Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 39 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Bolksblatt ♦! Z-r Kelehrung und llnterQaftung auf jüdischem flefnetej. H«rpo»grgcb«n von - Rabbiner Vr. Lichwig Philippsou in Bonn. [No. 39. 1863.1 von dieser Zeirschnfr erscheint «Schtzatlich eine Rümmer. Preis de« 2»hr» ,a»,s 1 Lhlr. BiertÄjihri, 7 % Rgw All« vuchtz«»d!»»geu, Postämter ' »»d ZeitnAgsespeditioneu nehme» vestell»»ge» ao. [10. JaKrg. 3. Quartal] Bilder ans dem Oriente. Bon I. I. Rosenmeyer in S. A Ujhe ly. ■ I. Da« Sinaigebirge. —— Wir zogen immer weiter und weiter auf dem wilden (/Gebirge, der Weg wurde öder, dir Sonnenstrahlen heftiger und da« Gebirge zerklüfteter. Endlich rief unser Führer: „Schuh Dschebel Mosche" (Schauet den Mosesderg)! Eine noch nie empfundene Rührung ergriff mich bei dem Rennen diese« Namen«, mein Blick war nur nach diesem denkwürdigen Gebirge gerichtet, ich hörte und sah sonst nicht«, ich hatte nur Auge und Ohr für den göttlichen Berg. Gegen drei Uhr nachmittag« erblickten wir da« große Kloster in seinem ganzen Umfange. Unsere Augen hafttten mit sprachlosem Entzücken lange auf dem reizenden Tßale und auf dem majestätischen Berge, bevor wir hinadritfen. Wir hatten unseren Dolmetscher mit dem Empfehluffg«- schreiben nach dem Kloster vorauSgeschickr, um un« die laudniß au«zubitten, einige Tage daselbst verweilen zu fen. Sie wurde un« gewährt und so zogen wir in Kloster ein. Am meisten fiel un« dabei auf, baß da« bäude weder Thor ncch Thüre hatte. Au« einem hohen Fenstei^wurde ein Strick Heruntergelaffen, an dessen ein großer Ring angebracht war. In diesen mußte sich einer nach dem anderen fetzen, und so wurden wir mitstl« eine« Flafchenzuge« bi« zum Fenster hinaufgezogen, da« vom Boden wohl gegen 40 Fuß hoch war. Wir wurden äußerst gastfreundlich von den Klosterbewohnern aufgenwnmen. Den ersten Tag brachten wir damit zu, un« von . den Anstrengungen der Reise zu erholen und da« Kloster in Augenschein zu nehmen. E« hatte ganz da« Ansehen einer Festung; denn eine hohe starke Mauer au« großen Granitdlöcken und Backsteinen umgiebt e« ringsum in einem unregelmäßigen Vierecke. Auf jeder Ecke steht eine Kanone und oben durch die Mauer gehr ein Gang, in welchem leichte« Geschütz angebracht ist. Sehr wodlthätig fpri ht überall in den Gemächern und auf den Höfen die sorgfkltigste Reinlichkeit an. Mir vorzüglich gewährte sie n ch der heißen Wüstenfahrt einen unaussprechlichen Gen, ß. , Da« merkwürdigste Gebäude ist die Kirche, die der ost ö- ' mische Kaiser Justinian erbauen ließ. Die Kirche ist ni ht groß, aber sehr schön und hat L Schiff,. Da« blau emalte, den Himmel mit grüne» Sternen darstellende Gewölbe ruht auf zwei Reihen von Granttsäulen. Der Füßboden, sowie die Wände bestehen au« schwarzem und weißem Marmor; an letzteren prangen auch noch ln herrlichen gold, nen Rahmen viele Gemälde. Iur Erleuchtung der Kirche dienen eine Menge goldener und silberner Lampen; ßenn der Gottesdienst in derselben beginnt 12 Uhr nacht« und endet 0 Uhr morgen«. In der Kirche ist eine Kapelle gerade über der Stelle erbaut, wo Mose« einst den brenne»- den Busch erblickte, durch welchen Gott sich ihm offenbarte. Bevor wir sie betraten, zogen alle Fremden und Mönch« die Schuhe au«, den Bibelstwuch beherzigend: „Tritt Picht herzu, ziehe deine Schuhe au« von deinen Füßen, denn der Ort, darauf du stehst, ist ein heilige« Land." Ich war von dem Gefühle durchdrungen, daß die« ein heiliger Boden sei. Am zweiten Tage ging ich mit meinen Reisegefährten in etwa sechs Stunden ring« um den Berg Sinai, «eist durch da« denselben umgebende Bostanthal, und am drücken Tage früh sich« Uhr bestieg ich deck Berg in Begleitung eine« Mönche«. Anfangwanderten wir 'über hingesssett Feldstücke hinweg; doch wurde da« Emporsteigen durch! die mehr und mehr verengte Schlucht immer mühsamer. Wir näherten unziemlich angestrengt der Hochebene zwischen den zwei Hauptgipfeln de« Horeb; au« diesen erhebt sich der eigentliche Sinai, ein noch höherer Gipfel. Der Horeb bildet die Grundlage de« Sinai; die erste Bergstufe desselben und feine Gipfel sind, die Brüste de« Berge«, dessen Haupt dbr Sinai ist. Bevor mau die Platte de- Horeb durch ein Felsenthor erreicht, sieht man am engen Wege zwei gemauerte Brunnen, von denen der eine jedoch ohne Wasser ist. Nicht weit davon stebt, wie mitten au« hem Kelsen gewachst.», ein Cypreffenbaum ring« mit einer kleine» Mauer umgeben. Die Aussicht von diesem Platze auf da« starre Felsengebirge umher überrascht durch ihre Seltsamkeit. Auf dem Berge selbst ist keine Spur von Pfiauzenwach«- thum zu erblicken. Auf der Gebirgsplatte kamen wir zu einer Kapelle, die den Namen de« Propheten Elia trägt. Daneben Ist eine Kellenhöhle. im Berge, welche Elia, vor der Verfolgung de« König« Ahab und der verruchten Zsäbel gesichert, bewohnte und mir Gott sprach, der sich ihm hier in einem stillen sanften Säuseln offenbarte. Wir kamen dem eigentlichen Sinai immer näher »nd näher und schüchtern und mit heiliger Scheu betraten tolr diesen so heillgen Ort. An zwei christlichen Capellen vorüber gelangten wir gegen 8 Uhr morgen« auf den Gipfel de« Berge«. Zwei Kapellen, eine christliche und eine Mu» hamedanisch«, stehen auf demselben. Wie von heiliger Scheu angewehr lasen wir unter freiem Himmel die 10 Wörte