Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 40 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur i Belehrung und Anterhaitung aus jüdischem HeKlelx. Hrtau-gegeLen von ' Rabbiner vr. Ltdwig Philippson in Bonn. fNo. 40. 1863.] Bo» dies« Zeitschrift «Meist «öidestlich ei»e »»«««. Preis des 3«|r. gang« 1 LH». SimdiSbrtg 7)< Rgr. Me .. »Sd Zeit»»gsesveditio>e» »eh«» vekellaagea a». StSSSS’Z' slO. Jahrg. 3. faaijfal] Die Juden von Bagdad. Boa Prof. Vr. Juliu» Oppert in Pari». (Schluß.) Wir hatten einen Wechsel von 20,000 Franken §u realisiren und wandten un» an den Khodja Rudil (Rüben), der nach langem Hin» und Herreben un» benFranken zu 100 Para» zahlte, anstatt 170, welche» der vom Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten genehmigte Umsatz ist. Wir mußten unbarein schicken. Al» di« Hache adgeschl >ssen war, verlangte Rubll noch ein Pfand. Ich sagte ihm daß der französisch« Konsul für die Bezahlung dieser Su nme /einstände; er fragte nun, wer ihm für diesen Beamten Ge- ^wA)r leist«. Auf meine Erklärung, da» sei die Sach« der französischen Regierung, gab er zur Antwort: „Wer garaptirt mir denn die französische Regierung V Der Zeitpunktin bem diese Geschichte spielt, erklärte bi» auf einen gewissen Grad diese Frag«, die von der falschen Voraussetzung ju»- ging, daß mit der RegieruagSform auH° die unter derfetden konttahirten Schulden zu bestehen aufbörten. Auch war diese Reflexion entschuldbar, einerseits der untergeordneten Rolle wegen, die damal» Frankreich im Orient spielte, ancher» seit» durch da» Betragen eine» französischen Beamten,?der einem Juden eine bedeutende Summe (60,000 Franken) entlehnt hatte, ohne sie jemals zurückzudezahlen Die Juden in Bagdad sind nicht übergangen worhen von einer jener unnützen Gesellschaften, die mehr Eifer ünd Geld haben, al» praktischen Sinn und Erfolg. Ich meine die englische Gesellschaft für Verbreitung de» Ehristenthum» unter den Juden (Loeiety kor prowoting christiamly among ihe Jews). Sie rekrutirt sich namentlich unter den poetischen Juden, für die die Taufe di« äußerst« Zuflucht Ist. Diese Missionäre werden in da» Morgenland gesandt, »m den Juden da» Evangelium zu predigen, denn Muselmän» ner bekehren zu «ollen, wäre zu ungesund. Di« jüdische Gemeinde von Bagdad war mir zwei solchen englischen Emis, sären au-gestattet, beide deutsche Exjuden; während zchn Jahren hatten sie glücklich einen Renegaten fertig gebracht, und auch dieser ging noch den Sonnabend in die Synagoge, um e» mit seinen früheren Glaubensgenossen nicht zu vfr» derben. Die schiefe Stellung ausgenommen, in die sie ihr Amt brachte, waren diese Missionär« au-nahm-weise sehr rehiektable Leute, namentlich der jüngere, der mir viel tal» musischem Wissen ein« Intelligenz besaß, von der man r» nur bedauern konnte, daß sie an einem so undankbar»» Handwerk zu Grunde ging. Der andere war durch bile Faillire feine» Haadlung-hauseau» einem Handluag-korPmi» ein sehr einiger Missionär geworden. Er war j auch in Persien gewesen, um dort die Juden zum ProteftantiS» mu» zu bekehren, aber unglücklicher Wcise für ihn war der damalige englische Gesandte fttbst katholisch und ließ ihn au» Persien wegjagen; denn die heute abgeschafflta Gesetze ließen eine Religion-äntzerung nur dann zu, wenn! man den SchiiSmu» annahm. Unser Missionär handelte > aber augenscheinlich gegen die Landesgesetze, denn feine Ahficht war nicht, die Juden zu Schiiten zu machen. Im »llge, meinen haben diese Missionäre ein« schwierige Stellung; bekämpft von den katholischen Priestern, lächerlich in den Auge» der Juden, gleichgültig den Muselmännern, und von den Engländern wenig geachtet, sind sie nicht einmal durch den Erfolg ihrer Mission belohnt. Der junge Missionär wat nach Kerkuk gegangen, um zu sehen, ob er eia günstigere» Feld finden würbe, aber dort fand er noch größere G rigkeiten. Er vertheilte seine Bibeln und feine N stameate in hebräischer und arabischer Sprache un Juden, die sie annahmen, um sie gleich darauf zu v« einer derselben aber zeigte dem Pascha, wohlverstaude« di« hebräischen Bibeln, sondern dle.aradischen. Der Pascha ließ den Missionär kommen, beschuldigt« idn, die Muselmänner verkehren zu wollen, und nöthigte ihn, trotz allen Proteste», auf der Stelle zwischen zwei Baschi-Bozuk» den Rückzug von Bagdad nach Kerkuk (zehn Tage Wege») aazutretea. Nach zehnjährigen Anstregungen, unterstützt durch Mittel nichrgeistiger Natur, gelang e» den vereinten Missionaren, einen Juden, Namen» Abraham, zu taufen. Man ^üed mich zu dieser Feierlichkeit ein, wo di'eanglikanische« Lttan^nm in ihrer Ueberfetzung in da» Hebräische sich ganz sonderbar au-nahmen. Denn di« Leute denken durch da» Mittel I der „heiligen Sprache" die Juden zum Anglikani-mu» zu 1 bekehren. Einer derselben aber sagte mis mit Recht: „Wenn wir hebräisch beten wollen, haben wir unsere Synagogen." Der jünger« der Missionäre, ein angenehmer Gesellschafter, war mir un» in Kifl bei Babylon, wo Juden und Mo»- lim» da» sogenannte Grad de» Propheten Ezechiel verehre«. In dem Oertche« befindet sich eine Synagoge, eine Schule und sogar für da» Land ziemlich unterrichtete Leute. Man erzählte mir von den Diskussionen, die man mit dem Missionär gehabt habe, und die mit der Nichtbekehrung aller Juden geendet hatten. „Du sprichst un»," sagten sie,^,immer von Jesu» von Nazareth. Ader diese» ist nicht der den Juden versprochen« Heiland; wäre er dieß gewesen, so hätten wir un» alle bekehren müssen; nun, er hat aber nur wenig bekehrt, denn wir sind heutzutage zahlreicher al» in dem Laude unserer