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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 37 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
37 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolkslilatt. Zur -Lelehrung und Unterhattung aus jüdischem Herausgegebea von Rabbiner Di-. Ludwig Philipps»« in Bonn. pto. 37. 1863.1 voa birjrr ZetNtbrikl Mchrtal «ScheuUtch rine -tu«»er. Preis de« Äabrgaog« » Ltzlr. «ierreljt-rt» 7 % Sigr. »lle vachhaablNagra, $ofUanet nab AeinOstsexvebitroRe» »eb«e» Be-rouaze» «a. [10. Jahrg. 3. ^u^rtat.J diVe rvna Die Religion Israeli — der Friedensbund. Eine Betrachtung. Der Prophet (Jesaias 54,10.) spricht: „Mögen diejBerge weichen und die Hügel wanken, doch soll meine Snade nicht weichen von dir, und mein Friedensbunb nicht wanken, spricht dein Erdarmer, der Ewige". Könnt« es zweifelhaft sein, was der Prophet unttr dem „Frtebensbunde" versteht? Sicherlich nicht. Erde» zeichnet damit die Religion Israel'«, zu welchem er ja spricht. Und dies« Religion war und ist der Fried,nsbunh des Ewigen", der ewige Gnaden- und Friedensbunb Gottes, der nicht wankt und nicht weicht, auch, wenn die Berge weichen und die Hügel wanken! Folgende Erwägung soll uns dies näher dringen. < Die Religion Israel ist zuerst ein Friedensbunb'mit der ganzen Welt. Denn unter allen Religioneq, die dadestehen, war und ist sie die einzige, welche niemalp das Schwert zog, um Andersgläubige zu ihrem Bekei^nmiß zu zwingen, niemals ihre Wahrheiten mir Waffengewalt zu verbreiten suchte; sie, die Religion der vier Jahrtausende, ist noch heute jungfräulich rein vom Blute Anderer Völker; sie war nicht gekommen, Nationen gegen Nationen, pstenschendrüder gegen Menschendrüder zu bewaffnen uni des Glaubens willen. Rur den leisen, stillen, langsamen^ aber sichern Eroderungszug der Wahrheit auS deren und! mit deren eigner Siegeskraft zieht sie seil ihrem Beginne an dis auf diesen Tag. Wie? Könnt ihr eine Stele in unseren heiligen Schriften Nachweisen, welche die Bekenner des JudenthumS aufforbert, Kampf anzufachen im Men» schengeschlechte um der Religon willen? Seit zwei Jahrtausenden weilen die Söhne Israel'« unter allen Ratwnen der Erde. Sagt, wo ist der Streit und der blutige Hader, der von ihnen ausging? Haben sie nur jemals verficht, Verfolgung und Bedrückung irgendwie zu vergebe«? Schlossen sie sich nicht überall brüderlich an, wo man ihn« die Hand nichrverweigerte? Und selbst auf dem einzigen Erodemngszuge, den Israel zu thun hatte, nach dem Lande der Verheißung — denn irgendwo mußte das Volk, das die Gqtteslehr« hatte und pflegen und wahren sollte, doch wohshaft sein — ward ihm verboten, mit Edom zu kriegenfund mit Moab und mit Ammon, sondern zu allen Zeiten »erlheidigte sich Israel nur, so es angegriffen ward, so man es verderben, vernichten wollte — sonst hatte und hielt es Frieden mit der ganzen Welt. Denn ein Friei ms» dund sollte seine Religiun sein f ü r d t e g a n z e W e l t. Denn ob die Potteslehre auch nur an Israel verkündet uni über» geben warb, weil all« anderen Nationen damals in i »eidearbum versunken waren, so war sie doch bestimm!, alle Völker der Erde, die ganze Menschheit dereinst sich zuzu» wenden. Denn sHon in Aegypten, sagt die Schritt wie» berholt, geschehen, all die Wunderzeichen, „damit alle Welt erkenne, daß der Ewige Gott ist, keiner mehr"".! Und alle Propheten verkünden, daß dereinst' „hie ganzj Erde voll sein werde der Erkennrniß, wie die Wogen bedecken da« Meer", daß dereinst alle Völker der Erd« anbetend sich beugen werben vor dem Einig- Einzigen, den Israel bekennt; und dies wird ein Friedensbunb sein für alle, da werden, wie der Prophet sagt, „die Völker nicht mehr den! Krieg erlernen, sondern die Schwerter zu Winzermessern, di« Speer« zu Sicheln schmieden." Freilich! nicht Jahrhunderte^nicht einige Jahrtausend« reichen dazu aus; Geschlechter! nach Geschlechtern rücken langsam dahin vor. — Wer aber, der Augen har zu sehen, gewahrt nicht, daß die Zeichen der Erfüllung schon in unserer Zeit, gewahrt nicht die Spuren allgemeiner Erkennmiß, allgemeiner Verbrüderung, allgemeiner Duldung und Gerechtigkeit trotz aller Hindernisse, die noch zu überwinden sindt oiV® o*bw „Friede, Friede den Femen und den Nahen!" rufet bi« Religion Israel'« der Welt entgegen, und ihre Stimme hallt! durch 'alle Zeiten und Räume, und ihr Widerhall wird immer stärker und stärker/ dis sie dereinst gehört wird ajllwege und von allen! — Die Religion Israel s war zweitens einFriedenSbunjd für das Volk Israel selbst, an da« sie zunächst gedichtet war. Denn sie stellte drei Grundgesetze auf, welche «4t« wahren und unveränderlichen Bürgschaften des Friedens in einem Volke sind. Zuerst: die Gleichheit aller vor dem Gesetze und durch das Gesetz. Wie wir alle Söhne Eines Vaters, Geschöpfe Eines Schöpfers sind, so spricht die heil. Schrift wiederholt au«: „Ein Gesetz, Ein Recht für alle!" Keine Vorrechte, nicht durch Geburtsunterschiede, nicht für den Priester und den Laim , nicht für den Fürsten und den Volksmann. Ja, auch faktische Gleichheit, so weit diese bei der Heiligkeit de« Ei'genlhüms urw bei dessen freier Bewegung möglich ist, durch Vermeidung de« Uebermaßesvvn Reichtum und Armuth mittelst &« Erlaß- und Jubeljahres. Zweitens: die persönlich« $tetbcitlaU«t Einzelnen, so daß das mvsaischeSrrafrecht selbst die Kerkerstrafe (wie auch die Untersuchungshaft) nicht kennt. „Du sollst kbines Menschm Knecht, du sollst nur Diener de» Ewigen, deines Got» tes, fein", war der erste Artikel des israelitischm P^vat»

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