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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 42 (1863) · p. Seite 168

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
42 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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— 168 wenigstens als kühner auf einem noch geh, ligten Gebiete da und verdienen die Verachtung eines jedei» charaktervollen Menschen. Um aber keinen lieblosen Verstoß gegen die bürgerliche Gesellschaft zu begehen, scheint mir daS Der ultest des hiesigen Gesangvereins „Eintracht" im vorliege iben^Falle das geeignetste Benehmen zu sein; denn wenn arch jme, welch« daS Fest-Programm entwarfen, bei der Wal l der Gesänge eine Taktlosigkeit begingen, so dürfen wir dise nicht durch eine andere Taktlosigkeit erwidern. Ihre werlbe Zuschrift überzeugte mich,-daß Sie meiner noch in Freundschaft gedenken; genehmigen auch Sie die Versicherung der Hochachtung und Areunbschifk von Ihrem ,i getreusten . Dr. K. -III. H. — den 19. Zur t 1863. ■ Sr. Hochwürden Herrn flr. F. in O. Antwort vom 9. dieses )al wich sehr gefreut und gab mir reichlichen Stoff zum N ichdenken. — Ich ersah darin , daß di, von mir als Vor l'andSmitgliev unseres Siagverein» vertretene Ansicht: „die Einübung der betreffendm wieder zu unterlassen", die richtige var. Meine Ansicht fand nicht die Billigung unseres Pr isideuren und ich batte diesem (einem intelligenten, allgem in geachteten und mir persönlich befreundeten Manne) gege rüder, sowie im Inlerresse des Vereins nicht den Willen, nergisch aufzutreten. Trotzdem wurde di« Sache im Vereine ohne meine Veranlassung uni? sogar in Gegenwart i inseres christlichen sehe geschickten und freisinnigen Dirigent n besprochen, wo ich bann gezwungen war, meine im 1.! Zriefe (Frage 2 mirgerheilce Ansicht ruhig und ausführlich >u entwickeln. Von da an unterließ ich, bei der nun denno d vorgenommenen Einübung jener zwei Lieder, die Sir gstunden. zu besuchen, und bei den allgemeinen Gesangprot en nahm ich nur für die andern Lieder Anlheil. Allervir gs hatte ich durch diese Sonderstellung- und dadurch, baß manche von meinen Worten vielleicht entstellt in dieOeffmtlic ckeil drangen, einen anfangs unangenehmen Stand, gegenüber Pen nach Hörensagen oder nach dem ersten Eindrücke urti eilenden mir befreundeten christlichen Bekannten und Ge chaftSkunden, aber, Gott, sei Tank!' die Wahrheit und daS Recht ließen mich immer (wenn jene lächelnd auf mich »kamen und sich darüber mir mir unterhielten) den Sieg davon tragen. — So stand und stehe ich jetzt noch fast all in mit meiner Ansicht, ick, der sonst hier alS Reformer und Neuerer betitelt, (weil ich als Vorsteher eines WohlthttigkeilSinsti. turS das kostspielige, spärlich besuchte, zum Schmausen und Schwatzen ausgeartete Ausbleiben (s. ,c. „Lernen"), am Schabuokd- und Hofchanab-Radbah-Abeu d adschaffre, in unsere Synagoge Ehorgelang eingeführt und eine Anzahl Pintim weggelassen seben möchte rc. rc.), werbe nun an sogenannter Aufklärung von Leuten übertroff n, worunter solche, die sich noch ein Huhn um den Kopf schle gen, Thaschlich machen und mit der in unserer Gemeinde das Regiment führenden Hyper-Orthodoxie liebbäugrln. —. DaS eben Geschilderte, verglichen mit dem, was bei Ahnen geschah, giedt wiederum den stärksten Beweis, daß ha, wo die orthodoxesten Rabbiner herrschen, der gefahrljjchste Indifferentismus und der stärkste Abfall vom Judentum vorkommt, baß aber da, wo wissenschaftlich gebildete, item gemäßigten Fortschritte huldigende Männer an der Spitze stehen, der Jude nicht allein im geschäftlichen und um öffentlichen Leben sich würdig zu benehmen weiß, sondern auch, da wo eS gilt, die Fahne feines Glaubens hoch hält. — Wir besitzen schon seit 1-—16 Jahren die orthodoxesten Religionslehrer, und doch gelang eS unserem Rabbiner nicht, der dir Sache erfuhr, die jungen Leute, Sänger und Sängerinnen (worunter auch viele feiner früheren Schülerinnen'), -von ihrem Vorhaben abzubringen. — Und das sind doch die Angehörigen unserer sogenannten Orthodoxen, d. h. derjenigen, die (obschon sie zu HauS, bei Fragen, wo das Geld eine Rolle spielt, sich gar mancher Verletzung des Saddaths und anderer Fundamenral-Gesehr schuldig machen) doch sonst öffentlich durch „Schulenlaufen", Unterstützung des unsinnigsten- MinhagS und un-; ästhetischen Schlendrians ihre Orthodoxie gerne bethäkigen, l den aufrichtigen Andersdenkenden aber feindlich entgegentreten und sie in ibrem gemeinnützigen Wirken lähmen. — Sehen Sie, hochwürdigster Herr vr., daS ist ein höchst Wichtiger culkurhistorischer Einblick in unser hiesiges resp. allgemein-jüdisches Leben. — UedcigenS glaube ich, daß in Zukunft mehr Vorsicht bei Auswahl und Feststellung der Lieder seitens unsere- Sängerbundes stattsinben und daß bann nicht allein die Eomposition, sondern auch der Text einer sorgfältigen Prüfung unterworfen wird. Bei der in unserem Sängerbund, herrschenden vorurtheilsfreien und freundschaftlichen Rücksichtsnahme gegen einander bedarf es nur einer leisen Andeutung, um für unS Juden solche Versuchungen auf immer aus dem Wege zu räumen. Haben wir unS im Unj glücke nicht gebeugt, warum sollten wir im Glücke leicht-! sinnig bas Erd« unserer-Väker (den Glauben an einen unmittelbarm, heiligen und einzig-einigen Gott) verleugmn und nicht mehr bas desszen, was Alex. v. Humboldt > von jedem denkenden charakterfesten Menschen verlangt, näm- > lich: „den Mulh einer Ueberzeugung".' —; Indem ich Ihnen schließlich nochmals meinen Dank , für Ihre schöne Zuschrift und bereitwillige ausführliche : Antwort ausdrücke, zeichne ich, Sic für gehabte Mühe um Entschuldigung 'bittend. Hochachtungsvollst und ergebenst L. Allgemeine Zeitung de«Judenk bum«. No.41. 1863. Inhalt: Leitende Artikel: Da» Iudenthum de» 19. Jahrhundert» und da» Shristenthum. tFonfetzuag.) — Spen» den-Liste für die Rießer-Sliftung. — Die Ethik de» Maimonite«. Zeitung»Nachrichten: Preußen: Frankfurt a'C., Eleve. OefterreichischerKaiserstaat-Wien.Gyula^Frankreich: Pari«. Rustland: Sl.-Petersburg. Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich V* THaler. Berau ScrUg »es Stmiittitt t TortficbfT Skedacteur G. Fritzsche. B»chtz»,dl»»g i, Vcötift- — Druck rcn G. srevlillg in Lei»»,«.

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