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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 37 (1863) · p. Seite 146

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
37 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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140 — recht-. Dritten-: die B ru berlie be. Als Brüd, r,sollten sich alle Volksgenossen betrachten, als Brüder ftq deistehen, unterstützen, aushelfen. Nicht allein, baß als öde ste- Gesetz: „Liebe delnen Nächsten wie dich selbst" verkündet ward, auch tbatsachlich hatte der Hülf-bedürftige ein vol cS Anrecht an'die Aushülfe seitende- Bemittelten, an seine Ernte auf dem Felde, an seine Ernte von den Früchten »er Baume, an seine Oele und Weinlese, an all seinen Besitz. Und fürwahr! meine Fr., wo diese drei Grundgesetze nicht blos tn schönen Sätzen, sondern in That und Wirk ichkeit vorhanden, wo sie ein Volk beherrschen und in Sitte und Brauch sich verkörpern — da ist der Friede im Vo ke gesichert, und keine Umwälzung und kein Bürgerkam f möglich. Und darum, wenn nun auch Israel weitbavon enrfer rt blieb, das Gesetz seiner Religion ganz und im rechten Geiste zu vollführen, wenn es, wie e< immer bei den Mensche ir geschieht, oft da- Unwesentliche streng festhielt, und da- Wesentliche, weil schwierig, weil hohen und edlen Geist und Aufopferung erfordernd, hintenansetzte: bieGrundzüge jener höl ssten Gesetze prägten sich in ihm durch alle Jahrhunderte a, die gesetzliche Gleichheit aller verblieb in seinem 3 chooße bis heure, die brüderliche Barmherzigkeit wurde bu:ch die spateren Gesetzeslehrer in immer neuen Vorschriften wie durch die Vorschrift de- Zehnten von allem Erwec für die Armen betharigr — selbst unter den ungünstigst >a Verhältnissen, selbst alalle politische und soziale Selbst »estimmüng ihm genommen worden, bewahrte sich chm seine 3 Religion als ein Frieden-bund. der di« Hütten aller seine Bekenner, wenn auch außen geknechtet, mir dem Geist« ier Freiheit, mit dem Odem der Gleichheit, mir dem Weh«n der Liebe erfüllte. Darum ging Israel nicht unter in f« nem Jammer, versank nicht in Geistesverdümpfung. en artete nicht in -Sitteulosigkeit.— Und endlich drittens ist die Religion Zsrael'S ein Frieden-bund für jeden Einzelnen ihrer Beken irr. Nicht Kampf, nicht Widerstreit, nicht Zwiespalt, son xra Einig» keir. Befriedigung. Sicherheit in dem Geist« jedeihrer Anhänger ist ihr Ziel, und wer sich ihr treu «rgiedt, dem ertheilt sie dieseunschätzbare Gur. Denn dieReli ionJsrael'S wendet-sich nicht blos an deinen Gauben, den Gla> den, den du den Lehren deiner Väter und Väterväler schuldest, andern auch an deinen Verstand, den sie von ihren Lehren überz, agt, und an dein Herz, dasie mit Gefühlen der Erhebung und siebe erfüllt. Da dringt sie dir den Frieden mit deinem Gore, den sie dich erkennen und anbeten lehrt aleinen einig-e nzigen, alben unendlichen, allmächtigen und allweisea Schöp er der Welt, alden' ailgütigen und ällgerechken Lenker dr Geschicke, als den alldarmherzigen Richter deine- Thun-, d ffen Gnade über alle Wesen, dessen Barmherzigkeit bizu dem liefst gefallenen.,Sünder reicht, dem jedweder gegerwärtig ist, der keinseiner Geschöpfe vergißt, dessen Huld bihierher geholfen, Neffen Erbarmen dihierher uns erhal en! Sollt« das nicht der Friede sein? — Beuge die K riee, erhebe di« Hand, bete an — Friede ist mir dir! Dl bringt sie dir den Frieden mit deinem Nebenmenschen, gegen l en du Recht khun, Lied« üben sollst, in Lebensgefahr ihm nic,t abstehen, in Nöthen ihn nicht verlassen, ohne Unterschied de- Glauben-, de- Varerlaade-, des Standes, dr- Alke - und Geschlecht-, jedweden Menschenbruder -- dm Fri«»ea in dein Haus, da du deine Eltern ehren sollst, al« (sötte- Vertreter für dich, deine Gattin, deinen Gatten mit aller Treue und Hingebung umfassen, deine Kinder in Selbstaufopferung in Gottesfurcht erziehen, all die Deinm mit Nachsicht und Schonung, mit Saaftmuth und Zartheit umgeben sollst. Sollte danicht der Friede fein?" Weiche vom Bosen und thue Gutes" — Friede ist mit dir! Und da bringt sie dir den Frieden mir dir selbst. Du hast gefehlt, kehre um; versöhne, den du belekdigst; entschädige, dm du geschädigst, und dir ist vergeben; du hast gesündigt, bereue, bessere dich, läutere dich, thue da- Böse nicht noch einmal und siehe, du lebest, siehe, in deiner eigenen Macht liegt die Versöhnung, nicht in der eineandern; du bist unmittelbar deinem Gotte verbunden, und so du dich reinigst von deiner Schuld, gehst du zum ewigen Leben ein. — Wer du auch seist, Mensch, ob Jude oder Nichljude, wirst du treu und gerecht und wahrhaft befunden, gehest du ein in bas ewige Leben. Sollte danicht der Friede sein? Fass es „in dein Herz und deine Seele" — Friede ist mit dir! So ist bi« Religion Israel'- ein ewiger Friedm-dund. Und ob nun die Berge weichen und die Hügel wanken, ob Stürm« tausendfacher Art über die Menschheit, über Israel, über jeden Einzelnen von uns dahinfahrea, ob Stürme, die unsere Hüllen einstürzen, unsere Pflanzungen entwurzeln, den.Grund aufwühlen und die Lüfte versinstem — sie gehen vorüber, an der Menschheit, an Israel, an jedwedem von unS; bann steht der sanfte Friedensbogen wieder an unserm Himmel. glänzend, beruhigend, tröstend — „denn der Mund de- Ewigen hat geredet." Die Juden in Regensburg. Da- Regensburger „Conversation-blatt" enthält «ine historische Skizze, der wir Folgmdeentnehmen. Wohl wenige Städte Deutschlandhaben eine reichere Geschichte al- Regensburg, welcheim Lauf« der Jahrtausende die verschiedensten Geschicke und Wechselfälle derselben erfuhr.- Unstreitig aber stand Regen-burg im 11. Jahrhundert in der höchsten Blüthe. E« wird angenommen, daß Regen-- burg damals die volkreichste Stadt Deutschlands gewesen. In confessioncller Beziehung war die katholische Religion die herrschende, doch lebten seit unfücdenklichen Zeiten auch die Juden hier, welche Synagoge, Lehrstühle und einen ganzen Sravttheil (Judenquartier) in Besitz harren. Der Zeitpunkt ihrer ersten Ansiedlung rst nicht bekannt, unzweifelhaft aber dürfte sie mehrere Jahrhuadette v. Ehr. stallgefuadm haben, da die Juden mehrmals und namentlich schon im Jahre 1277 vor Kaiser Friedrich zu Linz, in ihrer Beranwortung gegen die Regensburger mit vielen Schriften bekräftigt haben, daß sie „auf die 1-00 Jahr« ihren Wohnsitz hkerselbst gehabt hätten". Aehnliche Beweise wurden auch später erbracht und weitere« meldet OstrofraokuS, daß die Juden von Jerusalem zur Zeit Christi den Aeltefien der hiesigen Gemeinde «in Seadschreiden schickten, in welchem die Ereignisse bei der Kreuzigung Christi geschildert sind.') Die Judengememde in Regensburg mußte daher schon um jene Zeit *) Dieses Märchen von einem solchen Sendschreiben wird aus verschiedenen alten Gemeinden gemeloet. Es ist erfunden, weil diese Gemeinden sich damit gegen die stet« drohenden Verfolgungen decken wollten, and wurde vo» der Gegenseite als ein historischer (!) Beweis gern entgegeugenommea, ohne daß es freilich jenen Gemeinden etwa« balf. Redaktion.

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