Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 44 (1863) · p. Seite 174

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
44 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026623--2546-4910885
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 174 — scheint es mir p. abzüfchneierst in der sah wirklich iren bin fest Frage, bin;«, Sie bejahet« der Kinder der Gesangsisiit zufrieden Seitdem rsiir nur noch inige Aendenacht«, für rdgiedr. id hoffe, auf usgeforgt zu großen Anes für eine winden und i Höge er Dir -lange dieses um «ns her der Nord so Gesetzesvorfchrifte» folgern? Ja der Thal., nicht ganz angemessen, die religiöse kehre kna; den, 'wahrend sie ihren eigentlichen Reichldm, ganzen Verästelung des LedenS findet. — Ich ein, daß die neue Gouvernante nach allen S gesattelt' sei, und fügte daher nur noch die od ich den Musiklehrer beidehalren müsse? dies, indem sie nur befähigt sei, die Uebunge i zu überwachen und zu leiten und höchstens in ' künde zu unterrichten vermöge. Ich war da und entließ sie mir einigen freundlichen Wort lasse ich sie ungehindert walten', und ließ den Stundenplan vorlegen, auf welchem ich rungen zu Gunsten körperlicher Hebungen welche eine ältere Freundin die kehrmeisterin Ich bin also bis jetzt sehr zufrieden u einige Jahre für meine mutterlosen Kinder haben. Da Du, wie Du es selbst gesagt, eine i theil an der jungen Dame nimmst, bade ici Pflicht der Dankbarkeit, gehalten, mich zu übe einen so ausführlichen Brief zu schreiben, willkommen sein! IN. Franziska an Adele.. , Ich bin, lheure Freundin, hier nun fcho. i ganz eingeledt. Ein süßes Gefühl der Luhe har sich u n mein Herz gelagert und weicht nur in seltenen Augenbstl en der unbestimmten Furcht, es möchte mir nicht all;» Theil gegönnt sein. Der Winter har sich sehr fühlbar gemacht, und es gicbt Tage, wo eisig bläst, und wenn ec nachläßt, die Wolken veranlaßt, ein so dichtes Schneegestöber auf uns nie lerzuschütteln, baß wir trotz meines Murhes, mir den E^mearen zu kämpfen, zu Hause bleiben müssen. Ist es milder, so. versuche ich einmal wieder meine alte Kunst dcS SchlittschuhlaufenS,. und habe meine Mädchen mir Erfolg dazu an /lernt. Hinter dem Garten des Doktors dehnt ein Teic > seinen glatten Spiegel ziemlich weit aus und hat sic» jetzt in ein klares Eisfeld verwandelt, auf dem wir uns g mein können. Ader mitten vn Winter fallen len des Frühlings in mein Her; und erwatmen es, und ich sieue mich abermals der Unabhängigkeit de l menschlichen GemürheS von dem Froste und den Stürmer der Natur. Wie könnte es aber auch anders in dieses behaglichen, gemüthlichen Hause sein? Meinen Beruf er Liebe und Treue und sehe mich darin durch und beschränkt, und die Umgebungen sind de ihnen sich jeder wohl fühlen kann, der meh als nach außen verlangt. Der Doktor hat str sein Hauswesen die strengste Ordnung eingeführt, so eben, daß sie völlig unabhängig von ihm ist, um seinerseits in der Uebung seines Berufes niemals gestört zu fein. Er zeigte mir dies an, indem er jede Rücksichtnahme aus ihn ernstlich verbat. Richtet man sich, sagte er, in deiff^Hause eines Arztes nach seinem Kommen und Gehen mjit den Mahlzeiten, mit den Gesellschaflsstunben u. dgl.^ so muß es in die unleidlichste Unordnung gecathen, will. er niemals Herr seiner Zeit ist. Das Haus muß für ihn. alle Zeit bereit haben,'was er bedarf, sonst aber seinen «igenen regelmäßigen Gang gehen. Er ist unerbittlich, waS seine Leute ihrerseits zu thun haben, verlangt aber niemals etwas dar¬ 'nugsam tumeinige Strahülle ich mit nichts gestört artig, daß in in sich lebt, über hinaus. Ec hat einen reizenden kleinen Salon eingerichtet; darin müssen wir, ich und die Kinder, jeden Abend Punkt sieden Uhr versammelt sein, um unS nach unferm Belieben zu befchäftigeo. In einem Marmorkamine strahlt ein Helles Koblenfeuer eine wohlthuende Wärme aus; ein paar Gasflammen, durch grüne Schirme gedämpft, erleuchten in angenehmer Weife den Raum; ein dichter Teppich bedeckt das Estcicht. In der Mitte deS Salons steht ein runder Tisch, von bequemen Lehnstühlen umringt. An den Wänden befinden sich Divans und Fauteuils mir kleineren Tischen, auf denen Zeitschriften und die besten Erzeugnisse der neuesten Literatur liegen, und an der eitlen Wand steht ein köstliches ,Pianino mit einer guten Mustkaliensammlung. Da sitze ich nun, mit Lektüre, Zeichnen oder einer Handarbeit beschäftigt, während die beiden Mädchen ebenfalls lesen, malen ober ein Spiel treiben; oder ich erjähle ihnen eine imeressante Geschichte, beschreibe ihnen Gegenstände aus der Länder- und Naturkunde oder unterhalte mich frei mir ihnen. Punkt acht Uhr wird auf einem Nebenlische der Thce mit einiger Adendkost servirt, u^d nachher üben die Mädchen ein Stündchen auf dem Instrument, wobei ich ihnen dann und wann eins meiner hübschen Liedchen zum besten gebe, das sie dann auch wohl nachzusingen 'versuchen. Kommt nun der Herr nach Hause, so tritt er bei uns ein; niemand aber darf, außer daß die Kinder ihm ein Händchen oder Mündchen reichen, seine einmalige Beschäftigung unterbrechen, bevor sie beendet ist. Ec selbst nimmt eine Tasse Thee, ein Buch oder eine Zeitung zur Hand und »mischt sich in unsre Unterhaltung erst ein, wenn sie irgend einen Abschnitt erreicht hat. Auch meine Lieber darf ich nicht um einen Ton unterbrechen bei seinem Eintritt;-sie scheinen ihm zu gefallen, aber niemals bittet er mich darum. Um neun Uhr müssen die Kinder zu Belt, und ich entferne mich mit ihnen, um in meinem Zimmer mich frei meinen Neigungen zu überlassen. In dieser Act geht auch den Tag über alles seinen bestimmten Gang, unter diesem gleichen Flügelschlage der Zeit beschwichtigen sich alle unruhigen Wellen des Herzens zu einer friedlichen Strömung. Du, die mein vergangenes Leben kennt und weiß, wie mein Schifflein hin und her geworfen worden, kannst Dir vorstellen, wie sehr sich mein Gemüch darin ausbaut. Der Doktor ist ein eigenthümlicher Mann. Ob er die ganze Welt für krank halt? alle sittlichen und politischen Zustände für mehr oder weniger in Krankheit und Krisen begriffen? alle Menschen für Patienten, deren Beschaffenheit er zu erkunden habe? Ich weiß es nicht; aber sein Benehmen erinnert beständig an den Arzt. So habe ich ihm schon abgemerkt, daß seine Meinungsäußerungen eigentlich nur immer Fragen sind, auf welche man antworten soll, und sie sind immer so gefaßt, daß es einem unmöglich ist, ausweichend ober anders, als man es wirklich meint, zu erwidern. Er laßt dann die Ansicht de« andern ruhig gellen, ohne zu einem weitern Streite sich herbeizulassen. Kommt es aber dann damuf an, zu bestimmen, was geschehen soll, so thut er dies in einer Weife, die einen Widerspruch nicht zuläßt, und erst hieraus kann man feine eigentliche Meinung folgern. iFortf. folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.