Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 44 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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7- 175 — Die neue Synagoge in Berlin.' Ein Correspondent sEhrist) der B. Dors.-Atg.^ gtedt folgende Beschreibung diesebald vollendeten PrachtbtueS. Die Hauptkuppel deimposanten SynagogenbateS in der Oranienburgerstraße strahlt frit^eiaigen Tagen in goldigem Schimmer, verkündend, daß brr Bau rasch-seiner Vollendung entgegenschreitet. ■ Die jüdische Gemeinde feiert durch die Errichtung diese- Gotte-Hauseeinen hohen Triumph, einen Triumph de- Gemeinfinn-, welcher anderen Körperschaften zum Vorbilde dienen mag. Den großartig wirtenden Unterstü^ung- und Wohlthätigkeit-vereinen, welche in der berlinen Judenschaft bestehen und rfast unmöglich machen, do!ß ein Bekenner diese- Glauben-, wenn er sich andereineguten Rufeerfreut, in materiellem Nothstande hier zu Grunde gehe, den Kranken- und Alkerversorgungs-Anstalten u. f. w. reiht sich nun auch ein Tempel an, welcher zu den irsten architektonischen Zierden bcc preußischen Hauptstadt zHhll. Die Synagoge ist in dem dem jüdischen Eultu-', vorzugsweise entsprechenden maurisch - byzantinischen Etil« auSgeführt, welcher, fern von Ueberladung, doä/Mannichfaltigkeit in Formen und Farben bedingt. Mit großer Sorgfalt ist diese Bedingung beachtet worden und die schöne Harmonie, welche im Ganzen und in.allen Einzelttzeilen herrscht, stellt den Leitern des Baueein um so rühmlichere- Zeugniß au-, alda- Baurerrain keineswegs ein günstiges war. Nach einem von dem hiesigen Architekren-Berein« gekrönten und von der Gemeinde pramiirten Projecte ^war vor vier Jahren die Ausführung des Bauedem Baurath Knoblauch alerstem und dem Baumeister Haehnel alzweitem Architekten übertragen worden. Leiber sivar eS dem erstgenannten infolge schwerer Erkrankung nicht vergönnt, sich an dem Werke' bizu feiner Vollendung zu betheiligen, und hak an dessen'Selle vor etwa einem Jahre der Geheime Oberbaurath Dr. Stüler die Oberleitung de- Baueübernommen und in Gemeinschaft mit hem Baumeister Haehnel da- Werk weikergeführt. Daursprüngliche Bau-Projeck. ist auf den Wunsch der Gemeindevertretung und nach dem Gutachten de- Geheimen Baurqth- Hitzig und der Hofbauräthr Schadow und Professor Slrgck in einzelnen Theilen nicht unwesentlich modificirt worden. Die vollständige Fertigstellung de- Baueerfordert, hvie verlautet, einschließlich der Kaufgelder für da- Grundstück einen Kostenaufwand von etwa 500,000 Sfy, welche Smüme gegenüber der Größe und der würdigen kunstreichen Gestaltung des Gebäudekeineswegs sehr bedeutend erscheint.«' Die Facade überrascht ebenso durch ihre herrlichen reinen Formen, welche durch drei vergoldete Kuppeln, dexen mittlere 160 Fuß hoch, gekrönt werden, durch dareiche und originelle Gesim-, aldurch die geschmackvolle und mannichfaliig« Verwendung deexquisiten Material-. Die schönsten Berblendsteine mit abwechselnden rothdrauüen Streifen, der gebrannte Thon zu den Verzierungen, der Sandstein zu den Fenstermaßwerten, Dogen und Kuppelsäulen, der schlesische Granit an den Thüreinfassungen , und dem unteren Theile der Facade und der polirte märkische Granit, auwelchem die Säulen der Portale besteht», alledaist symmetrisch und in einer Sauberkeit und Deganz der Ausführung vereint, wie solche nicht häufig wahrnehmbar. Daeigentliche Gotte-Hau- Uegt nicht unter dem Kuppelbau, sondern weiter zurück, außer dem eigentlichen Entree durch eine doppelte Vorhalle von der Straße getrennt. Dadurch wird eerklärlich, daß die Baulichkeiten, obwohl die Straßenfronte nur 82 Fuß beträgt, einen Raum -von 35,000 Quadratfuß einnehmen. Durch da- Portal einrretend gelangen wir in eine Rotunde und audieser in die edrngedachte Vorhalle, die Dorfynagoge, welche bestimmt ist, an Wochentagen andächtige Besucher aufzunehmen. Recht- und linkgelangt man auder Rotunde zu den Treppen, welche nach den Emporen de- Tempel- sowie nach den den Vorderdau einnehmenden Sitzung-, und Verwaltung-räumlichkeiren führen. Der Sitzungssaal fuc die Gemeindevertretung ist durch seine architektonischen Formen besonderbemerken-werth. Die Dorfynagoge durchschreitend gelangen wir in den eigentlichen Tempel. Dieser zur Celebrirung de- Gottesdienstebestimmte Raum hat eine Lange von 196 Fuß, mit dem Seitenschiff eine Breite von 102 Fuß, eine Höhe von 85 Fuß und wird 3100 Sitzplätze (nicht 310, wie in einem hiesigen Blatte irrig gemeldet) entdalten. Der Länge nach erhebt sich zu beiden Seiten je eine Re^he von dünnen eisernm Säulen, die der Eigenthümlichkeit des Baustilentsprechend sind und von welchen die Emporen- Gewölbe und die kuppelarrig gestalteten Decken getragen werden. Ja diesen Kuppelgewölben befinden sich Fensteröffnungen, welche in Verbindung mit den Seitenfenstern dem Raume daerforderliche Licht zuführen. Sämmrliche Lichtöffnungen werben nach einer bereitvorhandenen sehr schönen Probe mit Glasmalerei versehen sein, wie denn auch die Decken und Wände prachtvolle Verzierungen erhalten, welche auf einem kleinen Raume, in der Nahe des Attars, bereitangebracht-, sind. Ganz eigenthümlich wird die Beleuchtung de- Tempelber^ Abend sein, so daß auch dann die Glasmalereien zur vollen Geltung kommen. Die Ga-lampen werden nämlich in den Zwischenräumen zwischen den Doppelfenstern, den inneren bunten und den äußeren weißen sich befind.«», und da- Licht wird von Reflektoren sowohl von oben alS von den Seiten durch dabunte GlaS in den Raum geworfen. Damit erreicht man neben dem magischen Lichte die Vermeidung aller lästigen Hitze, da diese Ga-einrichtung nicht allein dem inneren Raume keine Wärme zufübrt, sondern noch als Ventilation sich weiter nützlich macht. Die Apparate der Beleuchtung sind so beschaffen, daß sie den Tag über bei den Seitenfenstern in die Wand, eingeschoben , bei den Oberfenstern zurückgerollt und dem Auge vollkommen verborgen sind, sobald sie aber erforderlich, leicht vorgeschoben werden können. Durch geschickte Behandlung sind die bisher bei monumentalen Bauten äußerst selten angewendeten eisernen Säulen zu einer großen Zierde de- Gebäudegestaltet worden. Unter diesen Säulen sind vier Stück, welche in der Nähe de- Allerhelligsten stehen, bei einer Länge von 30 Fuß aueinem Stück gegossen. Ueber die Detailder innern Einrichtung, die Abgrenzung de- Allerheiligsten, die Verwahrung der Bunbe-lad« u. (, w. können wir noch nicht- Näheres mittheilen; diman dazu gelangt, werden auch noch einige Monate hingehen.