Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 35 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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—> 140 daß er glaubt' damit ewiglich auszukommen. ' Er setzt sich nieder und lernt wHer, wie er gewöhnt war, und man lebt von dem Geld. Ein Gülden wird nach dem andern audem Beutel herau-genommen, und e- >»ird immer weniger; denn, wie gesagt, 'n Born schöpft siA auch aus. Sein gut Weid ist anfänglich still dazu; sie will ihn nicht beunruhigen; aber es kommt die Zeit,, wo sie ihm sagen muß: „Es gehr mir dem Gelb geschwind bergab; so kann's doch 'mal länger nicht gehn, nun mußt du d'ran. 300 Gülden sind weg, hundert noch übrig, und da. mit mußt du was zu schaffen suchen, wenn tdit nicht umkommen sollen!" — Sr sieht, wie gerecht sie, ist in ihrer Red', und nimmt sich bald dazu. Sr nimmt! einen Sack und einen Stecken, und geht, wie die meiste^ Züden ge, zwungen sind, was zu kaufen von Kellen, Borsten, Gold, Silber, Kupfer und was sich sonst trifft, um es dann wieder beim Großhändler abzusetzen. Der Bocher aber, der noch nie ein Geschäft gemacht und obendrein eia großer Schlemihl*) ist, geht von einem Dorf zum andern, und «S will mit dem Geschäft nicht gehn. Da, wie er 'mal so ganz betrübt auf der Landstraß' einhergeht und schier verzweifelt an seinem Geschick, erblickt er aas der Kern' einen bekannten Hausirer auS seinem Ort. Frägt einer den andern: „Wie steht'«, wie geht'-?" —Sagt der Eine: „Schlecht, ich Hab' Geld und kann nichts kaufen." Sagt ' der Andere: schlecht, ich kann kaufen upd Hab' kein Geld." — Besser kann sich'« nicht schicken. Bald sind sie einig, das Geschäft zusammen zu machen; der Eine giebt fein Geld, der Andere seinen Kopf, wie da« noch heutzutage oft vorkommr. „Dort in jenem Edelhof", sagt Leidche. so heißt der ohne Geld, har's Felle; „wir wollen hin." Sie kommen vors Thor. Mit einem Mal lassen sich mehrere große Hünd' vernehmen. Tümpel, so heißt der mit Geld, will nicht mir in den Hof; denn die Hünd' ängstigen ihn. Leidche beruhigt ihn aber damit, indem er bemerkt: „Ich had' einen Possek; wenn ich den aussprech', verkriechen sich die Hünd'." — „Was soll ich aber thun?" fragt jener. „Du hälst di<V am Zipfel von meinem Rock, und dir geschieht auch nichts." — Er thut, wie ihm geheißen wird. Kaum aber sind sie in den Hof getreten, alsbald kommen die Hünd' mit großem Gebell auf sie loS und richten sie nicht übel zu; gut noch, baß W nur über di« Gewänder herge. gangen ist. Mitten im Besten schreit Gumpel Leibchen an: „Nu — geschwind sag'den Possek!" — „Di« Hünd' lassen mich doch den Possek nicht sagen" — rt* widert Leibche.- Hiermit schloß der große Maggid. Die Ehafsidim betrachteten einander mit großen Augen; ihr Wort aber hielten sie getreulich und gaben ihm ohne Mischkante den Abschied, den er freudigm Herzens entgegeanahm. Nun nehme auch ich Abschied vom freundlichen Leser. .*) Linkmichel. Jüdische Fabeln und Parabeln von Albert Rosenbaum in Schöftkand. (Kortsetzung.) 7. Der Bär rühmte sich einst vor dem König der Thiere seines Glaubenseifer-. Bierzig Zungen, sagte er, die „hepp! hepp"! gerufen haben. Hab« ich eifernd zerrissen. Ader, sagte der Löwe, du bist doch nun einmal «in dummer Bär. Was war an dem Geschrei gelegen? Warum hast du nicht lieber die Bienen ausgerottet, die erst alle Welt mir ihrem giftigen Stachel verletzen und sich dann hinter ihrer Süßigkeit verbergen? Sie sinb gefährlicher! Hm, brummte der Bär, aber dieser Honig ist auch mir ein Leckerbissen; warum sollte ich die Bienenjagd beginnen? O, rief der König der Thiere verächtlich au- und runzelte die gewaltige Stirn, ich hätte gleich daran denken sollen. Ihr unwürdiges Geschlecht «ißt nur öffentlich vor der Welt mit kleinlichen Dingen euch groß zu machen, aber wo e« euer Eigennutz ist, lasset ihr die ganze Welt verderben, ohne hilfreiche Hand zu bieten. Wie wenig hast du da« Wort de« großen Menschen verstanden, als > er dir zunef. Hinauf, o Bär! nach oben! (Dgl. 2 B. Äon. 2, 23.) (Forts, folgt.) Anekdote. Ein unwissender Jude träumte einst, er wäre der Esel, auf welchem der Messias einherreite. Hochbeglückt von dieser glänzenden Perspektive eilt er am Morgen zum Rabbinen, um eine Deutung de- Traum,« bittend. Nun, antwortete dieser, unsere Weisen sagen: „eS giebt keinen Traum, in welchem nicht eitele, nichtige Dinge Vorkommen." Was nun die eine Hälfte Eures Traume« betrifft, daß der Messias zu Euren Lebzeiten kommen solle, so glaube ich dies nicht, und ist da« da« Eitele an Eurem Traume. Die andere Hälfte aber — daß Ihr ein Esel seid — ist die Wahrheit. D r u ckfe h le r. - Zn Nr. 34. S. 136. Sp. 2 Z. 7 v. u. muß statt „Ralwa" — gelesen werden: „Nation." Allgemeine Zeitung de-Judenthum». No.34. 1863. Leitende Artikel: Da« Judenthum de« 19. Jahrhundert« und da« Lhristenthum (Fortsetzung.) — Spenden.Liste für die Rießer-Stistung. — Literarischer Wochenbericht. Zeitung«nachrichten: Deutschland: Lou der Regnitz. Preußen: Au« der Provinz Posen. Paderborn. Oesterreichischer L a i s e r st a a t: Lemberg,Earl-bad.Fünstirchen,Wien, Wien,Au« dem Tvkavergebirge. Frankreich: Pari«. Donau fürstenthllm er: Vorm. Rußland: Au« Polen, Petersburg, Au- Polen. Nordamerika: Rew-Aork. — Nachtrag: Zürich, Alwua. beziehen durch jede« Postamt uod jede Vuchhaudluag. Jährlich STHaler, vierteljährlich % Thaler. Verantwortlicher Redacteur G. Fritzsche. Verla, »e» v»»»gtrt»«,r i» «rw»io — Drmt »e» <». »retzsi», i» «et»»», -