Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 39 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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156 und schoben, nicht mit Unrecht, den Mangel moralischer Entwickelung auf Rechnung ihrer wissenschaftlichen Inferiorität. Auch würde derjenige sich sehr täuschen, der in Bagdad außer liturgischen Gedichten auS neuerer Zeit oder einigen'Abhandlungen von geringem Alter einige Theile der talmudifchen Literatur finden wollte. Di« Bücher, derer sich die dagdader Juden bedienen, kommen ihnen auS Livorno oder Wien, die TalmudauSgade aus Anssterbam und Venedig, und wenigsten» verbietet ihnen die Adchesenheit der Verfolgungen und die Freiheit, die sie genieße, nicht die vollständigen Ausgaben, welche die von den europäischen Behörden unterdrückten Stellen enthalten. Auch ist ihre Liturgie fast ganz auf die der^ europäischen Synagogen basirt, nur trägt der Gottesdienst vielmehr den semitischen Charakter, in dem das individuelle Gebiet vorwaltet. , Gin sonderbarer^ Unterschied besteht darin, daß sie da» Wort Halleluyah/„jauch;er dem Herrn," buchstäblich nehmen ' und bei diesem Aufrufe sonderbare Töne oder vielmehr ein Geheul ausstoßen. Was die Gebräuche aadeldngt, so hat; denselben dir Einführung der gedruckten Bücher, auS Livorno namentlich, die asiatische Originalität genommen, und nur in dem Aberglauben zeigt sich der orientalische Charakter *).; Bagdad zahlt zwanzigtausend Juden; dreseß ist die ge-; wöhnlich angegebene Zahl, die jedoch bedeutend! übertrieben; sein kann. Gewiß ist, daß di, Juden sehr zahlreich sind und daß sie, den Muselmännern gegenüber, eine resi»,ktable und respektirte Minderzahl bilden. Auch liefert ihnln daS Bantiergefchäft, bas sie hauptsächlich betreiben, den ganzen bagdader Handel in die Hände. Kein großer christlicher Kaufmann macht am Sonnabend Geschäfte, weil dann die Läden der Juden geschloffen sind. ES sind auch großentheilS di« Js-! raelitrn, die die von europäischen Plätzen gezogenen Wechsel . acreptiren und daraus einen sehr großen Gewinn ziehen; diele» indeß geschieht ohne Betrug, da die Christen dieselben Zinsen nehmen und die Griechen und Armeniet noch mehr! ihre Schuldner schinden. Man sagt, daß zwei Juden dazu; gehören, um einen Griechen zu betrügen, zwei Griechen, um; einen Armenier, und zwei Armenier, um einen Perser. (Schluß folgt.) Notizen des Tages. Der König von Württemberg und seine S beweisen fortgesetzt den israelitischen Staa wohlwollendste Gesinnung. Sie veranlaßt« jün« sammlung sammtlicher Radbinen des Lande», den religiösen Werth der bei dem Eides more Formalitäten zu entscheiden. Die Rabbinen letztern als zur Verbindlichkeit des Eides nothwei mig ab, und dir Regierung wird nun in i. Kammersitzung einen Gesetznitwurf über Abfchr Eides einbriagen.—Zur Restauration einer 8ym> von Sraatsseiten 700 fl. bewilligt. — Dem fe ttzatsregierung tflbürgern die st eine Derira sich über udaico üblichsten. diese big einstimnächsten ffong jenes zöge wurden t 1838 im *> Hier folgt im Original eine lange Lnseinau die Aussprache des Hebräischen bei den vrientasische Amte stehenden Kirchenvorsteher zu Hedenhaufen, Rothschild, wurde vom Könige zu seinem 28jährigen Amtsjodiläum die silberne Civilverdienstmrbaille verliehen. — Der k. sachsische Minister de» Innern hat bei Gelegenheit abermals erklärt, baß in Sachsen die völlige bürgerliche Gleichstellung der Israeliten in Rechtskraft bestehe.— Der Congreß der ita lieni fchen Jsrarlirengemeinden zu Ferrara hat von den meisten italienischen Gemeinden die Zustimmung zu seinen Beschlüssen erhalten, so daß wir hier völlige Einhelligkeit herrschen sehen. — . Die jüdische« Fanatiker in Konstantinopel haben die Absetzung des sehr würdigen Chacham-Baschi Avigdor, well er ihnen nicht entschieden genug gegen diejenigen auftrat, welch« eine genaue finanzielle Control« verlangten, bei dem Großvezier durchgesetzt, vermochten aber nicht ihre Wahl, die einen ganz unfähigen Mann an die Stelle bringen wollte, zu erwirken, sondern der Großvezier hat den Grvßrabbinen von Adrianopel zum Stellvertreter eingesetzt. — Die serbisch« Regierung hat die dortigen Juden ihrer unter dem Fürsten Milosch erworbenen Rechte beraubt untz. sie in da» Ghetto von Belgrad gesperrt; alle Vorstellungen blieben bis jetzt erfolglos. — In der Schlacht bei Gekt y S burg sind namhaft 25 Israeliten von verschiedensten Graden für die Sache der Union gefallen. — Der Senat der züricher Universität hat den Professor Dr. Lazarus, der erst seit einem Jahre Ordinarius ist,' zum Rektor für das nächste Jahr erwählt. —- Vom Bundesrathe wurde Professor Vr. Adolph Hirsch, Direktor der Sternwarte zu Neufcharel, zum schweizerischen Delegirten für den statistischen Congreß in Berlin erwählt. — So weiß die Schweiz allerdings die jüdische Intelligenz zu schätzen und zu verwenden. — Der König von Dänemark har da»endlich den holsteinischen Ständen abgerungene Jubenoesetz proklamirt. E» ist eben ein Judengesetz. Es ertheilt den Juden das Rocht der freien Niederlassung, daS Bürgerrecht, den Grundbesitzrrwerd, gestattet ihnen daS Richteramt. versagt ihnen aber daS aktive und passive Wahlrecht und daS Lehramt. Es schafft die letzt« jüdisch« Gerichtsbarkeit in Europa ab, und enthält mehrere beschränkende Bestimmungen für die freie Kultusübung der Juden. — d rfi xtznng über Juden Allgemeine Zeitung beSJudenthumS. No.38. 1863' Inhalt: Leitende Artikel: Das Judenthum des 19. Jahrhunderts und da» Thristenthum. (Fortsetzung.) — Spenden- Liste für die Rießerstiftung. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M., Dresden, Mainz, Aus dem Großherzogthum Hessen. Preußen- BrrSlau, Bonn. Lesterreichischer Kaiserstaat: Pesth, Herrmaaostadt. Türkei: Aoustaulioopel. S3F* Zn beziehen durch jeder Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich % Thaler. Berank v örtlicher Redacteur 8. Fritzfche. «erlag vo» BauulgLrluer' Buchtzaudlung in Leipzig. — Druck r»u ®. ft r e 0 (i n g in Leivzig.