Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 43 (1863) · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
43 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4908862-5999384-6026622--2541-4910881
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

170 keineswegs ärmlich, man finde: nicht wenige die alle mit platten Stein-Dächern versehen And. Auf dem Altane de« Kloster« hatten v ir eine entzückende Aussicht; sie'umfaßt die Berge unk dem Jordan und dem Meere hin und gie^t ein Panorama, in welchem eine Menge Punkte heilige wecken und von höchstem Interesse sind.! iahe bei der Stadtmauer sprudelte derDavidSbcunnen au« welchem die Getreuen ihrem durstigen Heerführer, niiti m durch das Lager der Philister sich wagend, jenen Trüw holten, den David hochherzig dem Herrn zum Opfer am goß, weil ec mir dem Blut seiner Waffengefährten erkauft wordenwar. Eine Stunde von dem Orte Bekhiechin liegt ein schmales Thal, in welches man auf einem rauhen und beschwerlichen Weg gelangt. Ein kleiner, abe klarer Bach rieselt durch den Wiesengrund und wie ein silberner Faden windet sich da« rauschende Wasser durch die T lumen dahin. DaS ist der Garten SalomonS, der im Eiligen Liebe besungen wirb. Hohe Fellknkuppen umgeben diesen Äanen von allen Seiten, schroff strebt das Gestein cuf- «n dar, den h^lde Meile >d-durch das ergötzen sich n den man- DirseS Thal stellr. den prächtigsten Gar man sich nur denken kann: «in schönes feuchter Grün überzieht die Erve, daS gar freundlich contrastirl; egin die Oede und Dürr« der nackten Kelsendildungen. «elc »e lgebieterisch in die Höhe starren. ES ist ungefähr eine breit. In dem Bache, dessen Wasser camtv von Rosen reichdekränzte Bett dabinströmen. Muntere Kischlein, deren schuppige« Gewand nichfaltigsken Farben schillert Bethlechem, auch Bethlechem Juda g nanne, zum Unterschiede von dem gleichnamigen Orte in Galiläa, ist der Ort, wo der Sänger der Psalmen die > pchafe feines BatecS hütete und von Samuel gesalbt wurb. Der Weg nach Jerusalem führt?,durch eine öde, wilde < legend, nur einzelne Olivendäume begegnen unserem Ange. Kaum eine Viertelstunde von Bethlechem befindet sich da» Grab der Rah el. E« ist eine kleine, .ni brige Kapelle mit 'einer etwa« spitzigen Kuppel. Mitten in derselben befindet sich daS 3 Ellen lange, 2 Ellen breite und i1', Ellen hohe, auS mebre^n großen Steinen yif» mmengesetzte Denkmal, welche« im Hahre .*»601 der berühr ile Sir Mose« Monrefiore mit einer Kuppel und Vorh ille versehen ließ. Wir traten durch einen offenen Spitzbo >en in einen kleinen Hof, den etwa 9 Fuß hohe Mauern b lden. Dem Einlrerenden zur Rechten ist eine kleine eiserne Thüre sichtbar, durch die wir in eine mit einer Kupp« überwölbte Halle gelangen'. Unter ihr befindet sich auch eine Steinstufe, ein aufgemauerter, weiß übertünchter ckophag, der wie ein Koffer mit gewölbtem Deckel aussiebl. Auf demselben haben viele Pilger ihren Namen geschri, sen. Wir eilten den Hügel hinauf um da« ober Ende eine« tiefen Thate«, da« östlich zum tobten Meete htnläuft. Wir gelangten auf di« Höhe de« Landrücken!, der hier eine Wasserscheide macht, zum SliaSkloster. D e kolossalen grauen Felsen, die wir bestiegen, sind so kantig al« ob der Hammer eine« Arbeiter« sie behauen hätte. Um diese FelSmassen schlingen sich grün« Reben\ wahr nb sich ein Reichrhum dieser edlen Gewächse auf den Fläch » entfaltet, welche am Fuße der Felsen urbar gemacht n orden sind. Oie Thürme, welche au« dem grünen Grunde ragen, sind von Palmen beschattet, die ihr« dunkeln Frü hte auf di« neue Häuser, Steindecke heradfallen lassen, welche ihren Fuß umzieht. 3»r ersten Seite erblicke ich einen ungeheuren Abgrund zwischen fünf oder sich« hohen Bergen, die düster auSfehen Thäler nach und ihre felsigen Gipfel hoch hinauf erheben, al« wellten sie die niedrig schwebenden Wolken erreichen; da« Auge Erinnerungen schweift weithin von diesen Bergen bis an da« ägyptische Meer, dessen Küste mit einem schwärzlichen Schaum bedeckt. A»r linken Seite der Berge liegt Mo bin, die Burg und da« Grad de« Helden aus dem M ak ka bä erg esch l ech re. Oie Trümmer dieses berühmten Schlösse« werden von zwei j verwaisten Terebinlhen beschattet. Man sieht noch die > Spuren einer Wasserleitung, welche von dem Berge in! die Tiefe führte. Von dieser Höhe erblicke ich Jerusalem; die Stadt scheint mir in einem nebelhaften Ocean zu; schwimmen und ist ungefähr noch eine Stunde entfernt. < Die großen Minarets starren 'pyramidenförmig empor und i die hohen Kuppel einiger Dome glanzen im reinsten Lichr- '■ golde, mit welchem sie die Sonne überschüttet. In schwarze« Dunkel gehüllt erhebt sich der Oelberg unter dem t zauberischen Grunde de« hellblauen wolkenlosen Firmamentes. Bi« zu den Thoren von Jerusalem dehnen sich Hügel au«, mit Felsmassen abwechselnd, die den Anblick der z Stadt verdüstern. , Alte Olivendäume stehen am Wege und wiegen ihre schwärzlichen Kronen im leisen Winde. Je näher man der Stadl kommt, desto mehr häufen sich die Trümmer und Ruinen einer ehemaligen Größe und Herrlichkeit. Endlich erhob die ganze Reisegesellschaft ein Freudengefchrei, al« allmälig die Stadt mir ihren zahlreichen Moscheen, Kuppeln und ihren majestätischen Stadtmauern dentlichec sichtbar wurde. Eine Betrachtung. In dem Dunkel der Nacht, wenn da« Gewand der Finstecniß sich um die Erde und den Menschen gelegt, da zündet die Religion ihre hellen, strahlenden Kerzen an. — In dem Schweigen der Nacht, wenn da« Gewühl und Rauschen de« Leben« verhallt ist, da erhebt die Religion ihre Stimme und läßt ste tönen und klingen zu den Herzen der Menschen. — Hohe, erhabene Srunde, da e« dunkel und schweigsam um un« ist! Ader da« Licht, da« da aufgeht und leuchtet, und de? Ruf, der da tönet und wiederhalt, sie smd der Religion, sie sind Gotte«. — O laß un«. dich empfangen mir geöffnetem Auge, und Ohre, mit offnem Geiste und Herzen, baß dein Licht uns nicht unrergehe in noch dichterem Dunkel, daß dein Klang nicht verbale in noch öderem Schweigen! — Aber,.sprich: dieser Ruf durch da« Schweigen der Nacht, welcher ist er? O, e» ist da« Wort, das der Herr, gesprochen zu dem tiefbewegten, tiefgebeugten Moscheh, al« die Nacht der Sünde und Verschuldung sich auf die Söhne Israel« gelegt, noch am Fuße desselben Sinai, wo da« Feuer de« Herrn ihnen gelaichter. 2 Mos. 33, 14. Es ist da« Work, da« ewige, nimmerverfallende: 'nnsm „Mein Antlitz soll voranziehen, und ich will dich zur Ruhe bringen!" O du Kind der Unruhe, du Menschensohn, verstehestdu die Herrlichkeit dieser Verheißung? Gedenke, wie du voll Unruhe bist; erinnere dich, wie du voll Unruhe um die Erde und den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.