Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 37 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
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T i eine groß, und wriehia bekannte gewesen fein. Soviel nun die Geschichte entnehmen läßt, steht e« fest, da« die hiestzen Jlldm, den damaligen Berhältniffen enrspreÄmd» unerme-lich reich gewesen; Kaiser und Könige waren iyntn verschuldet, der größte Theil d,< Handels lag in ihm» Händen, aber trotz vieler Privilegien und dem Schutze der Kaiser, deren Kammerknechte sie waren, lebten sie unter dem Druck und Einfluß der herrschenden Meinung, welcher sie isich bald mehr oder weniger beugen mußten. Das Jndenquartiec stand bis -um Jahre 1510 auf dem jetzigen Neupfarrplatz und erstreckte sich nördlich bis zur Kramgaffe und deren nächste Umgebung. Da, wo jetzt die pro» lestantiffh, Neupfarrkirche stehr, befand sich damals die Synagoge, welche wahrscheinlich im Jahr« 1004 erbflut ober restaurirt wurde; sicher ist, daß Kaiser Heinrich IV. in diesem Jahre den Juden ihre Freiheit bestätigte und die Spnagoge „wieder auf-urichten" gestattete. Andrerseits wird nicht ohne Grund angenommen, baß sie nur reaovirt, ihre Hauptdestandtheile aber, wie sie 1519 zerstört wurden, mehr als 1000 Jahre gestanden hätten. — Wie schon erwähnt, erfreute sich die hiesige Judengemeinde wegen d«S jährlichen Tribut« eine» vorzüglichen Schutzeder deutschen Kaiser, den ihnen namentlich Kaiser Maximilian in ih^en Streitsachen gegen die Stadt zuwenbele, wa< hierorts sehr übel vermerkt wurde. Al» aber Maximilian beim Beginne Ist« Jahres 1519zuWelS gestorben war, glaubten die Bürger den günstigen Augenblick benützen zu müssen, um den schtzn oft gefaßten Entschluß, die Juden wegzuschaffea, in Ausführung zu drinoen Am 21. Februar 1519 erschien Jakob Krönigl mit zahlreichem Gefolge vor dem Rath und erklärte: wie bas gemeine Wesen der Stadt durch die Juden Schaden leide, daß bas Handwerk verfalle,') der Getreide-, Wein- und Eisenkauf, kurz aller Handel in ihren Händen sei, und daß die Gemein dies Ungemach nicht mehr dulden wolle. Schließlich verlangten alle deren AuSschaffuug, und der Rath, welcher in dieser Sache längst eine Einigung mir dem Bischofsadministrator erzielt hatte, eröffnet« nach kurzer Be» rathuag, baß diesem Verlangen entsprochen werde. Sogleich begaben sich der Schultheiß Schmaller und die RathSherm Caspar Amon und HierSborfer nebst bewaffneten Bürger» in die Judenstadt, versperrten die Thore und verkündete» den Beschluß: baß alle Juden die Stadt verlassen und ihre Pfandschaftrn zu RathS Händen stellen müßten. Schutz und Sicherheit der Person und des Eigenthums wurde versichert und ihnen aufgerragen, Schiffe in Bereitschaft hallen, um auch die Kranken und Armen fortschaffen z können. Eine Ausnahme wurde übrigens mit dem bischöf» lichen Hofjuden Moffeh v. Auerbach gemacht, welcher sich noch länger hier aufhielt und am 28. Febr. 1519 mit den reichen Moffeh v. Fulde, (Lauttnfchlager genannt), Pymana von der Fwyenstadt, Isaak Waltd, Guetlein, Isaak Schnee, BeratShauser, Josef v. Aicha, Ascher Leb von Rom, Puede klein Heller, Joel Kyzinger und Moses Lerch rc. eine Uebereinkunfr besiegelt, daß jedermann. der Pfänder unter den Juden habe, dieselben um die Hauptschuld einlöfen könne. 147 — ^Hierauf bat männiglich — sagt eine alte Chronik — ihre Synagoge angefallen und niedrrgeriffen; selbst der Bist »os-Ädmlnistrator und die gesammre Geistlichkeit legt« Han» an, niemand schloß sich aus, täglich arbeiteten viele Hunt ert Menschen und Hunderte von Wagen^ Auch bei 300 der vorzüglichsten Frauen und Jungfrauen kamen mir ihren Mägden paarweise in einem Zuge mit einer weißen Fahre und Lampen in der Hand, den klugen Jungfrauen im Evangelio ähnlich, und arbeiteten mit übematürlicher Kraft und Anstrengung. Ein anderer Theil zog zum Thorr hinaus zum Jubmbegrädniß hinter dem Petersklösterchkn am Fuß« de- Galgenberges, zerstört» die herrlichen Grabmäler und Tausende von Monumenten, deren Text den Historikern H manche Kunde über die »kältesten Zeiten zu ge.en vermocht hätte. Nach Niederwerfung der Syna, zog» i ilten noch Tausende herbei, den Schutt wegzuräumen, bereit» am 14. März war der Platz frei, und mau errichtete auf einstimmigen Wunsch der Bürgerschaft einen A^tar zur Ehre der — „Gottesmutter", i 1 Auf demselben wurde ein geschnitzte- und bemalte» Marimbild gestellt, welche« angeblich über 1000 Jahr« in einer Capelle »am Grauwinkel (Kramgasse) aufdewahrt gewesen und vom hl. Luta», welcher hier gepredigt haben soll, gefertigt war. Am 25. März wurde dieser Altar durch ^den Üjeihdischof Peter Kraft geweiht und der «tft* GottesKienÜ adgehalren. Nachmittags predigt« Dr. Räch Huedajeyer auf offenem Platze, und wurde sogleich beschlossen, den Altar mit einem hölzernen Bau zu umgeben, welcher auch bald vollendet war. Diese Capelle hieß v!on nun an „zur schönen Maria" und wurde in der Folge «in weitberühmter Wallfahrtsort. (Bei derselben wurde der vochrngende bisherig« Domprebiger Dr. B. Huebweyer v. Friedbeeg als Prediger angestellt, welcher schon früher durch f(iae Kanzelreden den Haß gegen die Juden aufstachedte. Huebmryer trat Übrigen« 4 Jahre später zur Sectt"8er Wiedertäufer Über, wurde au« der Stadt geschafft und später Pfarrer in Waldhus bei Lasel; auf einer Reffe durch Mähren, wo er seine Lehre zu verbreiten suchte, wurde er auf Befehl Kaistr Ferdinand'» ergriffen und am 10. März 1528 in Wien verdmnnt.) Die Vorarbeiten zum Baue eine« großen Gotte-Hause» wurden indessen emsig betrieben, man schaffte über 5000 jüdische Grabsteine vtzn ihrem Begräbnißorte unterhalb de» Gblgenberge» in die Stadt, welche zumeist zu dem Fundamente der Reupfavr» kirche verwendet sind, und wahrend der jüngsten Restalr» ratioa viel« derselben zum Vorschein kamen. *) Die gewöhnliche Lamentation — deren Unrichtigkeit sich auch an Regensburg bewährte, da» vom Augenblicke der «oßtrei^ düng der Juden an verfiel. Handel und Gewerbe verlor und weil umer seine frühere BlÜlhr sank. Redaktion. Jüdische Fabeln und Parabeln von Albert Rosendaum in Schöfrland. (Fortsetzung.) 9. Zur Mutter in den Silberhaaren Und mit dem Gotte-geist im Blick Sprach einst dir Tochter, jung an Jahren, Doch'kühn gemacht durch FreierSglück: „Fort, du verwünschte Alte! ziehe Au« meinem Hat»«, da« ich dnvoha'; __ Ich kenn' dich Alte nicht, und fliehe Dein Feueraug' von weitem schon!