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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 35 (1863) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
35 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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fo daß «r wie rin Leine- Kind gänzlich auf andere Manschen angewiesen war. Oft sank er plötzlich sinnlo« hin un& man zweifelte an seinem Leben; hatte er sich dann wieder erholt, so hob er sein thränenvolles Auge gen Himmel und siehte um Erlösung.; Dir haben Kuh früher als einen „Neumodlschen" be, zeichnet, und als solcher gilt er. wenn man hierunter die» jrnigen unter den Juden jener Zeit versteht, welche fn der Befolgung mancher religiösen Ceremonien und Aeußerlichkeltm nicht sehr rigoros waren. Wie hierin, so war er'überhaupt in seiner Religiosität ein Kind seiner Zeit: Intoleranz und Fanatismus haßte er über alles, er liebte aye Menschen ohne Rücksicht auf Glauben und Meinungen^ wie seine Brüder und hielt fest an dem Grundsätze des großen Friedrich, daß jeder nach seiner Fa?on selig werden k inne. Seine Gottesvereheung und Ergebung in den gört ichen Willen war die eines wahren Philosophen. Bei fallen seinen Leiden entfuhr seinem Mund nie das leiseste Murren gegen seinen Schöpfer; er ertrug alles ml^ der größten Resignation. Wie groß seine Ergebung und welcher Art seine religiöse Ansicht war, erhellt am peut» lichsten aus einem „Gebete", welches er bald nach einem neuen heftigen Schlaganfall verfertigte. Erhör«, Later, mein Gebet! Regiere meinen Geist, Der selten, was ihm nütze, versteht, ' ' Oft. was ihm schadet, preist. In Kummer und in Mißgeschick, - Herr, stähle meinen Sinn; Und schadet mir ein gutes Glück, So nimm «4 wieder hin. Gieb Lieb« mir für Jedermann, Lon dem Du Later bist : Sr bete, wie er will, Dich an, Wenn er Dein Kind nur ist. Naht meines'Leben» Ende sich. ' Ruft mich der Tod ins Grab, So stärke der Gedanke mich: Mein Later ruft mich ad. •) Eharakteristisch für feine religiöse Denkungsart sind quch seine Begriffe vom Gebete. „Ich bete sehr ungern", äußfrte er einmal gegen feinen Freund und Biographen in seiden letzten Jahren, „nach vorgeschriebenen Formeln oder auswendig gelernten Worten, die der Mund gedankenlos her» plappert, ohne daß das Herz das Mindeste dabei empfindet. Ich binde mich weder an Zeit noch Ort, sondern so wie sich meine innigsten Empfindungen von Dank und Liebe zum gütigen Allvater erheben, bete ich. Gottegute Welt ist dann mein Altar und das ganze Universum mein Tempel. Hier erkenne ich am besten die Allmacht deMn, der alles dies mit unendlicher Güte und Weisheit zstm Besten der Millionen von Geschöpfen schuf, daß sie sich deß erfreuen und feine unendliche Lied« daran erkennet;."! Dqß ein Mann mit solchen Ansichten ganz besonders in damaliger Zelt von dem großen Haufen gehaßt ustd verfolgt wurde, bedarf keiner Erwähnung; die Fanarißer unter seinen Glaudensgenoffen verfolgten den in ihrm Augen ketzerischen Kuh bis über den Tod hinaus, und dieser erfolgte, bald. Am 1. April 1790 nahm seine Krankbett einen Lu-erst gefährlichen Eharak^r an; er selbst fühlte fein herattnahrn» de- Ende und reichte feinen Geschwistern und Ben»andren die Hand zum Abschied. Seiner Schwägerin, einer geborenen Christin, übergab er seine schön geschriebenen, mir zärtlicher Sorgfalt gesammelten Gedichte als theures Vermächtnis Nuch zwei Tagen war er von seinen Leiden befrev: mit zum Himmel gerichtetem, gederähnlichem Blicke entschlief er sanft am 8 April 1780 morgens vier Uhr. Kaum sollte man es glauben! Bon den Fanatikern unter seinen Glaubensgenossen wurde er selbst nach dem Tode noch verfolgt: weil er die Brüdergefellfchaft Hu der Sterbestunde nicht bei sich dulden und das Sünbenbikmnt» niß vor dem Tode nicht ablegen wollte, weigerten siie sich, ihm einen feiner Person angemessenen Platz auf dem Friedhöfe einzuräumen. So fein und verschlagen abesr die Frömmler diese Beschimpfung auch angelegt hatten, peurde ihr Plan dmnoch durch den; Einfluß der Verwandten Kuh's vereitelt. Am 4. April begleiteten die Edlern und Bessern ^seiner Glaubensgenossen sein« irdischen Rest« zur letzten Ruhe» stäkt,, und sein Grad schmückt folgende Inschrift, die er sich kurz vor seinem Tode selbst verfaßt«: Hier liegt der Dichter Kuh, Den bald das'schnöde'Glück, Bald auch der Schurken Tücke Geneckt. — Hier hat er Ruh'. •) Gedichte II, 160.. j Der Dubner Maggiv. } von Moritz GrÜnfrld in Schwerfen).! . (Schluß.) Und es schly», als ob ein anderer Geist sich der Chasstdim j bemächtigt hätte. Einer unter ihnen, rtflrtan einem Hellen | Gedanken erfüllt, ließ sich alsbald vernehmen: „A-agid, jetzt habt Ihr grred't, nun will ich reden: Wir haben ^einmal beschlossen unter üns, *uch zu machen «ine Mischkante; es steht aber in eurer Macht, daß ihr sie abwendet von euch. Alle Welt erzählt Wunder von euren Drasches, und wie es heißt, seid ihr gar scharf in Moschelim. *) Da — ich leg' euch einen Possek") vor — ihr macht mir d'rauf ein Moschel — das ist keine Kunst das kann, wie mich dünkt, selbst jeder Einzige von uns. Sagt ihr uns aber ein gleich—) Moschel ohne Poffek^was nicht so leicht ist, so soll euch Keiner was antzaden — dafür verbürg' ich mich, und ihr sollt frei ausgehn." Red Schmelze, fo hieß der Redner, wurde von allen Seiten mir unendlicher Begeisterung applaudirt> und einstimmig rief man aus: „So soll'-sein! S-soll s^ein!"! — Der Maggid bedurfte-zum Besinnen kaum mehr Zeit, alfdas Applaudlren währte. Noch einmal nahm er ihnen ihr Ehrenwort abnoch einmal rief Alles durcheinanÜerT" „Aberwißt, ihr dürft keinen Pofseksagen!" — Ein dreimaliges „Schal" erschallte durch das düstere Zimmer, und der Maggid begann t „Es war 'mal ein Bocher. Achtzehn Jahr' alt führt' er sein Weib heim. 400 Gülden bracht' sie ihm dis Haup^bamit sollt' er sie «mähren und bas Haus führen. 400 ülden warm aber in seinen Augen so viel Gesd, Gleichnissen. •*) Beos, Bibelstelle ') paffasd.

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