Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 39 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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154 — di, da kamen vom'Sinai, und gerne hätte ich mir neben den Töchtern auch die Mutter vertreten gesehen. *) Mächtig bewegt sowohl von den großartigsten Erinnerungen an die uralte Herrlichkeit diese- Gipfels, der da rauchte, als Gott der Herr mit Pofaunenfchall unter Blitz und Donner zu Mosche sprach und ihm da- Gesetz verküttvigte, als auch von der unvergleichlich fremdartigen Aussicht auf die Wüste, die zackigen Kelsengebirge, auf das Meer und in die Ferne nach Aegypten und Arabien, einer Aussicht, die nahe an 200 geographische Meilen betragen soll, verweilte ich eine Stunde in Staunen und Anbetung versunken. Dem Sinai gegenüber ragt der Katharinenberg empor, der höchste unter den Nebenbergen des Sinai. Zwischen dem Sinai und dem Katharinenberg« zieht sich das reizende, mit Oelbäumen und Südfrüchten sowie mir einzelnen Hütten angebaute Bostanlh>U hin', an welches das steinige Erbaynthal mit dem gieichnamigen verlassenen Kloster stoßt. AvS einem Felsen am Ausgange des Bostanthales springt noch heutigen TageS die Quelle, die Mosche einstenS mir seinem Stabe herausschlug und deren Wasser dis in das Kloster geleitet wird. Die Wikterungsverhälkniffe des Klosters sind nicht gesund; im Sommer drückend heiß, im Winter kalt. Zwischen zwei sehr hohen Gebirgen liegend wird es zur Winteczeit täglich nur 3 Stunden von 11 bis 2 Uhr nachmittagvon der Sonne beschienen. ll. Hebron und Umgebung, Ich habe das heilige kand erreicht, ich stehe auf dem Boden meiner Ahnen. Es ist mir, als rufe man mir von allen Seiten die Namen der Patriarchen und Propheten zu, als sehe ich die größten Thaten geschehen. Der erste bewohnte Ort, denich auf dem Boden JudaS betrat, war das Dorf Dhoheriyeh und das zweite Städtchen Bertcheda (Brunnen der Sieben), wo einst Abraham für einen daselbst gegrabenen Brunnen dem Abimelech sieden Lämmer Der Ort wird jetzt vir er S*ba genannt und liegt ganz in Ruinen. Hier sind noch zwei riefe und wohlerhaltene Brunnen voll füßm Wassers, welche die nämlichen sein mögen, deren sich einst Abraham und die übrigen Patriarchen zum Tränken ihrer Heerden bedienten. Der Brun» nen ist zwanzig Ellen tief, ausgemauert upd hat ein köstliches Wasser, das man mit Eimern an Seilen heraufzieht. Ich sah in der Nähe des Dorfes eine Anzahl Schäfer mit ihren Heerden, um eine Quelle versammelt, eine, Stein von der Mündung walzen, das Wasser in ledernen Körben Heraufziehen und so eine Heerde nach der anderen tränken. Es war mir, als sollte ich mich nach einer Rachel umsehen. Die Ruinen von Berseda liegen in der Niederung, welche sich am Fuße des Gebirgeausdehnt, im Norden-der Wüste El-Tyb, mehr als 1000 Fuß über dem Meeresspiegel. Hier lagern sich im fetten Grase große Heerden von Rindern und Schafen; auf diesen Weideplätzen hüteten schon tznsere Väter — die Patriarchen — ihre Heerden. Abraham und Lot lebten auf den Gebirgszügen und in den Thälern des Landes Kanaan; sie zogen selbst in dir wasserreichsten Gegenden am Jordanflusse. * Es gedeihen hier die schönsten Blumen Mit Verlaub de^ geschätzten Verfassers mechüe dem Sinai gar keine Kapelle^Ldcr Svnaaoae wün« Lvnagoge wun Re n wir auf ichen! taklion. in dem dichten Grase, und wir und alle Reisende, welche aus der Wüste kamen, ergötzten sich an ihrem sanften Schmelze und dem Dufte, den sie-ringum sich verbreiten. Zwischen den Weidungen liegen fruchtbare Felder und Ackergrüade. auf welchen der Weizen und das Korn gedeihen. Von Berscheda kamen wir durch Thäler und Hügel und erreichten bald, uns rechts wendend: Hebron, eine Stadt auf der Höhe des Gebirges Juda gelegen. Kein Anblick ist freundlicher alS der von Hebron, keiner lieblicher im Morgenlande als der dieser Stakt, insbesondre dann, wenn man gleich uns lange in der Wüste gewandert ist. Die Stadl gehört zu den ältesten deheiligen Landes, war Frei- und Priestecstadt und lange Zeit Residenz des Königs David. Wir wurden von dem Rabbi des Ortes auf das freundlichste empfangen, und da gerade Freitagabend, so besuchten wir denn auch den Gottesdienst, der, einige rituelle Abweichungen ausgenommen, dem unscigengleicht. ZumHause deSRabbi zurückgekehrt, betraten wir ein freundliches Zimmerchen, in der die Familie versammelt war. Don der Decke des Zimmers flackerte die siebenarmige Lampe, wie ich sie alS Kind bei meinen lieben Eltern im Hessenlande gesehen. Auf dem Tische duftere die goldgelbe liebliche Orange und lauerte daS Sadbathbrod auf Vertheilung. Nachdem der Rabbi die Kleinen gesegnet hatte, daoib© gesprochen, wurdet über den herrlichen Hedronwein mp gemacht und die Abendmahlzeit gehalten. Am andern Morgen besuchten wir wieder die Synagoge, und fielen uns insbesondre die jüdischen Frauen auf, die sammtlicb weiße Kleider trugen und ein Stück weißes Zeug schleierartig um den Kopf gewunden hatten. Wir bewegten uns durch ziemlich-freundliche Straßen, deren Häuser qrößtentheils au- Stein gebaut sind. Auf den Dächern dehnen sich Gärten aus, die mit Blumen bepflanzt sind. Manche Häuser sind auch mit Kuppeln bedeckt, die in dem Blendglanze der Sonne schimmerten. Auf der Westseite der Stadt erölickt man die Ueberreste des festen Castells, welches die Kreuzfahrer hier errichtet haben. Das Thal ^>on Hebron ist, wasserreich und durch künstliche Wasserleitung wird das Trinkwasser bis in die obersten Theile der Stadt geleitet. Die Obstpflanzungen und Weinberge, welche die Hügel begrenzen, die Pflanzungen von Aprikosen und Feigenbäume, die schönen Wiesen und Ackergründe verleihen der Umgebung ein sehr freundliche- Ansehen. Der Wein, der in Hebron auf der Hohe von unseren jüdischen Brüdern gepflanzt wird, ist. stets gesucht und steht dem besten Cypernwein nicht nach Die Trauben sind außerordentlich groß, so daß sie ein einzelner Mann nicht unversehrt fortbringen kann. Man findet zwölf Pfund schwere Trauben, welche Beeren von der Größe unserer Pflaumen ohne Kern haben. Ich dachte beim Anblick dieser großen Trauben an die Kundschafter Mosis, von denen zwei zur Zeit-der ersten Weintrauben vom Bache Eschkol eine Traube auf-einem Stocke trugen. Der Wein ist von rother Farbe, daher der Ausdruck: Traubenblut, doch giebt es auch weißen Wein. Die Weinberge um Hebron sind sehr ausgedehnt. Zuweilen sah ich mitten im Felde.eine ländliche Hütte von dem nebenan gepflanzten und am Dache emporragenden Weinstocke ganz überspannt. In jedem Weingarten steht ein kleines Haus oder auch ein Thürmchen von Stein, in welchem der Hüter wohnt. Ader zur Zeit der Weinlese beziehen die Bewohner