seele. Den» ich mußt« vorau-setzen, daß, wenn diese Frau auch nicht hierzu beauftragt war, doch der Zustimmung de- Dr. Anselm in irgend einer Weist gewiß sein mußte und überhaupt diese- Berhältniß nicht lang« mehr baue« könne. Ader ich habe meine rheure» Zöglinge, ich habe diese- Hauunb seine ganz« Art und, laß emich gestehen, selbst den Herrn desselben, der in den letzten Zeiten so gütig gegen mich gewesen und mich, bei freierer Mittheikuvg, sein»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.