Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 38 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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151 — nicht« mehr/' sagt« mit entscheidender Miene ein beleibter, in'einen kostbaren Pelz gehüllter Herr, der mit "Ändern Neugierigen auf ein Weilchen stehen geblieben war, und ging seine« Wege« Meiler. Und Sternt Körperlich uäd gei, stig müde kehrte er niedergeschlagen in seine ärmlicheWoh» nung zurück; allein trotz der tiefen Bekümmerniß nahm er unverzüglich die Ausbesserung der Schäden vor, welch« der unglückliche Umsturz de« Schlitten« angestiftet, und Endlich nach Verlauf einiger Zeit gelang e« ihm, die Maschine gewiß noch vervollkommneter wiederhrrzustellen. j Bald erschien der Tag de« Glücke« für S.; denn! seine Rechenmaschine steht vor seinem würdigen Protector ^Sta» fchitz, der mir aufmerksamer Höflichkeit der Beschreibung Abrahams zuhörend, der Erfindung und Ausführung! seine Bewunderung zollt; und als der würdige Kaplan zurt Beweise seiner Hochachtung und Anerkennung die Rechch des Juden in der seinen herzlich drückte, standen vor den Augen beider deutlich, prägten sich beiden tiefer in« Herz die für die Bekenner der beiden Religionen gleich heiligen Morte der Schrift: „Liede deinen Nächsten."! Da Staschitz der Präsident der königl. Gesellschaft der Wissenschaften war, stellte er S. zum Mitglied« derselben vor, wogegen zwar manche Mitglieder waren, ader>ihre Stimmen mußten vor den eindringlichen überzeugenden Worten Staschih'S verstummen. Im Sitzungssaale der Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften nimmt den Äorsitz Staschitz ein, die SecretärSfeder führt Ludwig Jasürski, da« Protokollbuch vor sich auf dem Tische aufgeschlagen; die andern Anwesenden sind Becgonsoni, Woronitsch,«Kajetan, Kaminski, Koptschinski Chobkiemitsch. Bohusch vtasmomski, Kirialkowski. Linde und Bentkowski. Jnmirtenldie» sec und vieler andern in der Versammlung anwesenden großen, durch Geburt, Rang, Wissenschaft und Verdienst äuS« gezeichneten und hochgestellten Personen erblicken wir W5., wie er durch einen Geistlichen «ingeführt, in langem schwapzen Talare einen breitkrämpigen Hut in der Hand, mit fessem, würdevollem Schritte sich dem Prasidirenden nähert, ivor dem auf dem Tische die Rechenmaschine steht. Koptschinski, Linde und einige andere reichen ihm zur Begrüßung di« Hand; jetzt macht S. den Deckel de« Kästchens auf, d ltet um gefällige Aufgabe der Rechnungen^lrgt bcuth die Zif ern zusammen und dreht so lange die -Kurbel, dis da« Eri Ingen eine« Glöckchens im Innern der Maschine daS 2 uf* hören der Drehung andeuret, und unter den geordn len Zahlen der Aufgabe die geordnete Lösung sich zeigt. Bo löset da« Kunstwerk Stern« pünktlich alle Aufgaben de 4 Spezies, und die Bewunderung und der Beifall der Anwesenden, die Ehre, zu dieser Gesellschaft hervorragender Männer zu gehören, bilden für S. eine reiche Belohnung (für alle seine Mühen und Arbeiten. Von nun an gewann S. die allgemeine Anerkennung und den Zutritt zu den höher» Gesellschaftszirkeln, hörte jedoch nicht auf mit Npth und Mangel zu ringen, die er, von edlem Stolze geleitet, nach Möglichkeit zu verhehlen suchte. — Der Fürst Adam Tscharorinski, der die Rechentv liebte und auch ein sehr geschickter Rechenmeister war. k»m Sie ne auf den Einfall, mit der Rechenmaschine Stern«' um Wette zu kämpfen; allein der Mensch mußte der Masch den Vorrang zugeben. Da der Fürst den gelehrten Juöen hochschätzte, beehrte er ihn mit einer Einladung nach Pulawi, feinem Wohnsitze, wo man S. eine prächtig decorftte Wohnung im fürstlichen Palaste anwie«. Die Dienerschaft, die ihm gleich nach seiner Ankunft da« MittagSessen brachte, begleitete eine Jüdin zur Bezeugung, daß alle Speisen streng nach den Gesten de« JudenrhumS, welche S, skrupulös odservirte, zugerichket' waren. Abend« zur bestimmten Stunde trat S. in den Saal, wo sich der bei diesem Hofe gewöhnliche Gesellschaftskreis bereit« versammelt batte. Man trug eben auf großen Präsenlirbrettern Tassen Thee herum, aiS inmitten dieser mit Orden bedeckten glänzenden Herren sich ein bärtiger Jude in schwarzem langen Kaftane zeigte. „Ach gensiß rin Gaukler", flüsterte jemand. Der würdige HauSwirrh» dem er sich genähert, ihn erblickend, grüßte ihn mit hoflichenWorlen, und zum Lakaien hinkretrnd, der dem f«Itfjm«nj @ajt auswich, nimmt er eine Tasse Thee und reicht sie dem Juden hin. Bald erfuhr man vom Fürsten, daß -W Angekommene Abraham Stern heiße, und nicht mehr wich! man zur Seite au«, um nichts mit dem langen Kaftan iy Berührung zu kommen; man lächelte nicht mehr sarkastisch, sondern umgab ihn vielmehr mit allen Zeichen der Hochachcung. - .; In der Folge wurde-S-, zur Anerkennung seine« Wissens, Mitglied der Commission, die mtt dtr Abfassung eine« Re» formplan« für die polnischen Juden beauftragt war. >DaS Wirten Sterns nach dieser Richtung .hin zu schildern,.würde die Schranken diese« Aufsätze« überschreiten. S! führte bis zu Ende seiner Tage (und er erlebte ein hohe« Alter') ein gemeinnützige«,> der Arbeit, dem Fortschritte und den Wissenschaften gewidmetes Leben. Außer der gründlichen Kenntniß der hebräischen besaß er!noch die der lateinischen, polnischen und deutschen Sprache^ Ehre dem Andenken Abraham SttrnS! Ehre demAn^ denken eine« Manne«, der sich durch die Würdigkeil! de« Charakters wze durch Kenntnisse und Fleiß auSzeichnete j Leon, MendelSburk. Die Juden unter dem deutschen Saiflcr Heinrich VII,! (1308 — 1313 ge de« unerwarftttn übten auf die öage nst Die Parteiungen, welche m Fo Tode- Kaiser AldrochtS sich »öffneten der Juden im ganzen deutschen Reiche einen nicht unwe sentlichen Einfluß. Graf Heinrich von Luxemburg,! der spatere Kaiser Heinrich VU., war gegfti einen.französischen Rivalen al« Bewerber um die deutsch« Kaiserkrone aufzetreten und suchte die Kurfürsten al« die eigentlichen Wähler sich geneigt zu machen. Al« Mittel zu seinem Zntrcke benutzte er, wie mehrere'seiner Nachfolger, die Ju^r, welch« er bald verschenkte bald verpfändete. j Um sich der Stimme de« Erzbischof« Heinrichs j ll. von Köln zu versichern, versprach er ihn» unter andern auch die Juden von Dortmund und hob ihr« Verbindlichkeit gegen den Grafen von der Mark zeitweilig auf. ) *) Er flat« den 3. Februar 1842. Den Nekrolog schrieben die öffentlichen Blätter Polen«, insonderS Kurier WasschawSki.! » Anm. de< UeberletzerSi. .**) Lacomblel, Rhein. Urlundenbuch, III, 92.! f