Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 42 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
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*— 167 Stadt gegen End« de« voriges Jahrhundert« au-fphrlich beschrieben, und zwar au« eigner Anschauung. Wir führen au« ihr folgende, die Juden betreffend, Stelle an: ,Meden der Bürgerschaft und den Schutzleuten und Soldaten nfar «in auf da« Selverde angewiesener nicht unwichtiger Btffand, theil der Bevölkerung die Judenschaft. Daßj nach Hilde-Heim schon in früherer Zeit Juden gekommen^ seien, ist daraus zu entnehmen, daß hier Krunrmstab-gebiek war; in solchem fanden sie leicht Aufnahme. Doch mör^en sie auch bei der städtischen Obrigkeit, sobald diese zu ftdftm gekommen war, Schutz zu suchen sich veranlaßt gesehen haben; späterhin war über solche« Gchutzrechr Streit und selbst Proceß zwischen Bischof und Stadt; da« allgebneia« Recht über die Judenschaft i» Stift und Stadt liqß sich jener nicht nehmen; eia besonderebehauptete die Stadt. Solche in der Sradt ansässige Juden hießen vergßeirete. Ihr Anlheil am Gewerb-leben und Verkehr blieb jedoch in sehr engen Schranken; mit Kramwaagea zu hausiren, wurde ihnen auf Betrieb der Kramergilde untersagt; so blieb ihnen denn außer dem Handel mit alten Kleidern, Meudeln, Büchern u. s. w. nur der Geldwechsel und die Pfanbverleihung. Doch kamen einige jüdische Familien zu ansehnlichem Wohlstand. Einige machten ein Hau«,' da« auch Christen gern besuchten. Der Judendocror ga^t für einen vortrefflichen Bahnbrecher. Einer desondery Beruflich» tung unterlag die Judenschaft auf dem Moritzderge. Ast» Ur» dan-tage, wo die katholische Proeefsion durch die Felder zog, war sie von Rechtswegen gehalten, Wächdienst vor den moritzbergec Thoren zu halten; die Juden bezogen dann, mit Flinten und Seitengewehren versehen, die Wache und mußten bei dem Borüderziehen der Procession ' ob« eines Ofsicier« in Reih und Glied treten und militärische Honneur« machen; da« nannten sie selbst Moritzmqchen. Außer den vergleiteten Schutzjuden ließen ||id) häufig Hausirende in der Stadt treffen; von ihrem Schacher mit »rillen, Rasirmessern rc. wurden sie Briller genannt. Erinnerung an mittelalterlichen bösen Ruf der Juden gab die Sage: einst habe «in Jude die Stadl verrathen wbllen, er sei auf -dem Rathhause eingekerkert und zum Hustgertod« verurtheilt worden; mindesten« gab e^ dort rin Brer, welche« da« Luftloch eine« Kerker« schloß; auf ihm auswendig ein ganz anständige« Jubengesicht, inwendig aber ein gräßlich verzerrte«, angeblich da« de« verhungerten Juden. Auch gab e« eine Sage: einst habe ein Jude 3000 Du« raten geboten, wenn man ihm erlauben wolle, die goldene Domkuppel zu putzen." Q Drei Briese, mitgetheilt von Lacks Lehmann, j (Cin kleine» Zeitbild.) | I. i;; H. — den 5. Juni 1863. 1 j Seiner Hochwürden Herrn vr. A in O. i j Nachdem ick vorige« Jahr da« Vergnügen hatte, Sie, j hochwürdigster Herr, bei Gelegenheit de« lwrtigen Sängerj feste« kennen zu lernen, bin ich heute wiederum so! frei, > mich Ihnen zu nähern und eine Frage an Sie zu rieten,! die Sie al« wissenschaftlich gebildeter Rabbiner der „Reli- ■ gii n de« Geiste«" (sowie dadurch, daß Sie an einem Platze wt hnen, wo dieselbe Frage entsteh,« könnte) gewiß deaar» wqrten werden. — Für da» diesjährig« Sängerfest de« M. Sängerbundes, bai hier in H. anfangs September abgehalten wird, sind nä altch verschiedene Lieder gewählt, unter denen sich aber zw«!i befinden, die fpezifisch»chrrstlich,dogmatisch,n Inhalt« stnü (wie Sie au« Anlage 1 u. 2 ersehen können). Zweck dieser Zeilen ist nun. Sie, hochwürdigster Herr, zu binen, mir auf folgende Anfragen eine ausführliche und motivirre Antwort zukommen zu lassen: ■1) Wie verhält sich d,e Gesellschaft „Eintracht" borken zur «inübung reff». zum Gesänge jener zwei Lieder? E« macht« dem Unterzeichneten und vielen andern «in große« Vergnügen, in der dieswöchentllchen „Didastalia" die herrliche Gedachtnißfeier Rießer«-, vek. anstalket vvß» jenem Vereine unter Ew. Hochwürden ' Mitwirkung, zu lesen; e« ist daher leicht zu glauben, daß in jenem Vereine sich viele Mitglieder befinden werden, die sich ihrer Pflicht al« Sänger und al« Jude klar bewußt 'sind. — 2) Finden Sie nicht, daß meine, namentlich gegen befreundete gebildete Christen, auf Befragen ausgesprochene Ansicht die richtige ist, daß ich keinen Augenblick aasteden würde, Lieder mitzusingen, in denen Jesu« al« großer Mensch, al« Märtyrer de« Fortschritt« rc. gefeiert wirb, daß ich ihn aber keineswegs anflehen kann, mich zu erhören („denn er, der die Sünden hinwegnimmt, er al« Lamm Gotte«, fei Gott selbst, sei Herr, er allein sei heilig, sei himmlischer König .... der mir deistehen soll in der Stund« de« Tode«!"). — Nein, mein jüdische« Bekenntniß: „Sch'ma Jisroel“ und mein wahrheit-liedender Cdarakter geben e« nicht zu, etwa« unzähligemal und öffentlich auszusprechen, wa« iw au« tiefster Seele verneine! — Indem ich mir Vorbehalte, Ihnen, dochwürdigster Herr, später nähere und nicht ganz uninteressante Detailüber besagte Angelegenheit zugehen zu lassen, zeichne ich, einer baldigen Antwort entgegen sehend, . mit größter Hochachtung L. II. ‘ O..den 0. Juni 1863. Werthester und geehrtester Herr L. E« ist sehr schmeichelhaft für mich, daß Sie mit Ihrer Gewissen-frage an mich al« einen Seelenarzt Sich wenden und° mich auf diese Weise mit Ihrem Zutrauen beehren. 1) Auf meine Erkundigung bei der Gesellschaft „Einkracht" dahier: wie sie in diesee Angelegenheit sich benehmen wird? ward mir berichtet, baß sie ohne irgend eine Ostentation diesen Besang nicht einübt, nicht mitsingen wird, ihn demnach gänzlich unbeachtet läßt. t 2) E« muß allerding« dem Gefühle und religiösen Gewissen eine« Hüben widersprechen, diese« sperififck christlich-dogmatische GlaudenSdekenntniß öffentlich, sogar im begeisterten Gesänge, vorzutragen. Die Vergötterung eine« Menschen ist, von unserem israelitischen Standpunkt» au«, Abfall von Gott und vor diesem werden wir in unserer Bibel gar zu oft verwarnt. Und wenn wie auch diesem vorgetragenen, unserer Religion direkt widersprecheno,n Glaubensbekenntnisse nicht huldigen, so stehen wir doch »