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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 39 (1863) · p. Seite 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
39 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 155 (sequence 3)
Language
German
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4 155 von Hebron selbst diese Wachthäuschen oder richten i lütten wäh» keben, schönste und Zelte auf. Die Stadt ist dann wie verlassen, rend auf den Bergen und im Thal ein fröhliches Gesang und Jauchzen widerklingt. Dies ist di« und gepriesenste Zelt de- Jahres. Auf den Höhen von Hebron ist der Schnee eisie fast unbekannte Erscheinung. So schneidend auch manchmal °die Nordstürme brausen und wehen, so führen sie dow nur kalte Regenschauer herbei. Um die Chanukahzeit 'treten bessere Zeiten ein: laue Lüfte wehen aus der arabischen Wüste und die Südwinde bringen Leben in die schweltzsame Natur. Um Pessach blühen überall di« Obstbäume, manche haben schon früher um Purim abgedlüht, die frischen fetten Saaten schießen schnell auf, in den Gärten und otf den Wiesen gedeihen die schönen Liliengewächse, die Ärlpen und Narcissen in üppiger Krisch« und Fülle. Bost Anmuth entfalten die Rosen uttd Myrrhen ihre Reize, j Im Frühling.gleicht die ganze Landschaft um Hebron einem schönen glänzenden Garten, voll der würzigsten Düfte. Wenn der Monat Mai verschwindet, so darf der Landmann Ischon hie Sichel richtm, denn die Saaten sind reif uiw die Gerste beugt sich unter dem Drucke der Frucht. ssüenn je eine Gegend in Palästina reich mit allen Erzeugkissen gesegnet ist, so ist es die reizende Umgebung von Hebron. Die Häuser dejetzigen Hebron liegen in grünem Grunde und ringsherum sind die von Oliven-, Feigen» und Weingarten umgrenzten Felder. An der Ostseite der Stabt zeigt män'die Doppel höhle (Höhle Machpelah), wo Abraham, Sara, Jsak, Rebekka, Lea und Jakob begraben liegen. (Forts, fotzt). Die Juden von Bagdad. Bon Prof. vr. Julius Oppert in Paris. Ein chaldäifcher Kaufmann, Namens Djirbjis, fan^ es unbequem, für feine Ein- und Ausftihrartikel die gesetzmäßige Steuer zu bezahlen, und um diesem Uebelstand« abzuhelfen, verschaffte er sich einen Stempel, in den das Tograi, der Namenszug de- Sultan-, geschnitten war. Mirldiefem Stempel versah er seine Waaren, die dann als ^>rivateigenthum des Padifchah steuerfrei aus- und eingthen konnten. Dieses prodateMittel konnte nicht lange Vorhalten; tet. onblik die Sache kam heraus, und Djirbjis wurde verha Er war aber Schutzbefohlener defranzösischen General suls, der ihn widerrechtlich frei machte. Seit der Repr von 1848 könnte eine solche Unregelmäßigkeit nicht l^ehr Vorkommen. Wenn es der Dortheil erheischt, werben die Christen wieder Unterthanen de» Sultans. So betrachten selbst die Juden kaum einen fränkischen Israeliten als ihren Angehörigen, er müßte sich denn ganz ihren Gebräuchen und ihrem Aberglauben fügen; für sie sind der Muselmann und der Christ Landsleute, ist der europäische Jube'iein Frauke. Aus der übereinstimmenden Lebensart entspringt dieselbe Anschauung des Leben», di« von derjenigen!ber occidentalisch-christlichen und jüdischen Völker verschieden ist. Die Frau ist bei den Christen, wie bei den Juden und MoSlams, der Gegenstand'eine- Kaufes, und her Vater der Braut streicht die vom Zukünftigen gezahlte Mitgift eia. Der priest,rlich« Ehesegen verwischt nicht diesen Flecken. Einer meiner Freund« in Hillcjh •) , i)t. T., Neapolitaner von Geburt, der zu Bagdals Arzt »var und im Sanitätsdienst detürkischen Heeres angestellit war, erzählte mir folgenden Zug: — Er hatte ein, Bagdad,rin geheirathet; seine Töchter wurden in yrientalischeriWeise erzogen, während seine Söhne ihr« Erziehung in Ületura in Syrien genossen. Da er durch di« Schattenseiijen des orientalischen Lebens'litt^ machte er sich kein Arg daraus, auch bei der Derheirathdyg seiner Tochter der Lansessitte zu fotzen. Nach dem Segen gab er seinen Freundbn ein Mahl, und als man sich eben gesetzt, hörte er um sich her viel Zischeln und Lächeln. Darüber erstaunt fraßte er, i was dieses zu bedeuten habe. Mau erwiederte ihwl: Es nimmt uns Wunder, baß du mit UN» speisest. —I Ader ich gebe' euch zu essen m meinem Hause, an meiner ^Tochter Hochzeitstage. — Das ziemt sich nicht; ein Baker, der seine Tochter verheirathet, muß sich zurückziehen unp sich schämen, sie verkauft zu haben. So sind unsere Gebräuche. Die Abschlteßung der Frauen ist auch bei deuxAuden Sitte. Di« Israeliten von Bagdad haben zu allen Zeiten eine groß« Gemeinde gebildet; sie sagen, sie stellen di« große Gemeinde von Babylon vor. Auch ist der Name B atz d a d auf hebräisch; kehillah' kedöschah Babel, die heilige Synagoge von Babel. Sie haben acht Tempel, aber diesel Bet- Häuser sind ander» gebaut als sonstwo. Diese acht Synagogen sind fast all« mik einander verbunden, und die! Lade der Gesetztafeln ähnelt den Nischen, die man in den Khan» sieht. In dem viereckigen Raume vor der Lade häuft man sich ohne Ordnung, denn der Orientale dequemt sich laicht zu einer regelmäßigen Haltung während des Gottesdienstes. Einen eigenthümlichen Anblick bieten die Frauen und Mädchen dar, indnn sie die Gesetzrollen küssen, die in langer Reihe in dem Heiligthum ausgestellt sind; ein Zugt von Weibern zieht vorüber, und jede küßt mit Inbrunst' eine Rolle nach der andern^ Die Krone und die andern Aierratbe, sowie die Hand, die den Text dem Vorleser zeigt, waren mit großem Aufwand ausgestellt; auch erklärte mir mein Kawa», daß dies alles den Türken gehöre, die eS den Juden nur geliehen hätten. ' Die Israeliten zeichnen sich vor den Christen §und Muhamedanem durch ihren bessem Unterricht'aus, indem sie alle lesen und schreiben können; es besteh« auch große 'Stiftungen für Schulen und MidraschhäuH. Indessen ist ihre biblische und talmubische Gelehrsamkeit weit djnrer der orcidentalischer Juden zurück. Man trifft hier seine Vertreter jenes geduldigin und mühsamen Studiums, das die jungen Polen zum Derständniß der Mischna und!Gemara anleitet, indem es ihnen freilich vorenthält, was. für da» Leben und die Erziehung heute nützlicher ist. Nicht» destoweniger zählt das Land, wo der babylonische Taljnud entstand und di« größte Stadt der Gegend von Pumdedi- ’ tha, Sura und Nehardea,l noch einige^Grlrhrte oder Lvmdanim. Auch Hab« ich mit Vergnügen gesehen, daß wenn sie die occidentalischen Glaubensgenossen nicht als eichte; Juden ansehen, weis diese Fleisch mit Fett zubereiter essen, : sie doch des Abendländ»» sseberlegenheit in »tr Gelehrsami anerkennen. Diese Gelehrten beklagten sich sogar über!ben , wenig vorgeschrittenen: 3uftanb der orientalischen Juksen, X *) Hillah liegt auf der Grelle deS alten Badvlcn

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