Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 35 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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I — 138 — Leben Sir wohl und fahren Sir fori mich zu lieben als Ihren ergebensten Freund und Dimer Berlin, dm 9. Mär; 1784. K. D. Ramler. Ramler hielt Wort und veröffentlichte einen großen Theil von Jtui)'4 Gedichten im „Museum"; seine Nachahmungen und Urbersetzungm des Martial nahm der Trinker in den ersten Theil devon ihm herausgegedenea Martial im Auszüge; andere Produkte erschienen in einigm andern j Journalen, wie „Wahrheit und ssreimükhigkeir" und Kausch's! „Freimüthige Unterhaltungen", und zwischen vier dis fünf I taufend Gedichte hiorerließ er ungedrucke, zierlich geschrieben in zwei Quartheftm mir verschiedenen Widmungen „An den Leser!" Von diesen lautet die eine: < Die« Büchlein ist eine Leone; die Waaren, die ich führe, Sind Epigramme; kaufe, wer was brauche» k«ln. Doch, lieben Leute, steht euch gar nicht« an, : So geht fein still vor eine« Andern Thüre. *) j r 1 und «ine andere: t Mein Buch, o Leser, ist ein Baum: Wirst Du in seiner Krone Raum .Mit guter Frucht belad ne Zweige sehen, So nimm sie hin, und laß die schlechrern pchen!**) Es scheint überflüssig, über die Gedichte, fildst ein Urtheil adzugeben; fie haben keine besondem Lbrzüge, sind aber nichtsdestoweniger besser als die ähnlichen bhi Gleim."') Manche seiner Epigramme zeichnen sich hstrch Witz und Laune aus. und fügen wir zu den bereits eingpstrmtm nur wegen der Drolligkeit noch folgendes „Lied eines Arabers" hinzu: ' O Glück! ich sehe fiel Auf jener Lue Macht ihre Gegenwart Die Blumen schöner; Sie duften lieblicher Loa ihrem Odem. N- O Samum, wehe nicht!! Und ihr, o Dornen, Verletzt nicht ihren Fuß! Hauckt, Balsamftauden, - Haucht, wo fie wandelt, Duft! Ich komme, Schönste, Die meine Seele liebt; Licht meiner Augm, Dein Haffan stiegt dir;u. O fleuch nicht, fließet I Gleich edler Ahnen Blut In deiam Adern! Flieh nicht, Vollkommenste,! Bor meioen Küssen! So lang ein Araber — Ibr meint von seinem Mädchen? ■ — C nein! von seiner Stale, f) Wie Kuh nächst Mendelssohn und dem längst verschollenen Polen Jsachar Falkrnsohä Behr s-) der erste Jude war, welcher im vergaagmen Jayrhundei re mit deutschen Versen an die Oeffentlichkeit trat, so war rr auch -leich jenem bemüht, hebräische Stoffe brutsch zu bearbeiten und sie dem deutschen Publikum vorzuführen. Solche .Gedichte „nach dem Hebräischen" sind: Thoren und Weise. Der Thor gedeiht, den Weisen beugt Verdruß und Roth und Plage; Die Welt ist eine Wage, Da« Schwere finit, da« Leichte steigt. *) Hören und Reden. Geschwätzigkeit gefallt nur Thoren. Wen» ihr bei Weisen seid, . Bedenket jederzeit: Rotor gab euch nur Einen Mund und doch zwei Ohren. **) Leben und Tod. Ihr Freunde, sterb' ich einst, io sparet eure Trauer: Der Tod, föhrwahr! ist süß. da« Leben nur ist sauer. Der Tod befreit den Heist, da« Vögelchen ^vom Bauer. ***) Klage eine« Alten- Fürwahr, »Zeit! du bist Ein schlechter Alchymist: Du machst ein silbern Haar Au« dem, wa« golden war. -fs Aeußerliche« und Innerliches. Kein stumpfe« Schwert Erhalt den Werth Von seiner schönen Scheide: Kein Glück vom schönen Kleide.-fs) Der Gelehrte zum Säufer. Mir entfloh beim Oele, Dir beim Weine manche Rächt: Mich hat jene« weise. Dich hat diese« dumm gemacht, -ff-f) Eigenschaft de« Guten. Da« Sure bleibet gut, wenn« gleich vom Bösen kam: Im Wust entsteht da« Gold, die Perle wächst im Schlamm.ß) Wir kehren nunmehr zu dem Leben unseres Dichters zurück. VII. Kuh besang seinen fünfzigsten Geburtstag tzH) und nahm an ihm „Abschied von den Musen"; er nannte die- Gedicht auch wohl seinen „Schwanengefang §§§):" Meine Haare Grauen schon. Fünfzig Jahre Sind entflohn. Meinen Busen, Welch ein Schmerz! Fliehen Musen, Witz und Scherz. Ja den letzten zehn Jahren feines Lebens waren ihm n»r noch wenig freudenreiche lichte Stunden beschieden. Durch seine Unmäßigkeit in den verschiedenartigsten Genüssen zog er sich manche Leiden und Krankheiten zu; seine Kräfte schwanden und boten der Kunst seines Arztes trotz. Im Jahre 1786 rührte ihn der Schlag und lähmte ihm die ganze rechte Seite so wie auch das Sprachorgan, *) Gedichte H. 54. ••) II, 102. •**, Gervians, Geschichte der dearschen R«fio»alliteratnr, IV, 220. Goedecke. Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. 621. f) Gedichte I, 226. f"f) Bergt, ebenso meine Abhandlung „Ein mrbekafintrr Dichter" in DertheimerKimpert's Jahrbuch fürJftachten, 1862/63. •*] —1 t) ++) ttt) *) H) m Gedichte II, 48, Gedichte I, 217. II, 48. I, 261. L 217. L 174. m. s. noch II, 85 u. II, 53. I. 230. II, 212. a