Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 40 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Väter. Außerdem soll der Messias am Erde der Tage Ammin, und daS Ende der Tage ist »och nicht nahe. Und warum denn hätten, alle Juden, deren i »lSstarrigkeit du anschuldigst, Gotte- Sohn von sich gestojen, wenn er gekommen wäre? Warum hatte sich dagaize Volk getäuscht? Es hätte dazu doch keinen Grund g, habt. Redet von JefuS dem Nazarener den Heiden, heißt sie hren Götzendienst in Anbetung de- Gottes Israels and rn, der Gott ist den Nazarenern und auch den wahren irhrlsten Gott sein wird, wenn der Messias kommen wird. Predigt den Heiden das Evangelium, und ibr werdet sie Israel zufühcen." Der Missionär wußte nichts zu antwordn. Er sprach von der Unzahl der Christen; da sagten sie ihm, in China Mein seien 5000 Lakh ButperestS (500 Mill onen Götzendiener). Ein anderer führte folgenden BeneiS: „Siehst du diese Grotte? (ein kleines Loch im Gebinde, welcheda- Grad Ezechiel» enthalt) Dort wird sich Elias, der Prophet, der Vorläufer des Messias, niede setzen. Ader diheute ist hier Elianie eingekehrt. Si hft du ihn? Er ist nicht da. Daher ist der Messias noch nicht in Balde zu erwarten." Man könnte diese Argumenta« in allerdings etwa» schwach finden; indessen wird man auf die Hindernisse schließen können, auf die da» englische Prosely enthum stößt, das sich übrigens nur da zeigt, wo es ohne persö tliche Gefahr, und ohne dem Einfluß Englandzu schaden, I andern kann Die Sitten der Juden sind im ganzen d N christlichen ähnlich. Die HeirathSgedrauche sind im Gcu ihe die nämlichen. Die Monogamie ist die Regel. Nur ist der Bann de- Rabbi Gerson, der im Occident die Vielweiberei untersagt, im Orient nicht angenommen. Der Mc nn kann eine zweite Frau heirathen, wenn während einer ängeren Zeit die erste Frau kein« Kinder gehabt hat; aber ni mal-ander-. Der Monogamie wegen ähnelt da»' jüdische Familienleben dem der heutigen orientalischen Christen. *) Die Äeirath der Juden geht in der alt« Form vor sich, ohne Ring, wie auch einst im Abendlao de, und stellt den Scheinkauf, die römische coewptio, vor. Drei Tassen, die Gold-,' Silber- und Kupfermünzen enthüllen, werden der Braut von ihrem Bräutigam angeboren, der ihr die üblichen Worte sagt: „Sei mir angetraut dirch dieses, nach, dem Gesetze Moses und Israels." Jmi Westen sagt man: „durch diesen Ring." Augenblicklich nüch der Weihe der Eh« ziehen sich die jungen Eheleute zurück. - Nach der Hochzeit findet di« Azimeh staks, daS eigentliche Fest mit all seinem Glanze, da» sich inheß mit vieler Strenge in Männerfest und Frautafest scheidet. Man beobachtet bei dieser Gelegenheit viele Gebräuche, die i»v allgemeinen einen abergläubischen Urfpuag haben, um -ie Familie zu vermehren und Hausunglück adzusvenden. Die Scheid»ng, wie die Heirarh, wird »ach talmudkschen Gesetzen ausgesprochen, denn die ganze Jurisdiktion ist jüdisch für die Juden, sowie für die Chris en die Kanont» der Kirche ohne Beschränkung in Kraf^ sind. Die Katholiken können sich auch nicht ohne pastlihm DispenS scheiden lassen, und die Regierung des Sultans kümmert sich nicht um diese Angelegenheiten, es müßte denn , in Verbrechen die ursprünglich civile Beschaffenheit der Saäe verändern. *) Die ersten Christen hatten bekanntlich sichrere Frauen. (Vergleiche Timoth. I, 2, 3. nnd 12.) Die Monogamie ist erst durch da» römische Recht in die Welk gekommen. ' i Aus dem Leben CH. S. Slonimski's*) mitgetheilt von Leou MeudelsburginNowogradwoliu-k. Es war im Hochsommer des Jahres 1847, als meinem ohnweit des Schienenwege-, der von Warschau nach Krakau'führt, gelegnen Fabrikstädtchen Polens zwei befreundete junge Leute mosaischen Glaubens in abendlicher Stunde auf der Straß« zufammentrafen, und nach der üblichen, mir einem Herzlichen Händedruck bekräftigten Begrüßung entspann sich unter ihnen folgendes Gespräch: „Sage mir", fragte der Aelrere den Jüngem, „hat das Gerücht nicht gelogen, kommt er wirklich hieher?" „Wenigstenhat eder Kaufmann S., der direct au- Warschau kommt, mit feinem Worte verbürgt", war die freudige Antwort deletztem. „Und er will in der That hier feinen beständigen Wohnsitz aufschlagen?" fuhr der andere mit Fragen fort. „Daheißt nicht eigentlich hier, aber auf der unfern von hier gelegenen jüdischen Colonie Jakubow, wo, wie es heißt, er sich dem Landbau widmen will", sagte der Jüngere. „Du magst von der Zuverlässigkeit des Kaufmann- S. denken wa» du willst, mir aber will eS nicht einleuchren; denn was könnte einen Mann wie ihn bewogen haben, mitten kn seinen gelehrten Bestrebungen und Forschungen sich den ihm befreundeten Zirkeln Warschaus, wo ihm so reiche Hilfsmittel zu Gebote stehen und feiner Wirksamkeit ein so weiter Spielraum geöffnet ist, zu entziehen, um sich hier dem eintönigen ländlichen Stillleben zu widmm?" sagte mir bedenklicher Mime der zweifelnd« Frager. „Ich weiß", versetzte der andere, „daß nur dein eifriger' Wunsch, über diese für un» so schöne Aussicht, diesen Mann in unserer Milte zu sehen, etwas Positives zu wisse», der Grund dein/s Zweifelnist; allein beim besten Willen kann ich dir über die Motive, die ihn zu diesem Entschlüsse bewogen, keine Auskunft geben; hoffentlich aber wirst du dir über diesen Punkt bald von ihm selbst die Aufklärung verschaffen können; denn wie everlautet, steht feine Ankunft hier mit jedem Tage in Aussicht." — „Das wird aber, selbst, wenn eS mit den Gesetzen der Schicklichkeit vereinbar wäre, wahrscheinlich nicht so leicht rhunlich sein", sprach jener, „denn er wird wohl für uns arme Idioten ebenso unzugänglich sein wie der hier ansässige emeritirte deutsche Professor. Du erinnerst dich doch noch wohl, wie kalt, gemessen und einsilbig er un-, als wir um feinm Unterricht nachsuchten, abfertigte?" Bei dieser Erinnerung konntm sich die beiden jungen Leute eineherzlichen Lachens nicht enthaltm, in bas sich aber a«ch ein bittere- Gefühl mischte, indem sie dachten, wie sehr sie sich in ihrer Erwartung getäuscht gefunden harten. „Du hast Recht", versetzte der Jüngere nach einer Weile, „ungeschliffen und steif war dieser trockene deutsche Pedant; allein was unseren Mann betrifft, so kann ich dir verbürgen, daß er nicht so sein wird; alle« waich über ihn in den öffentlichen Blättem gelesen, auch von denen, die seinen persönlichen Umgang gmoffm, gehört, lautet einstimmig dahin, daß er die personisizirte anspruchslos« Liebenswürdigkeit selbst ist." „Auf welche Weife werden wir aber suchm mit ihm *) Gegenwärtig Inspektor der Rabbinerschule za Ziromir.