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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 36 (1863) · p. Seite 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
36 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 145 (sequence 3)
Language
German
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— 143 — nicht die gemeine, doch die ästhetische Wahrheit za verletzen. In Offendach« Zaakduett ist alle« anmuthige Melodie, von der ersten di< zur letzten Note, und dennoch hören wir die bothaft sich zankenden Weiber. Ein Eomponist, der da« in seinem Genre zu leisten vermag, ist, m<H diese« Genre relativ ein kleine« sein, unzweifelhaft ein bedeutender Künstler. Die Misisgruppe von Rauch. Innige Begeisterung ergreift den Beschauer, der vor der jüngst ausgestellten Mosisgrüppr von Rauch steht und sich mehr und mehr in die« herrliche Werk vertieft, welche« die Kunstliede unserer Herrscher für da« schon so reich ge» schmückte Potsdam bestimmt hat. Vor unsern entzückten Augen breitet sich der Frieden«garten im üppigsten Grün, süße Stille ist ringsum auSgegoffen und die ganze Flur mir ihrer kunstlosen und geschmackvollen Anordnung ladet zu der Andacht, der dies« Stelle geweiht ist. Hisr fanden, von einem einfachen Säulengang umspannt, beide Religionen ihre Vertretung in mehreren ebenbürtigen Kunstwerken. Wenden wir uns zu der Mvsi«gruppe, als der vom religiösen Standpunkte kür un« interessantesten.! Der Kürfstler wählte den Moment, al« unten di« Amalekiter» schlacht würhere, al« Israel, da« so eben dem Sklavmjoche Aegypten« entronnen, all sein Streben dem heiligen Berge zugewendet, und nun von den wilden Scharen angegriffen, de« Kampfe« ungewohnt, zu erliegen drohte. Da lenkte der herrliche Führer seine Schritte auf eine Anhöhe> und sein heiße« Gebet suchte Hilfe für da« bedrängte Volk de» dem, der sie bi« hitrher gnädig geleitet. Flehend streckte er die Arme zum Himmel, von dorr erwartete er-Hilfe und Kraft. Und siehe, da« Kriegsglück wandte sich 4 neu gestärkt erhoben sich Israels Scharen und verbreitete»? Tod und Verderben unter die Feinde. Aber nur so lange, al« Mose«' Arme gen Himmel sich hoben, siegte sein Volh sobald seine Hände ermattet sanken, gewannen die AnuUfkiter neue Kräfte und drängten bas Gottesvolk zürück. Da eilte Aaron in göttlicher Begeisterung und Chur in männlicher Iugendkrafr herbei, Mose»' Kraft zu untürstützen. Sie setzten ihn auf einen Stein und jeder stützte einest seiner Arme. Da kam neue Kraft, neue Stegelhoffnung über ihn, immer glühender, immer begeisterter erhob sich fein Gebet zum Himmel «— Gott hörte, da« Volk siegte und die Feinde flohen! Wir haben da« letzte Werk unsre« verewigten Rstuch vor uns; nur im Modell war e« ihm vergönnt, seinen großen Gedanken auSzufüdren; erst Professor Wolf in Bftlin stellte idn ln carrarischem Marmor her. Die drei Personen sind in Colossalgröße. die ganze Gruppe wiegt sechs.- hundert Centn,r. Die Gestalt de« sitzenden Mose«' ist herrlich, nie iah man an einem B'ldhauerwerk« so ausdrucksvolle Augen; da« edle, ehrwürdig« Propherenangeflcht ist umstrahlt von dem Abglanz Gotte«, der Schleier! ist zurückgeworfen, der den Wunoerschein vor dem erschrockenen Volke verhüllte, und staunend in haldknieender Stellung erblickt Aaron d«e Majestät de« erhabenen Bruder«. Aaron erscheint ungleich älter, al« wenn dagegen die stem ^th« feine Sehnen gestählt hätte, und da« üppige lockige Haar, da« sein erhabene« Haupt umspielt, konrrastirt mit den» kahlen Scheitel de« Hohenpriester«. Die auSgestreckrer^ Hände, dir energischen Falten de« Gewände« — alle« athmet Gluth »Md Kraft, Vertrauen zur Gorresmachr, Leben und Geist. Der jüngere Chur in Kriegerrüstrmg ist der Haupthanb, lung mehr adgewanbt; er scheint nur mechanisch und achtungsvoll feine Hilfe dem Gottesmanne za weihen, «der sein Auge ruht auf dem Kampfgnvühl dort uaien und fotzt mit jugendlicher Kriegerlust dem Wechsel der Schlacht. Da« ganze Werk ist Bewegung und Leben, »t»d doch so religiös angehaucht, so echt jüdisch und so menschlich edel dem regierenden Gotte-geiste gegenüber, daß!e« de« schönsten Eindrücke« nicht verfehlen kann. . 3. Mose« innewohnende Golttskrast fern Wesen verjüngt, Seltsame Geschichte eines jüdischen Knaben. Da« Civil-Gericht de« Seinedepartemear« hat ln jüngster Zeit sein Unheil in einem Prozesse gefällt, der durch die Erben Peter Loustaunau«, eine« ehemaligen Gene, ral« der Armeen der Mahratta« in Ostindien, gegen die Vertreter de« Herrn Legine, Juwelier« von Napoleon dem Ersten, angestrengt worden, um die Somme von 600,000 Frc«. wieder zu erlangen, dm. Werth eine« Rubin«, welchen Generals Loustaunau Herrn Legine zum Verkauf, übergeben hatte. Die Kläger verlangten auch 200.000 Frc«. Entschädigung. Der Advokat der Kläger gab rinnt au«, führllchen Bericht über die Abenteuer mir Peter Lrtustaunau, der au« einem.Dorfe am Fuße der Pyrenäen gejbürtig war. Er verließ 1777,'während der Aufregung de« «me» rikanischen Freiheitskriege«, al« ganz junger Mann feine Heimath, um in Amerika sein Glück zu versuchen. Da er jedoch kein paffende« Schiff dazu finden konnte, ging er nach Ostindien, und zwpr an Bord eine« Schiffe«, auf dem ein Gesandter de« König« von Frankreich sich befand,, der den Auftrag hatte, Mit einem vstlndifchen Potentat«, ein Trutz- und Schuhbündaiß gegen die Engländer zu schließen; er landet« in einem Hafen in dem Gebrete der Mährhttaö, nicht weit von Bombay. Der Kaiser der Mahratta«' war gerade ermordet worden, und zwei Prinzen stritten sich um den Thron, von denen der «in« von den Franzose«; der andere von de« Engländern unterstützt wurde. Loustajmrau entschloß sich sogleich, sich dem erster«« anzuschließen und erhielt von dem französischen Gesandten einen Empfehlungsbrief, Seit» angeborenen Dienst« wurde« wegen ftiner Jugend zurückgewiesen. Da beschloß er, al« Freiwilliger zu dienen, und im Laufe de« Krieges zeichnete er sich so au«, daß ihm da« Connnando über ein Detachement anvertraut wurde, an dessen Spitz« er einen Sieg über die Engländer erfocht, für welchen ihn der Prinz mir einem reich gesamlten Pferde und el«er Summe von Ä,000 Rupien belohnt,. SUärrr bekam er einein Oderbefehl und trug viel zu dem glücklichen AuSgang einer wichtigen Schlacht bei, in der er feine link« Hand verlor. Er ließ st« > dafür eine silbern« Hand machen, und al« er da« erste Mal mit biesir neuen Hand an der Spitze seine« Truppe« erfchie«, fiel ein indischer-Priester zu Füßen und rief au«, daß der Wille de« S^tcksal« nun erfüllt fei, denn eine alte Prophezeidung hatte

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